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Klare Worte zu Verbandsvorgaben: Daniyel Cimen .

Gut verkauft in schlechter Situation

Mainz/Gießen. Bis zur Schlussviertelstunde roch es nach einer dicken Überraschung, ein Punktgewinn schien möglich für Fußball-Regionalligist FC Gießen im Gastspiel beim Rangdritten FSV Mainz 05 II. Und damit, zumindest bis zum Nachholspiel Großaspachs gegen Koblenz am Mittwoch, der Sprung aus der Abstiegszone bis auf Rang 15. Letzlich wurde daraus nichts, denn der Bundesliga-Nachwuchs schenkte der Truppe von Trainer Daniyel Cimen spät noch zwei Treffer ein und besiegelte deren elfte Saisonniederlage.

FSV Mainz U23 - FC Gießen 2:0

Der Auftritt der Gießener im Bruchwegstadion war gleichwohl aller Ehren wert. Der FCG verlangte den 05ern eine Menge ab - und das nach zwei Wochen, die doch so sehr vom Corona-Virus geprägt waren. Viele positive Testergebnisse und Erkrankte, rein in die Quarantäne, Ungewissheit, wie es weitergeht, raus aus der Quarantäne für einige Spieler und den Coach, gerade einmal drei echte Trainingseinheiten in 14 Tagen, noch verbunden mit der schwierig zu beantwortenden Frage, wer ist nach der Infektion wie belastbar?

Antreten mussten die Gießener schließlich trotz all dieser Widrigkeiten, und der Kader, bestehend aus gerade einmal zwei Torhütern und zwölf Feldspielern, machte das Beste daraus. Bot dem FSV Paroli und schnupperte lange Zeit an einer Überraschung. »Unter diesen Voraussetzungen war es definitiv ein gutes Auswärtsspiel von uns«, resümierte Daniyel Cimen, »wir haben alles versucht, aber dann brauchst du auch das Quäntchen Glück. Das hatten wir nicht, und so ist das Spiel schnell erklärt.« Kurzfristig hatte der ehemalige Profi der Frankfurter Eintracht auf seinen mit fünf Toren treffsichersten Schützen, Donny Bogicevic, verzichten müssen, der an einer hartnäckigen Blessur am Hüftbeuger laboriert.

Ebenso fehlte aus privaten Gründen Cimens rechte Hand Michael Fink, der als einer von lediglich fünf Feldspielern ligaweit alle Minuten der Vorrunde bestritten hatte. Mainz hatte über die gesamten 90 Minuten weitaus mehr Ballbesitz und diktierte das Geschehen, unter anderem Marian Sarr, Keeper Vladan Grbovic und dem Aluminium war es zu verdanken, dass Gießen nicht in früher in Rückstand geriet.

Im zweiten Abschnitt gelang es den Gästen erfolgreicher, den 05er-Offensivexpress vom eigenen Kasten fernzuhalten, während nach vorne nur wenig ging, um die Umschaltmomente gefährlich werden zu lassen. Das 0:1 resultierte im zweiten Anlauf aus einer Standardsituation, nach der Lucas Laux Grbovic (75.) überwand.

Sieben Zeigerumdrehungen danach erhöhte der Bad Nauheimer Paul Nebel, der bereits siebenmal für das Bundesliga-Team auflief, der 2:0-Endstand.

Nun hofft der FC Gießen auf eine vergleichsweise »normale« Trainingswoche, wobei peau a peau weitere Spieler aus der Quarantäne zurück erwartet werden, deren Verfassung es dann einzuschätzen gilt. Ein Puzzle mit zahlreichen Teilen vor dem wichtigen Heimspiel am nächsten Samstag gegen den zweiten Vertreter aus Mainz. Im Waldstadion geht es gegen das Tabellenschlusslicht vom TSV Schott. Zentrales Thema bei den Gießenern momentan, nicht nur für Daniyel Cimen: die Gesundheit der an Corona erkrankten Spieler. Der 36-Jährige findet klare Worte: »Der Verein macht alles, was möglich ist an Untersuchungen, Herz-EKG und Ultraschall. Dennoch habe ich da als Trainer Bauchschmerzen. Aus meiner Sicht macht es sich der Verband da zu einfach, wenn er sagt: Mit 16 Mann, das wird schon irgendwie gehen. Wer Corona hatte, braucht nach 14 Tagen häuslicher Quaränte eigentlich 14 Tage Vorbereitung, um wieder einigermaßen vernünftig Leistungssport betreiben zu können. Die Gesundheit sollte über allem stehen. Das Gefühl habe ich beim Verband nicht, da steht nach meiner Meinung im Vordergrund, den Spielplan durchzubekommen.«

Cimen hebt auch ab auf einen beunruhigenden Vorfall in der Nordost-Staffel vom Freitag. Zwei Akteure des Berliner AK, die kürzlich an Corona erkrankt waren, waren im Anschluss an das Match in Jena kollabiert und mussten von Rettungssanitätern behandelt werden. Nochmal Daniyel Cimen: »Da sollten doch alle Verbände über eine andere Regelung bei Corona-Fällen nachdenken.«

FSV Mainz 05 II: Mohn - Rösch (68. Jung), Wanner (90. Modica), Könighaus, Wißner, Papela, Mizuta (77. Fichtner), Nebel, Fürstner (90. Sabani), Laux, Tauer.

FC Gießen: Grbovic - Gaudermann (80. Beal), Reithmeir, Sarr, Lo Scrudato (71. dos Santos) - Trkulja, Münn - Owusu, Sawada, Takehara - Itoi.

Tore: 1:0 Laux (75.), 2:0 Nebel (82.). - Schiedsrichter: Kief (Reilingen). - Zuschauer: 305.

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