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Gedämpfte Geburtstagsfeier

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Wetzlar/Flensburg. Das Reinfeiern in einen 30. Geburtstag stellt sich der »Jubilar« sicher anders vor. »Wir haben ihm irgendwann gegen 1 Uhr bei unserem ersten Stopp auf einer Autobahn-Raststätte gratuliert«, schilderte Jasmin Camdzic knapp sieben Stunden nach der Ankunft um 6 Uhr morgens die nächtliche Szenerie, das Händeschütteln und die Gute-Wünsche-Runde für Erik Schmidt.

Der Kreisläufer der HSG Wetzlar feierte am Mittwoch seinen »Runden«, doch so richtig in Party-Stimmung war zumindest auf der Rückreise aus dem hohen Norden niemand im Mannschaftsbus der Grün-Weißen.

Dafür gab die finale Vorstellung am Ende eines so stark startenden, dafür von der Euphorie genauso stark nachlassenden Jahres 2022 der Wetzlarer in der Handball-Bundesliga wenig bis keinen Anlass. »Wir zerstören uns das, was wir uns hart erarbeitet haben, innerhalb von fünf Minuten wieder komplett«, hatte Torhüter Till Klimpke schon kurz nach der letztlich überdeutlichen 24:34 (11:16)-Niederlage seiner Mannschaft am Dienstagabend bei der SG Flensburg-Handewitt gesagt.

»Ich glaube, wir haben uns alle über dieses minus zehn am Ende tierisch geärgert«, fügte Camdzic einen Tag später hinzu. »Wir waren auf einem ordentlichen Weg, uns dort nicht aus der Arena werfen zu lassen. Und ich kann nur noch mal betonen, dass sich die Jungs alles gegeben haben. Aber es war das 18. Spiel der Saison, auch unsere Spieler sind an ihren Grenzen. Dazu belastet das Ausbleiben von Erfolgen natürlich noch mehr«, versuchte der Sportliche Leiter das halbwegs Positive aus dem längsten aller langen Auswärtsfahrten im Oberhaus zu ziehen. »Und Flensburg ist ja auch nicht ohne, die haben Kiel mit plus 13 geschlagen, immer dann Gas gegeben und mindestens einen Gang hochgeschaltet, wenn sie es mussten«, stellte »Jasko« auch dem siegreichen Gegner ein Lob aus.

Beim genauen Blick in den eigenen Stall blieb für Camdzic, Trainer Hrvoje Horvat und die Mannen um Kapitän Adam Nyfjäll derweil nicht viel hängen, um zum Jahreswechsel vor Optimismus und Selbstvertrauen zu strotzen. »Okay, wir hatten Lenny Rubin, der es aus dem Rückraum eindeutig am besten gemacht und Gefahr ausgestrahlt hat. Wir hatten Lukas Becher, der in der 5:1-Abwehr einen Weltklasse-Mann wie Jim Gottfridsson mehrfach an die Kette gelegt und zum Nachdenken gebracht hat. Und wir hatten mit Radojica Cepic einen Mittelmann, der ordentlich Dampf gemacht hat, als er reinkam«, wusste der Sportliche Leiter des Tabellen-16., warum der Tabellen-Fünfte in der ausverkauften Flens-Arena nicht viel früher als in der Schlussviertelstunde die Weichen auf Sieg gestellt hatte. Als sich Cepic mit einer Körpertäuschung gegen zwei Akteure der meist sehr tief stehenden Flensburger Deckung durchsetzte und Benjamin Buric im SG-Kasten zum 20:23 (45.) aus HSG-Sicht überwinden konnte, wurde es unter den 6300 Zuschauern für einen Moment etwas stiller.

»Doch wir hatten weiter zu wenig Druck aus dem Rechten Rückraum und haben in unserer Abwehr speziell im Eins-gegen-eins dann wieder nachgelassen. Ein Spitzenteam nutzt so was dann blitzschnell zu seinen Gunsten«, mussten Camdzic und Co. drei Golla-, zwei Gottfridsson- und einen Semper-Treffer später erkennen: Neben der Fahrt nach Lemgo können sich die Wetzlarer eigentlich auch den langen Trip an die Förde sparen.

Was natürlich nicht geschieht. Schon am 4. Februar geht es für die Lahnstädter wieder in die Flens-Arena, dann steht zum Pflichtspiel-Auftakt des neuen Jahres das DHB-Pokal-Viertelfinale an. Fünf Tage später kommt die TSV Hannover-Burgdorf zum Bundesliga-Re-Start in die Buderus-Arena.

»Bis dahin wollen und müssen wir aus unseren Fehlern lernen«, sagte Camdzic. Die Vorbereitung für alle Nicht-WM-Fahrer und aktuellen Nationalspieler der HSG (inklusive den mit Kroatien bei der Weltmeisterschaft weilenden Coach Horvat) beginnt am 9. Januar. Und damit der zweite und entscheidende Teil des Weges im Kampf ums Überleben in der Bundesliga. Mal schauen, ob es spätestens im Juni mehr zu feiern gibt als den Geburtstag von Erik Schmidt am 28. Dezember 2022.

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