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Großer Kampf ohne Lohn

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Bonn. Der Brüser Berg in Duisdorf, ein Stadtteil des Hardtberges im Westen von Bonn, bietet eine beeindruckende Sicht auf den Rhein sowie die Stadtteile Beuel und Bad Godesberg.

Im Abstiegskampf der Basketball-Bundesliga aber haben die Gießen 46ers an jenem Ort leicht oberhalb der ehemaligen Bundeshauptstadt den Blick in Richtung rettendes Ufer schon so gut wie verloren. Bei den ortsansässigen Telekom Baskets kassierten die Männer von der Lahn gestern Abend trotz bärenstarker Leistung eine 72:78 (36:38)-Niederlage, nach der sie sieben Spieltage vor dem Ende der Saison weiter mindestens vier Erfolge vom Klassenverbleib trennen.

Drei Tage nach der 85:95-Heimniederlage gegen den Rangzweiten und EuroLeague-Viertelfinalisten Bayern München verkaufte sich die Truppe von Coach Pete Strobl auch beim Spitzenreiter, der auf seine Stützen Tyson Ward (Knieverletzung), Jeremy Morgan (umgeknickt) und Parker Jackson-Cartwright (Trauerfall in der Familie) verzichten musste, zunächst achtbar.

Telekom Bonn - Gießen 46ers 78:72

Weiter ohne US-Import TJ Williams, der aufgrund eines vor fünf Wochen erlittenen Außenbandrisses bis zum Saisonende auszufallen droht, führten die Gäste schnell mit 9:4 (Nuni Omot, 3.), gaben den Vorsprung aber fast fahrlässig aus den Händen. Nach vier Fehlschüssen und drei technischen Patzern der 46ers in Serie lag Bonn durch einen 13:0-Lauf schnell 17:9 vorne (9.).

Im zweiten Abschnitt ließen sich Strobls Jungs auch durch einen 16:23-Rückstand (12.) nicht beirren. Flo Koch und Nuni Omot verkürzten per Vier-Punkte-Spiel auf 20:23 (13.), Martins Laksa nahm sich endlich ein Herz, JD Miller bewies Durchsetzungsvermögen und Flo Koch, der über 98 Prozent aller seiner Freiwürfe in dieser Saison versenkt hat, blieb abermals von der Linie eiskalt: Nach nur 13 Zählern im ersten legte Gießen im zweiten Viertel 23 nach und lag zur Halbzeit nur mit 36:38 in Rückstand. Die Männer ganz in Grau, die sich besonders beim Rebound enorm verbessert zeigten, gingen vor 4530 Besuchern erhobenen Hauptes in die Kabine.

»Wir müssen in Halbzeit zwei einen deutlichen Zahn zulegen«, zeigte sich 46ers-Co-Trainer Steven Wriedt im Fernseh-Interview nicht »ganz zufrieden« mit den ersten 20 Minuten, durfte sich aber sofort nach dem Wechsel locker auf seinem Stuhl zurücklehnen. Denn die 46ers, angetrieben von Kendale McCullum, lagen 43:40 (24.) vorn. Phil Fayne hatte schon zwölf Abpraller eingesammelt, so dass besonders Nuni Omot (52:47, 27.) immer wieder Wege fand, zu vollenden. 17 Zähler standen bis zu diesem Zeitpunkt für den Nationalspieler des Süd-Sudan an der Anzeigetafel. »Wenn sie jetzt nicht begreifen, dass sie eine Überraschung bewerkstelligen können, wann dann«, fragte Magenta-TV-Kommentator Stefan »Adler« Koch, der einst selbst die 46ers von 1997 bis 1999 und von 2004 bis 2006 gecoacht hatte.

Die Gießener hörten auf die Worte des Mannes aus Lich. Sie zeigten Selbstbewusstsein, führten nach einem Dreier von Kendale McCullum 61:55 (34.), ließen sich aber durch eine katastrophale Schiedsrichterentscheidung irgendwie doch noch aus dem Konzept bringen.

Einem klaren Korb von Phil Fayne verweigerten die Unparteiischen nach 35 Minuten die Anerkennung, was Bonn schließlich über die Stationen 70:70 (38.) und 75:70 (39.) auch dank der 35 Punkte von Javonte Hawkins zum 78:72 (38:36)-Erfolg nutzten.

Bonn: Gorham (6), Kessens (6), Bowlin (2), Hawkins (35), Tadda (1), Kratzer (2), Lypovyy (5), Kulvietis (21), Mboya Kotieno (n. e.), Frierson.

Gießen: McCullum (23), Omot (17), Uhlemann (3), Koch (12), Miller (2), Fayne (6), Nawrocki (3), Binapfl (n. e.), Begue (n. e.), Kraushaar, Laksa (6).

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