HSG bereit fürs Derby

Erlangen/Wetzlar. Alex Feld pfefferte ohne Wenn und Aber den Ball in den linken Winkel. Dann drehte der Regisseur mit ausgestreckten Armen ab und fiel seinen Mannschaftskollegen wenige Sekunden später überglücklich in die Arme. Es war der fünfte Treffer des Mittelmanns und der Schlussakkord an diesem Donnerstagabend, an dem die HSG Wetzlar das Feld für das Hessenderby bereitet hat.

HC Erlangen - HSG Wetzlar 27:24

Mit dem 27:24 (13:12)-Erfolg beim HC Erlangen kletterten die Mannen von Trainer Benjamin Matschke auf Platz sechs der Handball-Bundesliga und gehen mit viel Selbstvertrauen in das unter 2Gplus-Regeln stattfindende Prestigeduell am Sonntag (16 Uhr) in der Rittal-Arena gegen die MT_Melsungen. »Da wollen wir nach den Belastungen der vergangenen Wochen ein finales Happy End setzen«, lächelte ein glücklicher Wetzlarer Coach nach dem zweiten Auswärtssieg der Grün-Weißen binnen neun Tagen in die Kameras des TV-Senders Sky.

Schon im Vorfeld der Partie im Frankenland hatte der 39-Jährige die klare Marschroute ausgegeben, so gut es geht die Kräfte auf viele Schultern zu verteilen. Doch gleich die erste erfolgreiche Offensivaktion machte ihm und seinem Team den ersten dicken Strich durch die Rechnung. Der ohnehin an der rechten Schulter lädierte Magnus Fredriksen traf zwar nach knapp fünf Minuten zum 1:1, doch fortan saß der Spielmacher mit leidender Miene und grünem langen Sweatshirt auf der Bank statt wie gewohnt als Ideengeber auf dem Feld zu stehen. Da auch Filip Mirkulovski genauso wie Kreisläufer Tomislav Kusan kein grünes Licht für einen Einsatz bekommen hatte, stand der lange Monate pausierende Alexander Feld in der Schaltzentrale plötzlich in vorderster Front. Was den erfahrenen Rückraumspieler nicht daran hinderte, die kompakte 6:0-Abwehr der Erlanger entweder selbst zu düpieren oder Lücken für die Nebenleute zu reißen. Mit drei blitzsauberen Treffern reihte sich Feld neben dem schnell funkelnden Lenny Rubin ebenfalls als dreifacher HSG-Torschütze im ersten Durchgang ein.

Problembehaftet blieb das Spiel über Stefan Cavor, der seit Wochen seine Form, seinen exakten Wurf und sein Selbstvertrauen als Assistgeber zu suchen scheint. Hätte der Montenegriner beim 10:8-Zwischenstand nicht einen Tempogegenstoß leichtfertig gegen HCE-Keeper Martin Ziemer vergeben und wäre wenig später beim 12:10 ein Pass aus der eigenen Abwehr nicht im Nirwana gelandet, die HSG hätte zur Pause gegen nervös wirkende Hausherren höher als nur mit 13:12 geführt.

Nach dem Seitenwechsel blieb es eng. »Wobei wir viele, viele Situationen hatten, in denen wir das Spiel vorentscheiden konnten«, blickte Matschke später zurück auf mehrere Chancen, die Zwei-Tore-Führungen auszubauen. Stattdessen musste gezittert werden - und das nicht nur ergebnistechnisch.

Cavor, der sich in der zweiten Halbzeit steigerte, knickte beim Wurfversuch um und musste kurzzeitig raus. Feld bekam einen Schlag auf den Kopf, der mit einem Eisbeutel gekühlt werden musste. Und zuschlechterletzt lag Rubin in der Crunchtime mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden, nachdem ihm Nikolai Link unglücklich ins Knie gesprungen war. Diagnose offen.

Doch von all dem ließ sich der Rest nicht beeindrucken. Till Klimpke kam nach 42 Minuten für den glücklosen Anadin Suljakovic zurück ins Tor und hielt, was das Zeug hielt. Davor rührte Olle Forsell Schefvert Beton in der Defensive an, und vorne bewies Maxi Holst 47 Sekunden vor Schluss beim Siebenmeter zum 26:24 gegen Martin Ziemer die Nerven.

Dann traf noch Feld und zauberte seinem Trainer ein Lächeln ins Gesicht: »Ein guter Sieg, ich bin so happy. Das macht richtig Spaß mit den Jungs. Jetzt ab ins Derby«, so Matschke.

Erlangen: Ziemer, Hassferter (n.e.) - Sellin, Jaeger, Overby (1), Fäth (1), Firnhaber (1), Büdel (5), Bissel (5), Metzner, Link (1), Jeppsson (4), Steinert (5/3), Lebau, Olsson. Zechel (1).

Wetzlar: Till Klimpke, Suljakovic (31. bis 42.) - Feld (5), Srsen, Nyfjäll (2), Ole Klimpke, Danner (1), Weissgerber (2), Holst (3/3), Fredriksen (1), Forsell Schefvert (1), Mellegard (2), Rubin (6), Novak, Cavor (4).

Schiedsrichter: Köppl/Regner (Düsseldorf/Nieder-Olm) - Zuschauer: 1000 (in Nürnberg) - Zeitstrafen: Erlangen vier (Firnhaber zwei, Link, Bissel), Wetzlar zwei (Feld, Cavor).

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