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Handbremse zu spät gelöst

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Kiel/Wetzlar. Als Stefan Cavor 110 Sekunden vor der Schlusssirene zum 23:25 einnetzte, dann, erst dann war plötzlich wieder dieses besondere Gefühl zu spüren. Dieses Gefühl, dem großen THW Kiel als kleine HSG Wetzlar ein Bein zu stellen.

THW Kiel - HSG Wetzlar 27:24

Doch es sollte an diesem Donnerstag nicht sein mit dem nächsten Wunder in der Wunderino-Arena für die tapferen Grün-Weißen. Am Ende stand mit dem 24:27 (8:13) die vierte Niederlage in Serie in der Handball-Bundesliga für die Mannschaft von Trainer Ben Matschke.

Eine Niederlage, die sich nach einer eigenen 2:1-Führung - Olle Forsell Schefvert hatte den ersten seiner insgesamt vier Treffer an diesem Abend markiert - noch gar nicht abgezeichnet hatte. Die aber dann schnell und beim wenig später folgenden 6:10 (19.) bereits Konturen annahm. Weil der THW, beseelt vom zwölften Triumph im DHB-Pokal am vergangenen Wochenende und angetrieben von 9613 Zuschauern (Saison-Rekordkulisse an der Förde), zwar vorne nicht überragend, aber überlegt agierte.

Und weil hinten ein Mann den Kasten mal wieder vernagelte, den der Rekordmeister in knapp eineinhalb Jahren nur schweren Herzens Richtung Dänemark ziehen lassen wird. Niklas Landin, schon im Cupfinale am Sonntag gegen Magdeburg ein Hauptgarant für den Erfolg, nahm den Wetzlarer Angriffsversuchen jegliche Durchschlagskraft. Der Weltklasse-Torhüter gewann das Duell mit dem an der Ostsee bereits als Nachfolger kolportierten und auch stark haltenden Till Klimpke trotzdem deutlich und verdiente sich hinterher auch das Lob seines Trainers. »Meine Jungs hatten ganz schön müde Beine. Zum Glück war da Niklas Landin, er hat uns die nötige Luft verschafft«, atmete THW-Coach Filip Jicha nach dem Happy End erstmal kräftig durch.

Dabei hätte der Tscheche gar nicht bis in die hektische Schlussphase zittern müssen. Denn neben Niklas Landin, der seine Bude hinten auch in der zweiten Hälfte bis zu seiner Auswechslung vernagelte, sprangen in der Offensive Nikola Bilyk, Rechtsaußen Sven Ehrig und die beiden Kreisläufer Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler für den lange torlosen Star-Shooter Sander Sagosen in die Bresche.

So hieß es nach etwas weniger als 36 absolvierten Spielminuten 18:10 für Kiel. »Dieses Polster haben wir auch gebraucht«, blickte Jicha später zurück. »Denn wir haben uns irgendwie wieder herangekämpft und sogar noch an einem Punktgewinn geschnuppert«, erwiderte Till Klimpke. Magnus Fredriksen, der bis weit in Durchgang zwei auf der Suche nach dem Rhythmus suchende Taktgeber der Gäste, und Stefan Cavor ließen die HSG in der Schlussphase immer näher kommen.

Und das sogar ohne einen Treffer des eigentlichen Toptorschützen Lenny Rubin (elf Versuche, kein Wurfglück für den Schweizer) sowie die beiden etatmäßigen Kreisläufer Adam Nyfjäll und Felix Danner. Der Schwede sah nach einem harten Einsteigen gegen Domagoj Duvnjak in Minute 29 glatt Rot.

Und Danner, der selbst stark spielte und einiges einstecken musste, kassierte in der 47. Minute die dritte Zeitstrafe. Fortan sah der Ex-Melsunger von außen, wie seine Teamkollegen näher und näher herankamen. Um nach der Schlusssirene einsehen zu müssen: Sie hatten die Handbremse zu spät gelöst.

Kiel: Niklas Landin, Quenstedt (ab 52.) - Ehrig (4), Duvnjak (1), Sagosen (2), Reinkind (1), Magnus Landin (2), Weinhold (3), Wiencek (3), Ekberg (3/3), Ciudad Benitez, Dahmke (2), Zarabec, Horak, Bilyk (3), Pekeler (3).

Wetzlar: Till Klimpke (1), Komok (bei einem Siebenmeter) - Srsen, Nyfjäll (1), Boczkowski (n.e.), Ole Klimpke, Mirkulovski (1), Danner (3), Weissgerber (1), Holst (2/2), Fredriksen (2), Forsell Schefvert (4), Mellegard (3), Rubin, Novak (1), Cavor (5).

Schiedsrichter: Standke/Heine (Ronnenberg/Wendeburg) - Zuschauer: 9613 - Zeitstrafen: Kiel keine, Wetzlar vier (Forsell Schefvert, Danner drei/Rote Karte 47.) - Rote Karte: Nyfjäll (29., Wetzlar).

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