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Im Angriff ohne Fortune

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Über die hohe Hürde gestolpert: Niklas Theiss unterliegt mit dem TV Hüttenberg der HSG Nordhorn-Lingen. Foto: Röczey © Röczey

Hüttenberg. Vielleicht lag es daran, dass sie das kräftezehrende DHB-Pokal-Erstrundenspiel gegen den ThSV Eisenach aus der Vorwoche noch in den Knochen hatten. Vielleicht war es die Ehrfurcht vor dem Traditionsclub aus der Grafschaft Bentheim, dem Deutschen Vizemeister von 2002 und EHF-Pokalsieger von 2008. Möglicherweise haben auch einfach die Nerven geflattert, was sich an der Tatsache ablesen ließ, dass sie nach nicht einmal 20 Minuten bereits drei Siebenmeter verworfen hatten.

TV Hüttenberg - Nordhorn-Lingen 25:29

Was auch immer die tiefere Ursache war, Fakt ist: Handball-Zweitligist TV Hüttenberg hat sein Auftaktmatch gegen die HSG Nordhorn-Lingen am Samstagabend verdient mit 25:29 (8:14) verloren.

Es war ein Endergebnis, dass aus Hüttenberger Sicht am Ende beinahe noch ein wenig schmeichelhaft daherkam. Denn die Gäste aus dem deutsch-holländischen Grenzgebiet präsentierten sich vor 930 Zuschauern im Hüttenberger Sportzentrum insgesamt als abgezockter und reifer, weshalb ihr Auswärtssieg in Halbzeit zwei auch nie ernsthaft in Gefahr geriet.

»Glückwunsch an Nordhorn zu einem völlig verdienten Sieg«, zeigte sich TVH-Trainer Johannes Wohlrab auf der anschließenden Pressekonferenz als fairer Verlierer und hatte sogleich den Grund für die Startniederlage seiner Mannschaft parat: »Wenn Du insgesamt 19 Fehlwürfe hast und dir dazu noch zwölf technische Fehler erlaubst, dann wirst Du niemals ein Zweitligaspiel gewinnen können, so einfach ist das.«

Der geneigte TVH-Fan hätte gleich zu Beginn merken müssen, dass irgendwie noch merklich Sand im Getriebe der Hausherren war. So verfehlten die ersten fünf Hüttenberger Würfe, darunter zwei Siebenmeter von Ian Weber (1.) und Jannik Hofman (5.), ihr Ziel, ehe Letzterer im Nachwurf den ersten TVH-Saisontreffer markierte. Kurz darauf traf Nordhorns Jaime Fernandez mit einem feinen Dreher zum 4:1 (7.), doch die Hausherren blieben dran: Nach zwei Empty-Net-Goals von Weber und Neuzugang Paul Kompenhans war der Vorjahresvierte auf 6:7 herangerückt (20.). Der Moment, in dem die Begegnung vielleicht hätte kippen können.

Sie tat es jedoch deshalb nicht, weil die Blau-Weiß-Roten in dieser womöglich entscheidenden Phase anschließend in nicht einmal zwei Minuten einen 0:3-Lauf kassierten und mit einem Mal wieder mit 6:10 zurücklagen. Ein Rückstand, von dem sie sich nicht mehr erholen sollten. »Ich hatte mir heute persönlich sehr viel vorgenommen und bin enttäuscht über meine Leistung. Ich habe in der ersten Halbzeit überpaced und durch meine Hektik die Mitspieler angesteckt. Die Führungsaufgabe, die Dominik Mappes bislang bei uns übernommen hatte, wollte ich übernehmen, aber das ist mir heute nicht gelungen«, gestand Ian Weber hinterher für einen erst 22-Jährigen erstaunlich reflektiert und selbstkritisch.

Der Mittelmann und seine Nebenleute Hendrik Schreiber und Niklas Theiss hatten allesamt nicht ihren besten Tag und verhalfen HSG-Schlussmann Bart Ravensbergen zu insgesamt elf Paraden, weil die Würfe, die das TVH-Ensemble abfeuerte, häufig nicht genügend vorbereitet waren oder schlicht zu zentral auf den gegnerischen Kasten abgefeuert wurden.

»Am Ende hat Nordhorn eine Torhüterleistung von 40 Prozent gehaltenen Bällen, wir knapp 25 Prozent. Dann wird’s halt schwer«, so Wohlrab hinterher.

In der zweiten Hälfte versuchten die Schützlinge des 36-Jährigen noch einmal, den Bock umzustoßen, blieben aber im Angriffsspiel zu fahrig und unpräzise. Darüber hinaus haderten die Hüttenberger nicht selten mit dem wenig souverän wirkenden Schiedsrichter-Gespann Darnel Jansen/Lucas Hellbusch (Trebur), das Wohlrab zu der Aussage verleitete, die Unparteiischen hätten sich wohl selbst noch in der Vorbereitungsphase befunden.

Kompliment

Das schönste Kompliment hatte Daniel Kubes für den Heimverein. Der ehemalige tschechische Nationalkreisläufe und spätere -trainer war zwar direkt nach dem Schlusspfiff mit grimmigem Gesichtsausdruck in den Katakomben des Sportzentrums verschwunden, attestierte dem TVH hinterher jedoch einen mutigen Auftritt: »Was hier in Hüttenberg geleistet wird, ist beeindruckend. Ich finde es toll, wie hier mit ganz jungen Spielern gearbeitet wird, die jede Woche ein bisschen besser werden.«

Noch in der Vorwoche war Nordhorn mit 20:22 gegen den HC Empor Rostock aus dem DHB-Pokal ausgeschieden. Jene Mannschaft also, bei der der TVH am kommenden Sonntag gastieren wird und bei der sie zeigen kann, ob Kubes mit seiner Einschätzung Recht hat.

TV Hüttenberg: Grazioli, Plaue; Schwarz (4), Kirschner (4), Opitz, Theiß (3), Fujita, Weber (6), Zörb (3), Reichl (2), Hofmann (1), Klein, Kompenhans (2), Schreiber, Ribeiro, Kuntscher.

HSG Nordhorn-Lingen: Ravensbergen, Buhrmester; Marschall (6), Stegefelt, Fernandez (5/1), Terwolbeck (1), de Boer (4), Visser (2), Simovic (1), Ranftl (1), Possehl (5), Pöhle (2), Kalafut (2).

SR: Hellbusch/Jansen (Trebur) - Siebenmeter: 3/0 - 1/1 - Zeitstrafen: 6:16 - Strafminuten - Disqualifikation: (Simovic - 25. / 3x2, Stegefelt - 39, Pöhle - 58. / 3x2 - alle HSG - Zuschauer: 930.

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