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Hypothek in Kabine gelassen

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Trotz dreifacher Deckung weiß sich der Lahn-Diller Mark Beissert gegen die Trierer Miljan Grujic (l.), Dirk Passiwan sowie Correy Rossi (r.) durchzusetzen. © Röczey

Wetzlar. Im »Business Club« warteten Luftschlangen und Kamellen. Faschingsstimmung wollte jedoch nicht aufkommen beim ungefährdeten 90:46 (37:23)-Erfolg des RSV Lahn-Dill gegen die Doneck Dolphins Trier. Dafür hatte die Begegnung der Rollstuhlbasketball-Bundesliga zu viele ernsthafte Nebenaspekte. So bekundeten alle Beteiligten auch in der Buderus-Arena in Wetzlar mit einer Schweigeminute zu Beginn der 40 Spielminuten ihre Sorgen und Bestürzung ob des jüngst entfesselten Krieges in der Ukraine.

Zudem wünschten die Gastgeber beim Einrollen in die Halle mit eigens abgestimmten grünen T-Shirts dem schwer verletzten Alexander Feld vom Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar mit einem »Guten Besserung, Alex« alles Gute.

Und von der sportlichen Seite her war ja die bittere 68:82-Niederlage vor Wochenfrist beim Erzrivalen Thuringia Bulls noch zu verdauen, der erste Punktverlust in der laufenden Saison für die Mittelhessen.

RSV Lahn-Dill - Dolphins Trier 90:46

»Mental ist es nach so einer Niederlage immer schwer«, nahm RSV-Cheftrainerin Janet Zeltinger ihre elf Akteure in Schutz für die Anfangsminuten. »Am Anfang haben wir uns etwas schwer getan«, umschrieb die Deutsch-Kanadierin die Auftaktminuten. So dauerte es bis weit in die dritte Spielminute, bis der erste Wurf der Lahn-Diller aus dem Feld in die Reuse gelangte. Hiroaki Kozai sorgte per Fastbreak mit dem 4:2 auch für die erste Führung der Gastgeber. Die diese bis zum letzten Pfiff der Schiedsrichter nicht mehr abgaben. Doch der magere 16:9-Zwischenstand nach dem ersten Viertel offenbarte das zähe Spiel und die Wurfungenauigkeit des Favoriten, der erst nach der Halbzeit (37:23) auf Touren kam.

Dabei spielten die Trierer ihrem Kontrahenten noch in die Karten. Zum einen waren sie mit nur sieben Kräften angetreten. Die zu Jahresbeginn nachverpflichtete Ex-Lahn-Dillerin Annabel Breuer wollte nach eigener Aussage nicht gegen ihr ehemaliges Team antreten und konzentrierte sich stattdessen auf ihre Masterarbeit und die zweite Wochenend-Partie der Delfine, das sonntägliche Gastspiel beim BSC Münsterland. Dazu wollte Spielertrainer Dirk Passiwan in Wetzlar außer etlichen guten Assists nicht viel gelingen und befand sich Correy Rossi mit seinen teils akrobatischen, teils übermotovierten Einlagen gefühlt mehr auf dem Hallenboden als im Spiel. So leistete alleine der ehemalige Junioren-Nationalspieler Patrick Dorner dem Tabellenzweiten ernsthaften Widerstand.

Doch beim Aufenthalt in den Kabinen schienen die Lahn-Diller die Hypothek der Niederlage in Elxleben dort gelassen zu haben. Mannschaftlich geschlossen auftretend setzten sie sich mit Fastbreaks und schnellem Spiel immer deutlicher ab und fanden immer wieder den Ballweg zu den Mitspielern unter dem Korb. So waren es mit Brian Bell, Hiroaki Kozai und Mark Beissert (jeweils 14 Punkte) sowie Quinten Zantinge (12) und Thomas Böhme (11) gleich fünf Akteure, die zweistellig trafen. Bis auf Catharina Weiß war auch das komplette Team des RSV in der Endabrechnung in der Scorer-Liste zu finden.

Dabei freute sich Janet Zeltinger vor allem über das starke Spiel von Dominik Mosler, Peyman Mizan und Beissert im letzten Viertel. »Sie haben eine hohe Intensität ins Spiel gebracht«, hätten sie zudem ihre gute Trainingsarbeit auch auf dem Spielfeld gezeigt. Der erst 21 Jahre alte Forward Mizan wollte das aber nicht überbewertet sehen. »Das war gut. Das muss aber noch besser werden«, merkte der junge Iraner an. Für seine Mannschaft dürfte seine Aussage eine passende Einstellung für die Anfang April startende Playoff-Runde sein.

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Dominik Mosler nimmt für den RSV Lahn-Dill Maß. © Röczey

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