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Grazioli entscheidet Nervenschlacht

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Von: Nico Hartung

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Ackern am Kreis: Die Hüttenberger Moritz Zörb, Johannes Klein und Ian Weber bearbeiten die Eisenacher. Foto: Bär © Bär

Hüttenberg. Am Ende wusste Leonard Grazioli gar nicht mehr, wo oben und unten war. So dermaßen stürmisch hatten sich seine Teamkameraden nach dem Ertönen der Schlusssirene auf ihn gestürzt, dass sie ihren Schlussmann vor purer Freude beinahe unter sich begruben.

TV Hüttenberg - Eisenach 40:39 n.V.

Und womit? Mit Recht! Der Schweizer Nationalkeeper avancierte in der Schlussphase des DHB-Pokal-Erstrunden-Spiels zwischen dem TV Hüttenberg und dem ThSV Eisenach am Samstagabend zur entscheidenden Figur - und das gleich in seinem ersten Pflichtspiel für seinen neuen Arbeitgeber, das nach zwei Verlängerungen mit 40:39 (Halbzeitstand 18:16, Endstand 32:32, 37:37 nach erster Verlängerung) endete.

Allein in den zwei Mal zehn Minuten der Verlängerung parierte Grazioli, der in der regulären Spielzeit zuvor noch eine durchschnittliche Leistung geboten hatte, mehr als ein halbes Dutzend völlig freier Eisenacher Würfe, womit er den TVH gleich mehrfach am Leben hielt. Vor allem jedoch war es der finale Showdown, der dem 21-jährigen Schweizer bereits jetzt einen Platz in den Herzen der TVH-Fans gesichert haben dürfte. Acht Sekunden vor dem Ende der zweiten Verlängerung musste Hüttenbergs von der MT Melsungen gekommener Neuzugang Paul Kompenhans den Ball nach Zeitspiel in der gegnerischen Hälfte liegen lassen. Eisenachs Peter Walz schaltete blitzschnell und bediente den längst gestarteten Jannis Schneibel, bis dato bester Gästespieler, so dass dieser beim Stand von 40:39 für die Hausherren alleine auf den herausstürzenden Grazioli zusteuerte, um das Harzleder jedoch schließlich gegen dessen Oberkörper zu feuern.

»Wir sind meiner Meinung nach in der Schlussphase eigentlich dominierender, aber Hüttenberg hat die klar bessere Torhüterleistung und entscheidet das Spiel deshalb auch für sich«, gestand Graziolis Landsmann Misha Kaufmann, Trainer der Eisenacher, nach dem Schlusspfiff.

Der Zweitliga-Dritte aus dem Vorjahr hatte am Ende der regulären Spielzeit schon beinahe wie der sichere Sieger ausgesehen, ehe Hüttenbergs Linksaußen Philipp Schwarz sechs Sekunden vor Schluss doch noch den Ausgleich zum 32:32 erzielte - Verlängerung! »Ich kann meinen Jungs nur ein riesiges Kompliment machen, sie haben eine wahnsinnige Mentalität gezeigt und sind verdient eine Runde weitergekommen«, lobte TVH-Coach Johannes Wohlrab, der noch am Vormittag in Düsseldorf auf einem Lehrgang seine A-Lizenz verlängert hatte.

Es war bezeichnend, dass Schwarz, gerade 20 Jahre jung, diesen wichtigen Treffer erzielt hatte. Denn es war beeindruckend zu sehen, wie in einem TVH-Team, das einen Altersdurchschnitt von knapp 23 Jahren aufweist, kein Akteur davor zurückscheute, in entscheidenden Phasen die Verantwortung zu übernehmen. So war der ebenfalls aus Melsungen gekommene David Kuntscher (20 Jahre) am Ende mit acht Treffern bester TVH-Werfer und auch Kompenhans (19) ließ, selbst wenn ihm nicht alles gelang, mit seiner Schnelligkeit und Beweglichkeit erahnen, dass er eine echte Verstärkung sein könnte. »Ich hatte zwar vorher schon davon gehört, aber heute habe ich zum ersten Mal erlebt, was für ein Hexenkessel diese Halle werden kann«, so der Mittelmann hinterher.

Laut war es im Hüttenberger Sportzentrum am Ende tatsächlich geworden - schade war jedoch, dass nur 546 Zuschauer den Weg in die Halle gefunden hatten. Eine Zahl, die der Darbietung der Hüttenberger in keinem Fall gerecht wurde. »Wenn wir heute keine Werbung für uns gemacht haben, dann weiß ich auch nicht. So einen leidenschaftlichen Kampf in einem solch spannenden Spiel, so eine junge Truppe, wo fast nur Spieler aus Hessen auflaufen. Jetzt hoffe ich auf die Mundpropaganda, damit bald wieder mehr Leute kommen«, so Wohlrab hinterher.

Der 36-Jährige hatte neben dem am Mittwoch erfolgreich am Knie operierten Timm Schneider kurzfristig auch noch auf seinen zweiten Rückkehrer Jannik Hofmann verzichten müssen, der mit Problemen am Knie aus Sicherheitsgründen auf einen Einsatz verzichtet hatte. Hofmann dürfte am kommenden Samstag, wenn der TVH die HSG Nordhorn-Lingen zum Ligaauftakt empfängt, wieder an Bord sein.

Schneider indes wird angesichts seines langen Genesungsprozesses wohl bis in den Winter hinein keine Option für Wohlrab sein.

Hüttenberg: Grazioli, Plaue - Schwarz (4), Kirschner (4), Opitz, Theiß (2), Fujita (2), Weber (7/2), Zörb (3), Reichl (2), Klein, Kompenhans (2), Schreiber (3), Ribeiro (3), Kuntscher (8).

Eisenach: Töpfer, Jepsen - Reichmuth, Hübke, Hangstein (12/5), Ulshöfer, Walz (5), Grgic, Hideg, Tokic, Meyer, Donker, Schneibel (8), Snajder (8), Weyhrauch (3), Saul (4).

Schiedsrichter: Schmidt/Linker (Recklinghausen/Bochum) - Zuschauer: 546 - Zeitstrafen: Hüttenberg sechs (Kirschner, Theiß, Weber, Zörb zwei, Klein), Eisenach neun (Snajder zwei, Donker, Meyer, Walz zwei, Hangstein zwei, Hübke) - verworfene Siebenmeter: Weber (Hüttenberg) scheitert an Jepsen (43.).

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