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Gegenseitig wachgerüttelt

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Hoch das Bein: Felix Erben ist hier vor Patrick Kuczok am Ball. Und zum Glück nicht an dessen Kopf. Foto: Bär © Bär

Waldgirmes . »Das war ganz, ganz bitter und unheimlich schwer für den Kopf«, erinnerte sich SC-Trainer Mario Schappert an Minute elf. Soeben hatte Dietkirchens Topstürmer Maximilian Zuckrigl nach seinem 0:1 (8.) die bis dahin unaufmerksame Waldgirmeser Deckung zum zweiten Mal düpiert und zum 0:2 getroffen. Dass aber Fußball-Hessenligist SC Waldgirmes nach diesem 0:

2-Rückstand gegen den TuS Dietkirchen noch 5:2 (2:2) gewann, ist ein dickes Ausrufezeichen.

SC Waldgirmes - TuS Dietkirchen 5:2

Fünf Änderungen in der Startelf nahm Schappert im Vergleich zur 2:3-Pleite aus der vergangenen Woche in Griesheim vor. Und doch schien es, als ginge der Negativlauf der Lahnauer ungebremst weiter. »So etwas Billiges darf nicht passieren«, lautete der unüberhörbare Weckruf von Führungssspieler Kian Golafra an seine Kameraden ob deren Schlafmützigkeit im gesamten Defensivverbund. Bis dahin waren die Gastgeber immerhin dreimal aussichtsreich auf die gegnerische Grundlinie gelangt, ließen aber stets einen schlampigen Pass nach innen folgen. Dietkirchen agierte zunächst clever und stieß immer wieder in die Räume der Waldgirmeser Deckung, in der weder die Tiefenstaffelung stimmte, noch die Abstände innerhalb der Vierer-Abwehrkette. »Ich kann nicht verstehen, wieso wir hinten auf einmal so anfällig waren«, wusste Gästetrainer Steffen Moritz um mittlerweile satte 30 Gegentore sowie nur einen Sieg aus den letzten sechs Partien.

Der SC war in der Folge immer dann gefährlich in der Vorwärtsbewegung, wenn Kevin Bartheld das Spiel nicht verschleppte, sondern Tempo machte. Und wenn Maximilian Wiessner an der Vierer-Abwehrkette der Gäste regelrecht listig entlang schlich, um den Kameraden plötzlich seine tiefen Läufe anzubieten. So geschehen auch beim 1:2-Anschlusstreffer Wiessners (27.). Ins Regal mit dem Etikett »billige Gegentore« griffen in Minute 36 die Gäste. Luis Stephans Freistoß aus dem Halbfeld segelte in den TuS-Strafraum. Henry Erler durfte dort vollkommen unbehelligt zum 2:2 ausgleichen. »Waldgirmes hatte längst Oberwasser und das zog sich auch in die zweite Halbzeit hinein«, ärgerte sich Steffen Moritz. Seine Jungs bewiesen in der Folge mehrfach, wie stark sie vorne sein können, denn Maximilian Zuckrigl (48./89.) sowie Jannik Schmidt (82.) besaßen noch absolute Hochkaräter.

Warum aber konnte der SC die Partie schließlich noch komplett und klar zu seinen Gunsten drehen? Erstens, weil Schapperts Jungs nicht die Brechstange auspackten, sondern fußballerische Lösungen suchten. Zweitens, weil Kian Golafra und Max Schneider auf der Doppelsechs immer wieder ankurbelten. Drittens, weil Maximilian Wiessner einen Sahnetag erwischte und per sehenswertem Schlenzer auf 3:2 stellte (65.). Und vor allem deshalb, weil es in der Waldgirmeser Mannschaft nach wie vor atmosphärisch stimmt, was das Anbringen und Umsetzen von konstruktiver Kritik auf dem Feld belegte. Kevin Barthelds Traumpass in die Schnittstelle nutzte Felix Erben zum 4:2 (86.).

Spätestens als »Joker« Ogün Ünal den nächsten »Joker« Nico Götz bediente und dieser den 5:2-Endstand markierte (90+5) waren die vier SC-Pleiten aus den letzten fünf Pflichtspielen vergessen. »Wir haben eine tolle Moral gezeigt und uns gegenseitig wachgerüttelt. Meine Mannschaft kann vieles auf dem Feld untereinander regeln«, registrierte Mario Schappert und verwies auf den »für den Kopf ganz wichtigen Sieg«.

Waldgirmes: Buss - Stephan, Schmidt, Erler, Fürstenau - Schneider (90+4 Ünal), Golafra - Wiessner (71. Fürbeth), Bartheld (88. Kim), Erben (90+2 Götz) - Tega (63. Hartmann)

Dietkirchen: Laux - Cicatelli, Kuczok, Bergs, Nickmann (77. Schmidt) - Kratz, Hautzel (87. Schmitt) - Leukel (82. Klöckner), Dankof (87. Böcher), Schmitz (58. Stahl) - Zuckrigl

Schiedsrichter: Rolbetzki (Schröck) - Zuschauer: 250 - Tore: 0:1 Zuckrigl (8.), 0:2 Zuckrigl (11.), 1:2 Wiessner (27.), 2:2 Erler (36.), 3:2 Wiessner (65.), 4:2 Erben (86.), 5:2 Götz (90+5)

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