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Gespannt auf die größeren Prüfsteine

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Gießen (mol). 6:0 Punkte und 102:81 Tore - so lautet die Bilanz der Deutschen Handball-Nationalmannschaft nach der Vorrunde der Weltmeisterschaft in Polen und Schweden. Vier Zähler davon nimmt die Mannschaft von Trainer Alfred Gislason nun mit in die am Donnerstagabend (18 Uhr) beginnende Hauptrunde, in der neben Auftaktgegner Argentinien noch die Niederlande und Norwegen warten.

Wie er die deutsche Mannschaft während des bisherigen Turniers gesehen hat und wie er die Chancen für die Hauptrunde einschätzt, hat uns Julian Reusch, Trainer des Männer-Oberligisten HSG Kleenheim-Langgöns, verraten.

Wie beurteilen Sie den bisherigen Auftritt der deutschen Mannschaft?

Das Auftreten war sehr positiv. Wir haben meiner Meinung nach eine sehr sympathische Mannschaft am Start, die von ihrer Geschlossenheit und ihrem Miteinander lebt und davon profitiert. Die Art von Alfred Gislason passt sehr gut zum Team, denn neben der Erfahrung, die er mitbringt, agiert er sehr ruhig und konzentriert, aber auch mit Lockerheit und mit Leidenschaft. Zudem ist er auch in Auszeiten sehr besonnen und gibt der Mannschaft gute Tipps an die Hand. Ich glaube, dass die Truppe davon sehr profitiert.

Was hat Ihnen bei den deutschen Spielen am besten gefallen und wo gäbe es noch Verbesserungspotential?

Die Offensivleistungen haben mir bislang sehr gut gefallen, auch spielerisch. Aber man weiß natürlich auch, dass es bei Turnieren vor allen Dingen auf die Abwehr ankommt. Die Torhüterleistungen von Andi Wolff und Joel Birlehm sind bislang gut, aber beispielsweise gegen Serbien hat man gesehen, dass Deutschland doch noch einige Abwehrlücken offenbart hat. Trotz einiger freien Paraden der Torhüter hat es 33 Gegentore gesetzt, da ist ganz klar noch Steigerungspotential. Zumal jetzt mit Mannschaften wie den Niederlanden und Norwegen Gegner kommen, die schnell spielen und aufs Tempo drücken.

Die jungen Spieler wie Julian Köster, Lukas Mertens oder Johannes Golla haben mir bislang zudem sehr gut gefallen, auf Spieler wie Juri Knorr hat Deutschland gewartet. Solchen Spielern eine Chance zu geben, ist mit Blick auf die Großveranstaltungen im eigenen Land in den nächsten Jahren sehr wichtig und machen Hoffnung.

Wie bewerten Sie die Hauptrunden-Gruppe?

Wir sollten Auftaktgegner Argentinien nicht unterschätzen. Sie haben Nordmazedonien deutlich geschlagen und stehen zurecht in der Hauptrunde. Auch das Gruppen-Duell der Niederlande gegen Norwegen hat mir unheimlich gut gefallen. Das Tempo und die Dynamik waren beeindruckend, durch die neue Regel bei der »schnellen Mitte« ist das Spiel auch wirklich nochmal schneller geworden. Die Hauptrundengruppe klingt machbar und besitzt mit Norwegen vermeintlich nur einen großen Namen, aber auch die Niederländer mit dem in der Region ja bestens bekannten Trainer Staffan Olsson sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Es wird sich generell zeigen müssen, wie wir gegen die größeren Prüfsteine agieren, denn vor allem im Mittelblock fehlt uns doch noch die eine oder andere Alternative, auch wenn Julian Köster seine Sache da bisher sehr gut macht. Da hätten sich alle sicherlich dennoch gewünscht, dass Hendrik Pekeler oder Patrick Wienczek dabei wären. Ob es daher von der Abwehrstärke her gegen die Weltklasse-Teams reicht, muss sich erst noch herausstellen.

mit Julian Reusch

(Trainer HSG Kleenheim-Lg.)

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