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Hisserichs großes Kunststück

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Trainerinnentalent: Lisa Hisserich. © Oelrich

Gießen. Mit 19 Jahren Trainerin eines Fußball-Verbandsligisten - das passiert nicht alle Tage. Lisa Hisserich ist dieses Kunststück gelungen. Sie betreut als Spielertrainerin seit Kurzem die Damen des FC Gießen. Ihr Terminkalender ist eng getacktet, denn gleichzeitig bereitet sie sich auf das Abitur im April vor. Ihre Leistungskurse sind Sport und Physik.

Der Doppelbelastung fühlt sich die Laubacherin gewachsen, sagt sie im Gespräch mit dem Gießener Anzeiger.

Dem runden Leder jagt die junge Frau von Kindesbeinen an nach. Schon mit vier oder fünf Jahren - so genau weiß sie es nicht mehr - begleitete sie ihren Zwillingsbruder Lars ins Fußballtraining. Er ging dafür mit ihr zum Reiten. Der Fußball setzte sich nach kurzer Zeit durch. Ihr Vater und ihr Onkel nahmen sie oft mit zu Bundesligaspielen.

Fan des FC Bayern München, wie es in ihrer Familie üblich ist, wollte Lisa Hisserich nicht sein. »Ich musste mich doch von meinem Bruder absetzen«, sagt sie grinsend. Ein Verein aus der Region sollte es schon sein, aber nicht die Frankfurter Eintracht. Mit dem SV Darmstadt 98 hat sie eine eher exotische Fan-Wahl getroffen.

Lisa Hisserich kickte bis zur B-Jugend zusammen mit den Jungs in der JSG Laubach. Vor sechs Jahren wechselte sie zum FFC Pohlheim, wo sie in der U16 die Kapitänsbinde trug. Vor zwei Jahren erwarb sie die C-Trainerlizenz, um die U12 des FFC zu betreuen.

Dann der Wechsel der Mannschaft vom FFC Pohlheim zum FC Gießen. Die erste Saison im neuen Umfeld ist eine mittlere Katastrophe. Mit sechs Punkten aus neun Partien bei 17:46 Toren belegt die Truppe in der Verbandsliga den vorletzten Platz. In der Gruppenphase stehen noch drei Spiele an. Anschließend geht es in der Abstiegsrunde um den Klassenerhalt. Auswärts im Lokalderby gegen den TSV Klein-Linden steht Hisserich am Samstag, 12. März, zum ersten Mal in einer offiziellen Begegnung in der Verantwortung. Angst zu versagen, hat die 19-Jährige nicht. »Ich habe ein gutes Gefühl«, sagt sie selbstbewusst. »Wir packen das«. Von den fußballerischen Fähigkeiten ihrer Mitspielerinnen ist Lisa Hisserich überzeugt. Ihre zentrale Aufgabe sieht sie aktuell darin, der Mannschaft einen Teamgeist einzuhauchen. Dabei geht sie auch mal ungewöhnliche Wege. »Neulich haben wir zusammen ,Germany’s next Topmodel«, geguckt«, verrät sie. Es gehe darum, Spaß zu vermitteln, dass alle gerne ins Training gehen. Als Nächstes müsse ein Erfolgserlebnis her. Mit ihren 19 Jahren ist Lisa Hisserich nah an der Mannschaft, deren Durchschnittsalter unter 18 Jahren liegt, und weiß, wie die jungen Spielerinnen ticken.

Mut macht ihr auch die Rückkehr von Mittelfeldmotor Blerina Dervishi in der Winterpause. Innenverteidigerin Leonie Kammer rückt ins Tor, da Stammtorhüterin Jasmin Wockelmann mit ihrem zweiten Muskelfaserriss im Oberschenkel lange ausfällt. Hisserich hält das für kein großes Handicap. »Leonie fühlt sich zwischen den Pfosten sehr wohl«, betont sie.

Als das überraschende Anliegen, das Traineramt zu übernehmen, an sie herangetragen wurde, hat die Laubacherin nicht gleich zugesagt. »Ich war mir der Dimension der Aufgabe bewusst und habe mir erstmal ein oder zwei Wochen Gedanken gemacht«, erzählt sie. Ausschlaggebend sei gewesen, dass sie Vertrauen und Wertschätzung spürt - sowohl von der Vereinsführung als auch der Mannschaft.

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