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Großes Kino mit neuem Hauptdarsteller

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Der Hoffnungsträger der Grün-Weißen: Hrvoje Horvat nimmt am Sonntag erstmals auf der Bank der HSG Wetzlar als Cheftrainer Platz. Foto: Vogler © Vogler

Wetzlar. Vorhang auf für das ganz große Handball-Kino! Vorhang auf für ein aufsehenerregendes Debüt in der Wetzlarer Buderus-Arena! Vorhang auf für ein Geburtstagskind! »Aber nein«, sagt Hrvoje Horvat mit einem Lachen, »45 ist doch keine Zahl zum Feiern.« Feiern würde der neue Trainer der HSG Wetzlar viel lieber einen Coup gegen die Rhein-Neckar Löwen, die am Sonntag (14 Uhr) in der Arena der Domstadt gastieren.

HSG Wetzlar - Rhein-Neckar Löwen (Sonntag, 14 Uhr)

Zwei Punkte kämen für die Gastgeber natürlich einer faustdicken Überraschung gleich. Zwei Punkte täten im Abstiegskampf der Handball-Bundesliga so richtig gut. Aber logisch: »Die Löwen sind der klare Favorit«,weiß Horvat, der am Freitag zwischen Training und Spielvorbereitung keine Minute Zeit hatte, seinen Geburtstag auch nur irgendwie zu feiern. »Wir haben eine sehr intensive Woche in allen Bereichen«, so der kroatische Nationaltrainer, der seine neue Mannschaft erst einmal lobt: »Die Jungs sind gut, sie sind fleißig und ich kann versprechen, dass wir am Sonntag alles geben.» Alles und noch viel mehr wird aber auch nötig sein, um die in dieser Saison so löwenstarken Mannheimer zu zähmen.

Auch wenn die Gäste vermutlich einige Leistungsträger ersetzen müssen, betont Horvat: »Die Löwen haben einen sehr großen Kader. Und egal, wer da aufläuft, der hat Qualität.« Vor allem vor dem Tempospiel des Tabellendritten hat der Trainer seine Mannen gewarnt. Spielmacher Juri Knorr befindet sich in bester Verfassung und auch der Ex-Wetzlarer Olle Forsell Schefvert drückt dem Spiel der Löwen seinen Stempel auf.

Da tut es der HSG nur allzu gut, dass sie endlich mal wieder den Publikums-Joker ziehen kann. Nur noch 150 Stehplatzkarten stehen an der Tageskasse ab 12.30 Uhr zur Verfügung. Die Halle dürfte schließlich ausverkauft sein. »Das«, sagt Geschäftsführer Björn Seipp, »freut uns sehr. Die Mannschaft wird die maximale Unterstützung von den Rängen haben.«

Das freut natürlich auch den neuen Mann auf der Bank. Ob er nervös vor seinem Debüt sei, wird der Trainer gefragt. »Nein«, so die Antwort, »ich bin nicht nervös. Aber es stellt natürlich für mich eine Riesenherausforderung dar.« Um diese gegen den haushohen Favoriten zu meistern, hat Horvat in den vergangenen Tagen versucht, zunächst an kleineren Stellschrauben im Mannschaftsgefüge zu drehen. Zuallererst im Abwehrverhalten, aber auch beim in den vergangenen Monaten so hölzernen Angriffsspiel. »Wir wollen kompakt spielen und konzentriert im Rückzug sein. Im Angriff müssen wir präziser spielen«, erklärt der Handball-Lehrer, der »keine großen Überraschungen in der Aufstellung« ankündigt und eine »klare Rollenverteilung« im Team anstrebt.

In der Vergangenheit ist es den Mittelhessen ja desöfteren gelungen, das Löwenrudel zu bändigen und schließlich als gezähmte Hauskätzchen zurück nach Mannheim zu schicken. Aber vom Blick zurück hält der Mann, der letztmals im Oktober bei der kroatischen Nationalmannschaft ein Spiel als Chefcoach leitete, herzlich wenig: »Die Vergangenheit zählt im Sport nicht. Am Sonntag ab 14 Uhr zählt es, dass wir da ein gutes Spiel abliefern.«

Vielleicht kann dabei sogar der zuletzt verletzte Kreisläufer Erik Schmidt mithelfen, der zumindest wieder am Training teilnehmen kann. Ansonsten gibt es weder Kranke noch Verletzte außer den langfristigen Ausfällen von Magnus Fredriksen und Stefan Cavor. Doch: »Pscht«, sagt Hrvoje Horvat mit einem verschmitzen Lächeln und legt den Zeigefinger vor den Mund, »wir haben noch zwei Tage bis zum Spiel.« Und in zwei Tagen können mitten in einer Grippewelle viele dumme Dinge geschehen. Vieles wiederum muss auf der Platte zusammenkommen, damit tatsächlich der große Coup gelingt.

Nur mit einer bärenstarken Abwehr, einem bärenstarken Till Klimpke im Tor und einem bärenstarken Angriff werden sich die Löwen vom Punkte-Trog verjagen lassen. Und wenn das tatsächlich gelingen sollte, dann könnte es ja auch sein, dass Hrvoje Horvat von den Zuschauerrängen noch ein nachträgliches Ständchen zu seinem Geburtstag gesungen bekommt.

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