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HFV sind die Hände gebunden

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Von: Ralph Görlich

Fulda/Grünberg (rg). Der Rassismus-Vorfall im Hessenliga-Aufstiegsrundenspiel zwischen dem SC Waldgirmes und der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz (3:3) ist - mehr oder weniger - geklärt: Der Täter wurde ermittelt, der Waldgirmes‹ Glodi Bebe als »Schokokrümel« bezeichnet hat, kann aber vom Sportgericht des Hessischen Fußball-Verbands (HFV) nicht bestraft werden.

Beim Täter handelte es sich zwar um einen Anhänger der SGB, aber eben um kein Mitglied der Fuldaer oder eines anderen hessischen Fußballvereins. Genau das ist der Haken. Die Verhandlung in Grünberg am Dienstagabend dauerte rund anderthalb Stunden. »Wir als Sportgericht verurteilen jede Form von Rassismus, Antisemitismus und sonstiger Gewalt«, sagte der Sportgerichts-Vorsitzende Rainer Lach (Darmstadt) im Nachgang, aber fügte an, dass auch das HFV-Sportgericht im Rahmen der Vorgaben handeln müsse.

Beide Vereine verurteilen Vorfall

Und die sagen klar: Ist eine Person nicht Mitglied in einem Verein und damit des Hessischen-Fußball-Verbandes, kann er nicht bestraft werden. »Das liegt außerhalb des Geltungsbereichs«, so Lach.

Der Täter sei von der SGB ermittelt worden, er habe gegenüber dem Verein auch zweifelsfrei eingeräumt, den ihm vorgeworfenen Begriff »Schokokrümel« gesagt zu haben, allerdings wohl gegen einen anderen Spieler gerichtet. Der Betroffene war SCW-Ersatzspieler Glodi Bebe, »dem wir es zu verdanken haben, dass das Spiel fortgesetzt wurde, weil er diesem Einen keine Plattform geben wollte«, so Lach, der anfügt: »In der Verhandlung haben beide Vereine nachvollziehbar und ehrlich deutlich gemacht, dass sie dieses Verhalten verurteilen. Keiner hat es schöngeredet, dass es nur dieses eine Wort war.«

Was noch möglich gewesen wäre - und in den meisten Fällen auch so sei, wie Lach erklärt - ist eine Strafe gegen einen der beiden Clubs wegen mangelnder Platzordnung. Sprich, dass ein Verein die Aussage des Zuschauers durch ein schuldhaftes Tun oder Unterlassen fördere. »Aber der Schiedsrichter-Assistent und alle anderen haben gesagt, dass es nicht erkennbar war, dass so eine Aussage kommt. Es war ein ganz normales Fußballspiel«, berichtet Lach.

Platzverbot in Fulda

Weder Waldgirmes noch der SGB, der bis zu drei Punkte Abzug oder eine Geldstrafe gedroht hätte, sei eine Schuld nachzuweisen. Es habe sich kein sportrechtswidriges Verhalten angedeutet. »Oft ist das bei solchen Fällen so, aber der Heimverein unternimmt vorher nichts«, so Lach. Das sei in diesem Fall auch nicht so gewesen. Wäre der Täter Mitglied im HFV, hätte er in Haftung des Vereins bestraft werden können - mit einer Geld- oder einer Platzsperre für alle Sportplätze. So aber kann lediglich die SGB ein Platzverbot aussprechen - was sie auch tat. »Aber andere Sportplätze stehen ihm offen«, so Lach, der keine andere Option hatte, als den Mann - der zur Verhandlung gar nicht erschienen war - nicht zu bestrafen. »Wir haben keine Chance, wir kriegen ihn nicht«.

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