Glasners Frankfurter »3 G«

Frankfurt (pep). Der Auftakt für Oliver Glasner bei der Frankfurter Eintracht war alles andere als einfach. Die Unruhe aus dem Frühjahr und Sommer war in die neue Saison geschwappt. Der neue Trainer hat dagegen angekämpft, er hat nach Lösungen gesucht und er hat sie gefunden.

Jetzt wird Glasner (47) mit Siegen belohnt. Das 2:1 gegen Union Berlin war der dritte Ligasieg in Folge, der vierte wettbewerbsübergreifend, der erste Heimsieg. Die Frankfurter haben sich von hinten abgesetzt und sich nach vorne angeschlichen. Sie liegen gleichauf mit Klubs wie dem 1.FC Köln, Mainz 05, RB Leipzig oder Borussia Mönchengladbach, die noch vor wenigen Wochen enteilt schienen. Doch es sind nicht nur nackte Zahlen, die die Eintracht durchatmen lassen. Auch die Leistungskurve steigt stetig an. Das Spiel gegen Union war das bisher beste der Saison. Glasner hat der Mannschaft seinen Stempel aufgedrückt und den Spielern gelingt es immer besser, den Spielstil des neuen Trainers umzusetzen. »Wir fühlen uns wohl im System«, sagt Djibril Sow, dem gegen die Berliner sein erstes Saisontor gelungen war.

Jetzt steckt wieder Eintracht drin, wo Eintracht draufsteht. Das beginnt ganz hinten und zieht sich durch bis nach vorne. Bei Makoto Hasebe ist der neue Trainer zum gleichen Ergebnis gekommen wie sein Vorgänger. Der 37 Jahre alte Japaner macht das Spiel der Eintracht schlicht besser, zudem präsentiert er sich fit wie immer. Der Eintracht-Coach konnte sich den Luxus erlauben, mit Martin Hinteregger den eigentlichen Abwehrchef draußen zu lassen. Auch dies ein Ausdruck der Stärke. Dass er in Zukunft beide brauchen wird, Hasebe und Hinteregger, steht außer Frage. Den Brasilianer Tuta hatte Glasner schon mal aussortiert, ihn aber längst wieder integriert. Auch Evan Ndicka, der Siegtorschütze gegen Union, war schon mal draußen. Und ist wieder drinnen.

Im defensiven Mittelfeld passen Sow und Kristijan Jakic in ihrer Unterschiedlichkeit perfekt zusammen. Der Schweizer ist ein eleganter Fußballer, der Kroate ein verbissener Kämpfer. Und rennen können sie beide. Wie die gesamte Mannschaft. 122,4 Kilometer waren der Spitzenwert des gesamten Spieltages und sind drei Tage nach einem schweren Europapokalspiel Ausdruck von guter Einstellung und noch besserer Kondition. Belohnung für die Spieler: Zwei freie Tage.

Und selbst bei der schwierigsten Übung im Fußball, ein effektives Angriffsspiel aufzuziehen, sind die Frankfurter auf einem guten Weg. Glasners Vorgänger standen dafür Sebastian Haller, Luka Jovic und André Silva zur Verfügung, dem aktuellen Trainer fehlen solche Ausnahmekönner. Doch er hat hart an Lösungen gearbeitet. Und dies mit Erfolg.

Für zwei Tore ist die Eintracht seit Wochen immer gut. Natürlich, weil Filip Kostic längst wieder Topform erreicht hat. »Er ist ein Unterschiedsspieler«, sagt Sportvorstand Markus Krösche und arbeitet daran, den Vertrag mit Kostic (bis 2023) vorzeitig um zwei Jahre bis 2025 zu verlängern. Der Trainer hat erkannt, dass er für Kostic keine neue Rolle finden muss. Kostic spielt am besten, wenn er spielt wie immer. Glasner hat das gemerkt.

Doch die neue Offensivstärke beruht nicht alleine auf Kostic. Daichi Kamada ist ein kongenialer Partner. Jesper Lindström und Rafael Borré ergänzen sich sehr gut, sind laufstark und flink. Dass den beiden Neuen manchmal noch körperliche Durchsetzungsfähigkeiten fehlen, ist immer noch sichtbar, aber nicht mehr so nachteilig wie zu Beginn der Saison.

Denn auch da hat Glasner eine Lösung gefunden: Im Notfall, wie jetzt gegen Berlin, kann er mit Goncalo Paciencia und Ragnar Ache von der Ersatzbank Wucht ins Spiel bringen. Auch das klappt immer besser. Fazit: Bei der Eintracht ist etwas zusammengewachsen.

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