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Grübeln nach der Niederlage

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Immer einen Tick schneller am Ball: Diesmal Israel Ferandez gegen Gießens Benedict dos Santos. © PeB

Der FC Gießen unterliegt Favorit Elversberg. Schwer wiegen aber die Ausfälle von Fink und Reithmeir.

Gießen . Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Intensiver trifft das noch auf Englische Wochen zu, in denen Regionalligist FC Gießen aktuell steckt, wenn die Aufarbeitung der letzten Partie und die Vorbereitung auf die nächste Schlag auf Schlag erfolgen. Bei FCG-Trainer Daniyel Cimen hatte es im Anschluss an das 0:2 am Samstagnachmittag gegen die SV Elversberg zusätzlich einen speziellen Hintergrund, warum er nach der Analyse der 90 Minuten recht schnell auf das wichtige Auswärtsmatch beim VfB Stuttgart, einem direkten Konkurrenten im Abstiegskampf, zu sprechen kam.

FC Gießen - SV Elversberg 0:2

Denn im Schwabenland wird der 37-Jährige personell an der Viererkette basteln müssen, weil Abwehrboss Michael Fink und Tobias Reithmeir nach der fünften beziehungsweise zehnten Gelben Karte ausfallen. In der Abwehr sind die Optionen rar gesät. Außen, dort war Reithmeir, der eigentlich im Zentrum zu Hause ist, mangels Alternativen schon eine Verlegenheitslösung. Innen schaut es ähnlich aus. »Wir müssen uns da etwas einfallen lassen«, erklärte Cimen. Ben-Luca Fisher kennt die Linkserverteidiger-Position, der im Elversberg-Match eingewechselte Kristian Gaudermann könnte Fisher auf rechts ersetzen. In der Zentrale bräuchte es einen Partner für den am Samstag nicht überzeugenden Marian Sarr, Leonidas Tilidius wäre ein Kandidat, den der Trainer aus dem zentralen Mittelfeld nach hinten beordern müsste. Oder eben Fisher, wobei in diesem Fall eine Außenposition wieder vakant wäre. Von Null auf Hundert würde es für Kevin Kling gehen, der gegen Elversberg nicht im Kader war. Es sind vertrackte Überlegungen, die im Lager der Gießener bis Mittwoch gelöst werden müssen.

Doch zurück zum Duell mit dem Drittliga-Aspiranten aus dem Saarland, dem bei wechselhaftem April-Wetter im Waldstadion lediglich 410 Zuschauer beiwohnten. Der FCG hielt in der ersten Halbzeit ordentlich dagegen, nach dem Seitenwechsel setzten sich die klar favorisierten Gäste allerdings verdientermaßen durch und holten sich den nächsten Dreier im Aufstiegsrennen. »Bis zum 0:1 haben wir defensiv ein ganz gutes Spiel gemacht. Das Tor hat uns ein Stück weit das Genick gebrochen. Im Rückstand war es schwer, und wir haben schnell das 0:2 kassiert. Da hat man die extreme Qualität gesehen bei Elversberg, wie sie den Ball laufen lassen. Schade, da ich denke, dass wir das Geschehen in der ersten Hälfte relativ ausgeglichen gestalten konnten«, bilanzierte Coach Cimen.

In der Tat schafften es die Gießener, dass die Offensivstärke der Saarländer nur selten zur Geltung kam. Manuel Feils Kopfstoß verfehlte den Kasten des FCG (6.), während Kevin Koffi an Keeper Vladan Grbovic, der den mit Zahnproblemen ausgefallenen Frederic Löhe gut vertrat, scheiterte (24.). Trotz Ballbesitz- und Feldvorteilen für die Gäste zeigte sich der Gastgeber ab und an durchaus auch im Vorwärtsgang, doch waren die Aktionen häufig mit zu vielen Schnörkeln behaftet. Eine Ausnahme bildete die Gelegenheit für Aykut Öztürk, dessen Schuss knapp das lange Eck verfehlte (31.). Giuseppe Burgio, wie Öztürk Frontmann in der Offensive, verbrachte die volle Spielzeit auf der Bank. Der 33-Jährige, der unter der Woche mit muskulären Problemen zu kämpfen hatte, wurde geschont - auch wegen des Spielverlaufs. »Wenn es länger 0:0 gestanden hätte, hätte er sich 20 Minuten zugetraut«, so Cimen.

Im zweiten Abschnitt erhöhten die Elversberger die Schlagzahl, ohne dabei spielerisch zu glänzen. Der FCG verdaddelte über Leonidas Tiliudis und Ben-Luca Fisher zwei im Ansatz viel versprechende Umschaltsituationen und lief, vielleicht auch, weil die Kräfte nach der Corona-Welle zu schwinden begannen, vier Tage nach dem torlosen Remis in Homburg zunehmend hinterher. Das galt vor allem für die knappe halbe Stunde nach dem 0:1. »Mich hat die Entstehung extrem gestört«, monierte Daniyel Cimen das Zustandekommen des Treffers. Bei einem Einwurf der Saarländer auf Höhe der Strafraumkante war keine Gefahr im Verzug, da die Gegenspieler im Sechzehner markiert waren. Jedoch nicht Einwerfer Maurice Neubauer, der die Kugel zurück erhielt und nach innen zog, wobei er Tiliudis und Fisher zu Slalomstangen degradierte und Grbovic bezwang (59.). Ein ärgerliches Tor für die Gießener, die sich davon nicht mehr erholen sollten. In der 66. Minute hatten Benedict dos Santos und Tobias Reithmeir keinen Zugriff auf der linken Abwehrseite, Sarr rückte zögerlich heraus, sodass Robin Fellhauer scharf flanken konnte. In der Mitte grätschten Michael Fink und SV-Angreifer Valdrin Mustafa Richtung Ball, und Gießens Routinier beförderte schließlich das Leder in die eigenen Maschen. Kein Vorwurf an den ehemaligen Bundesliga-Profi, der mit letztem Einsatz zu retten versuchte, was zu retten war. »Gegen einen solchen Gegner darfst du dir solche Gegentore nicht erlauben. Vielleicht wäre ansonsten etwas möglich gewesen, mit einem 0:0 hätten wir leben können, und Elversberg hätte eventuell das Risiko erhöht. Dazu ist es nicht gekommen und am Ende ist es eine verdiente Niederlage«, schloss Trainer Cimen sein Fazit. Und wird zeitnah damit angefangen haben, intensivere Überlegungen anzustellen, wie die FCG-Elf in Stuttgart aussehen könnte.

Gießen: Grbovic (Note 2,5) - Fisher (4), Fink (2,5), Sarr (4), Reithmeir (3,5) (68. Gaudermann) - Trkulja (3), Tiliudis (3,5) (68. Münn), dos Santos (3), Sawada (3,5) (77. Daghfous)- Owusu (4) (77. Makanda), Öztürk (3) (83. Gärtner).

Elversberg: Kristof - Fellhauer (86. Dacaj), von Piechowski, Conrad (86. Menke), Neubauer - Sickinger, Laprevotte - Feil (77. Sahin), Suero Fernandez (77. Weiß), Schnellbacher - Koffi (60. Mustafa).

Tore: 0:1 Neubauer (59.), 0:2 Fink (66./ET). - Schiedsrichter: Satriano (Zell). - Gelbe Karten: Reithmeir, dos Santos, Öztürk, Fink, Trkulja / Conrad, Mustafa. - Zu.: 410.

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