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»Ich will eine Reaktion sehen«

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Glanztat! Auf die Torwartkünste von Frederic Löhe vertraut der FC Gießen auch heute, wenn das Spitzenteam aus Ulm kommt. © Benjamin Volkmann

Gießen. Ein ungemütlicher, eiskalter Mittwochabend im Januar, ein Spiel auf einem mäßig beleuchteten und vom Schnee geräumten Kunstrasenplatz 350 Kilometer entfernt. Eine schwächere erste Hälfte mit einem 0:1-Rückstand, dann eine klare Steigerung im zweiten Durchgang und eine Mannschaft, die den Widrigkeiten trotzt. Erst fällt der Ausgleich, schließlich die Führung, es folgt mit dem 2:

2 erneut ein Rückschlag, ehe acht Minuten vor dem Ende der Siegtreffer folgt.

FC Gießen - SSV Ulm (Samstag, 14 Uhr)

Die Rede ist vom 3:2-Sieg von Fußball-Regionalligist FC Gießen in der vergangenen Saison beim SSV Ulm 1846, der damals als wichtiger Mosaikstein auf dem Weg zum Klassenerhalt galt. 15 Monate später könnte der FCG eine solche Vorstellung im Heimspiel gegen die Ulmer Spatzen wieder sehr gut gebrauchen, um sich für die katastrophale Leistung in der ersten Halbzeit im Kellerduell mit dem FSV Frankfurt zu rehabilitieren. Gleichwohl die äußert prekäre Lage im Abstiegskampf natürlich ihre Gründe hat und nicht zuletzt auch eine Frage der Qualität beziehungsweise des (nicht abgerufenen) Potenzials ist sowie abseits des Rasens Zahlungsschwierigkeiten bei den Gehältern zweifellos einen weiteren Faktor bilden dürften: Von der Einstellung und der Mentalität her haben die Gießener sich in dieser Runde kaum etwas zuschulden kommen lassen, sodass diese Dreiviertelstunde vom Dienstag sich gewiss noch nicht wie ein Schatten auf die gesamte Spielzeit legt.

Von Bedeutung dürfte demnach sein, in den verbleibenden vier Matches diesen ordentlichen Eindruck bis zum finalen Abpfiff in Kassel am 14. Mai aufrecht zu erhalten. »Es geht primär darum, diese erste Halbzeit einigermaßen vergessen zu machen. Ich will eine Reaktion sehen, ein anderes Gesicht der Mannschaft«, sagt Trainer Daniyel Cimen unmissverständlich und ergänzt: »Wir haben die Zuschauer enttäuscht, was ich absolut verstehen kann. Meine Enttäuschung war ebenfalls riesig. Ausgerechnet zu diesem ungünstigen Zeitpunkt haben wir uns diesen Ausrutscher geleistet und wir sind nun in der Pflicht, zu zeigen, dass das nicht der Charakter der Mannschaft ist.«

Das Team hatte übrigens am Mittwoch frei, die Aufarbeitung des 1:3 bereitete viel Kopfzerbrechen: »Das musste jeder auch einmal für sich sacken lassen. Ich bin ehrlich und habe nach wir keine wirkliche Erklärung für dieses Auftreten. Cimen betont, er könne nachvollziehen, wenn »bei Fans, Zuschauern und Sponsoren, einfach bei allen, die gerne ins Waldstadion kommen, der Glaube gesunken ist. Es liegt an uns, mit der Art und Weise, wie wir spielen - mit Leidenschaft, Bereitschaft und Emotionen - diesen Glauben wieder zu entfachen. Wir wollen uns einfach nichts vorwerfen lassen.«

Was ist also noch drin bei sechs Zählern Abstand auf Rang 15, den ersten Nichtabstiegsplatz? Es müssten wohl mindestens drei Siege her, ein nahezu aussichtsloses Unterfangen. Diese Rechnung möchte Daniyel Cimen nicht kommentieren, unterstreicht jedoch: »Ich glaube weiter an uns.«

Gegen den SSV Ulm, der sich im extrem spannenden Titelrennen mit Kickers Offenbach und der SV Elversberg befindet, erwartet den FCG eine echte Mammutaufgabe. Seit Mitte März sackt der ehemalige Bundesligist einen Dreier nach dem anderen ein und blieb hinten sieben Mal »zu Null«, bevor Aalen am Samstag der Vorwoche in der Schlussminute zum 1:4-Endstand Ergebniskosmetik betreiben konnte. Nicht mehr Teil des Gießener Kaders wird Jabez Makanda sein.

Der Angreifer war in der Winterpause vom Ligarivalen FK Pirmasens zu den Lahnstädtern gekommen, wurde mit lediglich sieben Jokereinsätzen ohne Treffer und Vorlage allerdings keine Verstärkung. Cimen führt für die Ausbootung »disziplinarische Gründe« an, die nicht mit dem Frankfurt-Spiel in Zusammenhang stehen, sondern mit einem anderweitigen Vorfall, zu dem sich der Coach nicht näher äußern wollte.

Zum Ende der dritten Englischen Woche am Stück plagen sich einige Spieler mit Blessuren herum, sodass die Einsatzfähigkeit bei dem einen oder anderen noch offen ist.

Aufgebot FC Gießen: Löhe, Grbovic, Birol - Sarr, Fink, Reithmeir, Gaudermann, Kling, Mohr, Tiliudis, Trkulja, Münn, Sevim, Owusu, Sawada, Daghfous, Beal, Öztürk, Burgio, Itoi. - Es fehlen: Fisher, dos Santos (beide muskuläre Probleme), Lo Scrudato (Meniskus), Takehara (Bänderriss), Bogicevic (Hüft-OP).

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