Garik Rafaelyan macht's gerne mit links

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NIDDA - Er ist die Lebensversicherung des SC Viktoria Nidda. Wenn der Fußball-Gruppenligist trifft, hat meistens Garik Rafaelyan seine Füße im Spiel. Nach neun absolvierten Partien gehen acht der 14 Saisontreffer auf das Konto des Stürmers. In der vergangenen Abbruch-Saison waren es 20 nach 17 Spieltagen. Rafaelyans Bestwert stammt aus der Saison 2014/15, als der Stürmer mit armenischen Wurzeln für den KSV Eschenrod in der Kreisoberliga 33-mal traf.

Dass der 34-jährige Berufskraftfahrer aus Nidda in dieser Runde überhaupt noch das Trikot der Viktoria trägt, hängt mit einem weniger zufriedenstellenden Intermezzo bei Verbandsligist TuBa Pohlheim zusammen. "Aufwand und Ertrag standen für mich als berufstätiger Familienvater in keinem Verhältnis. Ich hätte zu Beginn der Saison trotz täglicher Trainingseinheiten wohl nur 15 bis 20 Minuten spielen dürfen. Mehr wäre für mich in dieser starken Pohlheimer Mannschaft zunächst nicht drin gewesen. Da ich ein leidenschaftlicher Fußballer bin, will ich möglichst 90 Minuten auf dem Platz stehen. Unter dem Strich muss man sagen, dass es nicht passte", sagte Rafaelyan nach wenigen Wochen bei seinem neuen Verein und zog die Reißleine. Seit Ende August kickt er wieder für Nidda - und spricht mit dieser Zeitung über ...

... die Fähigkeiten eines Stürmers: "Ein Stürmer sollte eine gewisse Geschwindigkeit und die nötige Cleverness mitbringen. Damit meine ich aber nicht nur die Cleverness und Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Es ist auch wichtig, sich geschickt in den Lücken der Viererkette des Gegners zu bewegen."

... seine persönliche Stärke: "Dazu gehören sicherlich Geschwindigkeit und Cleverness. Zudem bin ich ein absoluter Mannschaftssportler."

... den Wohlfühlfaktor: "Ich hätte es gerne höherklassig in der Verbandsliga versucht. Ich hatte leider sehr starke Konkurrenz. Zudem fehlte mir etwas das Vertrauen des Pohlheimer Trainers. Ich bin aber ein emotionaler Typ, der das Vertrauen seines kompletten Umfelds braucht. Das gibt mir Coach Ferdi Özcan in Nidda, weshalb es hier so gut mit dem Toreschießen klappt."

... seine Anfänge als Stürmer: "Eigentlich kam ich immer über die Außenbahn. Erst 2011 wurde ich ins Zentrum gestellt, weil meinem damaligen Verein Gencler Birligi Nidda die Stürmer ausgegangen waren. Das klappte auf Anhieb gut - deshalb spiele ich noch heute ganz vorne."

... sein Kopfballspiel: "Das ist meine große Schwäche. Irgendwie habe ich das Kopfballspiel nie gelernt - und werde es mit 34 Jahren auch nicht mehr lernen. Warum das so ist, kann ich gar nicht genau sagen. Mit 1,80 Meter bin ich eigentlich groß genug. Angst habe ich auch nicht. Dennoch bringe ich kaum einen Ball mit dem Kopf aufs Tor, auch wenn mir in der letzten Runde ein Kopfballtreffer in der Partie gegen die SG Büdingen gelang. In der Regel versuche ich, hohe Bälle zu stoppen und dann zu verwerten."

... seine Schusstechnik: "Obwohl der rechte Fuß mein stärkerer ist, erziele ich die meisten Tore mit links. Ich führe die Kugel mit rechts und lege sie mir vor dem Abschluss meistens auf den anderen Fuß. Ob Außenrist, Spann oder Innenseite, das ist mir egal. Ich entscheide spontan, wie ich den Ball in Richtung Tor bringe. Elfmeter schieße ich übrigens mit der rechten Innenseite, meistens flach ins Eck. In dieser Saison durfte ich allerdings noch keinen schießen. Extra Schusstraining verordne ich mir nicht, weil ich das in der Jugend recht gut gelernt habe. Manchmal schnappe ich mir einen unserer Schlussmänner und jage ein paar Elfmeter aufs Tor."

... seine acht Saisontore: "Ich habe nach neun Spieltagen acht der insgesamt 14 Niddaer Tore erzielt. Außerdem stand ich in den ersten beiden Partien nur insgesamt 40 Minuten auf dem Platz. Deshalb ist meine Ausbeute absolut in Ordnung, auch wenn ich beim 1:1 gegen den FC Gelnhausen zwei, drei Tore hätte machen müssen."

... einen besonderen Treffer in dieser Saison: "Mein schönstes Tor war der Führungstreffer gegen Kickers Obertshausen, als ich den Ball aus der Luft annahm, über meinen Gegenspieler lupfte und volley abschloss. Später legte ich noch einen weiteren Treffer zum 2:0-Endstand nach. Natürlich habe ich auch noch das letzte Spiel vor der Saisonunterbrechung in guter Erinnerung, als mir Ende Oktober beim 4:3-Derbysieg gegen die Sportfreunde Oberau zwei Tore gelangen."

... seine Ziele: "Im Herbst habe ich mir 15 Tore als Ziel gesetzt. Sollte die Runde wirklich noch fortgesetzt werden, würden wir wohl noch maximal zehn Spiele bestreiten, um die Vorrunde abschließen zu können. Deshalb bleibe ich bei 15 Toren. Viel wichtiger wäre allerdings der Klassenerhalt mit der Mannschaft. Als Tabellen-16. ist der Rückstand nach oben nicht zu groß."

Das sagt der Trainer

Ferdi Özcan: "Garik Rafaelyan ist heiß auf Erfolg. Wenn er den Ball hat, sucht er den Weg zum Tor und vergisst manchmal nach links oder rechts zu schauen. Das meint er aber nicht böse - Garik ist kein Egoist, vielmehr ein Teamplayer. Wenn er das Tor sieht, nimmt er eben Fahrt auf. Das macht ihn so gefährlich. Garik ist außerdem sehr laufstark und schnell. Wenn er oftmals mit seinem vermeintlich schwächeren linken Fuß abzieht, muss ich lachen. Aber das zeigt seinen absoluten Willen vor dem Tor, da ist der Fuß egal." Özcan will seinen besten Stürmer aber nicht nur loben, nennt deshalb auch ein paar Schwächen: "Garik ist abseitsanfällig, hat kein gutes Kopfballspiel und vergibt manchmal zu viele Chancen." Dennoch sei er ein Spieler, den jeder Trainer gerne in seiner Mannschaft hätte. "Er ist einer unserer wichtigsten Akteure, weil er in der Kabine für gute Stimmung sorgt und auf dem Platz mittlerweile eine Art verlängerter Arm für mich ist. Deshalb bin ich froh, dass Garik uns auch in der kommenden Saison zur Verfügung stehen wird", sagt der Viktoria-Trainer.

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