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Handkäs` ist kein Zaubertrank

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Von: Nico Hartung

Hüttenberg. In manchen Momenten hat es den Anschein, als könne man Stimmungen irgendwie mit Händen greifen. Der späte Samstagabend nach der 25:26 (10:14)-Heimniederlage des TV Hüttenberg gegen den HC Elbflorenz war ein solcher Moment.

Dabei war es nicht, wie man hätte erwarten können, die Enttäuschung ob der Pleite gegen die wahrlich nicht überragenden Dresdener, die aus den Mienen der Hüttenberger Spieler, Trainer, Verantwortlichen und Fans sprach - sondern vielmehr ein Ausdruck der Ratlosigkeit.

TV Hüttenberg - HC Elbflorenz 25:26

»Ich kann es mir einfach nicht erklären«, war derjenige Satz, der so oder in zahlreichen ähnlichen Varianten von den beisammenstehenden und diskutierenden Grüppchen im Hüttenberger Sportzentrums zu hören war. So schwer Erklärungen für die Heimschwäche des TV Hüttenberg aktuell auch zu finden sind, fest steht jedenfalls: »Wir haben zuhause ein Kopfproblem«, wie es TVH-Trainer Johannes Wohlrab auf den Punkt brachte.

So weisen die Hüttenberger nach der Elbflorenz-Niederlage in nunmehr sieben Begegnungen vor heimischer Kulisse eine katastrophale Heimbilanz von sechs Niederlagen und einem Sieg auf. Fast schon skurril liest sich im Vergleich die Auswärtsausbeute der Blau-Weiß-Roten: Sechs Partien, vier Siege, je ein Unentschieden und eine Niederlage. »Ich kann mir nicht erklären, warum wir aktuell zuhause so auftreten, auswärts klappt es ja. Aber es hilft nichts, zu lamentieren oder zu jammern. Wir müssen jetzt einfach gemeinsam weitermachen und es erzwingen, diesen Bock umzustoßen«, so Wohlrab auf der anschließenden Pressekonferenz. Zwei Plätze rechts vom 36-Jährigen saß Dresdens Trainer Rico Göde, der noch gar nicht so richtig wusste, wie seine Mannschaft diese beiden Zähler überhaupt eingefahren hatte.

Denn seine Schützlinge hatten sich den ersten doppelten Punktgewinn nach zuletzt neun Spielen ohne Sieg nicht durch besondere taktische oder kämpferische Qualitäten erspielt, vielmehr profitierte der HCE von den zahllosen technischen Fehlern und Unsicherheiten im Hüttenberger Angriff. Hatte dieser zu Beginn noch tadellos funktioniert und eine schnelle 5:2-Führung durch Niklas Theiß (10.) ermöglicht, waren es danach »unsere eigenen Fehler, die einem total verunsicherten Gegner gezeigt haben, dass hier etwas gehen kann«, ärgerte sich Wohlrab später.

Dem TVH flatterten die Nerven, Jannik Hofmann und Ian Weber verwarfen binnen einer Minute gleich zwei Siebenmeter (26., 27.). Die Sachsen, die jetzt selbstbewusster und im Abschluss schnörkellos agierten, nahmen das Gastgeschenk an und führten zur Pause nach einem Treffer von Philip Jungemann mit 14:10.

»Ich glaube, jeder hat gesehen, dass wir gekämpft und alles versucht haben«, erklärte TVH-Linksaußen Philipp Schwarz, dessen Vertrag unter der Woche bis 2027 verlängert worden war, und befand, dass »wir das Spiel zwischen der 20. und der 40. Minute abgegeben haben«. Und Wohlrab ergänzte: »Obwohl wir so schlecht spielen, kommen wir am Ende noch einmal heran. Das zeigt, dass das heute ein qualitativ schwaches Zweitliga-Spiel war.«

Schwaches Spiel

Dafür gestaltete sich die Schlussphase umso dramatischer - mit dem schlechteren Ende für die Hausherren. Und das, obwohl die Gäste gleich zwei Matchbälle von Ivar Stavast (Pfosten) und Marek Vanco (Schrittfehler), die beide in der Schlussminute frei vor dem eingewechselten TVH-Schlussmann Dominik Plaue auftauchten, kläglich vergaben. Hüttenbergs Kapitän Timm Schneider traf zwischen diesen beiden Dresdener Großchancen zunächst eine halbe Minute vor Schluss zum Hoffnung machenden 25:26, ehe der im Sommer aus Gummersbach heimgekehrte Holzheimer 13 Sekunden vor dem Ende abermals in Ballbesitz war, um doch noch den möglichen Ausgleich einzuleiten. Doch das Zuspiel Schneiders auf Kreisläufer Moritz Zörb war zu vorhersehbar und blieb in der TVE-Abwehr hängen.

»Wir haben uns auf dieses Spiel vorbereitet wie letzte Woche auch auf die Potsdam-Partie, die wir auswärts gewonnen haben. Vor der Partie haben die Spieler noch Handkäse bekommen und wir haben gesagt, dass das unser Hüttenberger Zaubertrank ist. Nur hat es nichts geholfen«, so Wohlrab später. Ob der Übungsleiter in der Vorbereitung auf Hagen und Dormagen, die beiden nächsten Gegner, etwas ändern wird, ließ er offen. Stattdessen beendete er die Pressekonferenz mit einem etwas gequälten Lacher: »Leider finden beide Spiele zuhause statt, wie man aktuell fast schon sagen muss.«

Hüttenberg: Grazioli, Plaue (ab 40.) - Schwarz (6), Kirschner (1), Opitz, Theiß (2), Fujita, Weber (7), Zörb (2), Reichl, Schneider (4), Hofmann (1), Klein (1), Jockel, Schreiber (1), Kuntscher.

Elbflorenz: Mallwitz, Noack (n.e.) - Zobel (2), Emanuel (5), Dierberg (6), Buschmann (1), Dumcius (2), Kretschmer, Jungemann (3), Stavast (3), Greß (4), Vanco, Klepp, Wellner.

Schiedsrichter: Cesnik/Konrad (Gummersbach) - Zuschauer: 891 - Zeitstrafen: Hüttenberg vier (Kirschner, Theiß, Schneider, Schreiber), Elbflorenz vier (Emanuel, Kretschmer, Jungemann, Vanco) - verworfene Siebenmeter: Hofmann (26.) und Weber (27., beide Hüttenberg) werfen an die Latte.

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