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»Geht nicht, gibt’s nicht«

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Der Macher der Basketballer des FC Bayern: Uli Hoeneß. Die Münchner gastieren Sonntag in Gießen. © Schepp

Gießen. Vor einem Jahrzehnt hießen die Gegner noch Saar-Pfalz Braves, GiroLive-Ballers Osnabrück oder UBC Hannover Tigers. Alle finanziell auf Kante genäht, alle vor 300 oder 400 Aufrechten spielend, alle in der Grauzone zwischen Profitum und wehrhaftem Amateursport bemüht, sich gegen den Abstieg aus der ProA, wie die 2. Basketball-Bundesliga seit langem heißt, zu stemmen.

Mit dem jährlichen Höhepunkt: einem Gastspiel des FC Bayern München.

Zehn, elf Jahre später, besteigen die »Roten« keinen Mannschaftsbus mehr, um Pflichtspiele irgendwo im Nirgendwo auszutragen. Heute heißen die Gegner Real Madrid, FC Barcelona, Armani Mailand, Olympiakos Piräus oder Anadalu Efes Istanbul.

Bis zu 15.000 Menschen toben im WiZink Center, im Palau Blaugrana, im Mediolanum Forum, im Stadion des Friedens und der Freundschaft oder im Sinan Erdem Dome, um die Bayern live zu erleben.

Aus einem ambitionierten Zweitligisten ist längst ein »bauchgesteuerter Unterhaltungsbetrieb«, wie einst die Süddeutsche Zeitung bemerkte, geworden. Nicht unbedingt erfunden von Uli Hoeneß, dem mächtigen Fußball-Manager, aber zumindest vom heute 70-Jährigen zum Leben erweckt, zu neuen Taten angestachelt und auf Erfolg getrimmt. Millionen Euro schwer! Mit Zwischenstationen wie am Sonntag (15 Uhr) in der Gießener Osthalle, die auf der ambitionierten Münchner Reise zum schon lange ersehnten, noch immer nicht realisierten, aber generalstabsmäßig geplanten Titelgewinn in der EuroLeague wie aus dem Rahmen gefallen erscheint.

Kann einer Sportart Besseres passieren als der Einstieg einer Weltmarke? Für den deutschen Basketball ist der FC Bayern jedenfalls direkt zur funktionierenden Lokomotive geworden. Sie polarisiert mittlerweile in ähnlicher Weise wie die clubeigenen Fußballer. Die Fans unter den Bretter der Republik lieben oder hassen sie. Wobei es jede Menge guter Argumente gibt, den Giganten aus dem Süden zu mögen: Er ist ein Ableger des mitgliederstärksten Vereins der Welt. Er liefert den höchsten Promi-Faktor in Deutschland. Vor allem aber haben die Bayern dafür gesorgt, dass deutscher Basketball in Europa wieder angesehen ist. Denn seit dem EM-Titelgewinn 1993 ging es rapide bergab. Woran auch ein Dirk Nowitzki im fernen Dallas nichts ändern konnte.

Inzwischen hat die hochprofessionelle Erweiterung eines der erfolgreichsten Fußballclubs des Planeten mit selbstbewussten Visionen und innovativen Konzepten dafür gesorgt, dass sich Sponsoring auch im Basketball lohnt. Die Korbjäger des FC Bayern bieten in der Sportstadt München und somit in einer der florierendsten Regionen Deutschlands attraktive Möglichkeiten für Geldgeber und solche, die es noch werden wollen. Woran Uli Hoeneß, neben Ex-Bayern-Vize Bernd Rauch der Motor des Erfolges, großen Anteil hatte. Und hat ...

»Wir haben das alles mit viel Herzblut aufgebaut. Wer ganz nach oben will, in der zweiten und dann später in der ersten Liga, der benötigt Geld. Deshalb hat Bernd Rauch mich ins Boot geholt. Ich habe das Geld aufgetrieben, und er hat als Fachmann für alle baulichen Dinge eine völlig marode Rudi-Sedlmayer-Halle in den Audi Dome verwandelt. Wir können alle stolz sein, dass wir eine Sportart, die wirklich toll ist, zu viel Leben erweckt haben«, hatte Hoeneß vor einigen Jahren die Anfänge noch einmal Revue passieren lassen.

Ursprünglich begann der Aufschwung mit einer Mitgliederbefragung im Jahre 2010. Damals hatten 75 Prozent der rund 23 000 Beteiligten ihr Votum pro Basketball als zweite professionelle Sportart neben Fußball abgegeben - und damit den Grundstein für die Erfolgs-Geschichte der Bayern-Korbjäger gelegt. Die Kraft der Münchner sollte sich bereits in ihrer Bundesliga-Premieren-Saison entfalten.

Nach teils beeindruckenden Vorstellungen, nicht nur im stets sehr gut besuchten Audi Dome, stand am Saisonende ein fünfter Platz zu Buche. Und Uli Hoeneß, damals knapp 60, prognostizierte allen Bayern-Fans eine »erfolgreiche Zukunft. Ich kann den Leuten versprechen, dass wir die nächsten zwei, drei Jahre um die Deutsche Meisterschaft mitspielen werden.«

Gesagt - getan: 59 Jahre nach dem letzten Titelgewinn errang der Club 2014 wieder den Titel in der höchsten deutschen Spielklasse. Und dies unter Trainer-Legende Svetislav Pesic, der längst Ex-Bundestrainer Dirk Bauermann beerbt hatte. Es folgten zwei weitere Meisterschaften und zwei Pokalsiege sowie der erstmalige Einzug eines deutschen Teams in die Playoffs der EuroLeague im vergangenen Jahr.

Auch in dieser Saison haben die Bayern in der EuroLeague die Playoffs erreicht. Vergangene Woche, mit einem deutlichen Sieg über Roter Stern Belgrad. Für Uli Hoeneß indes ist die Entwicklung »seiner« Basketballer noch lange nicht abgeschlossen. Der für Ende 2023 geplante Umzug in die neue, hochmoderne Heimspielstätte SAP Garden mit einem Fassungsvermögen von 12 500 Zuschauern steht noch aus. Ebenso wie das Erreichen des »Final Four« der Königsklasse.

Hoeneß macht Dampf: »Ich glaube schon, dass der FC Bayern ein Zugpferd in Europa sein kann. Es wäre ein Traum, wenn wir auch im Bereich Basketball federführend wären.«

Der Ehrenpräsident bleibt seinem jahrzehntelang erst im Fußball und dann im Basketball vorgelebten Motto treu: »Geht nicht, gibt’s nicht.«

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