1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

In der Ruhe liegt die Kraft

Erstellt: Aktualisiert:

Mannheim. Till Klimpke war nach der Bändigung der Löwen kaum zu halten. Der Torhüter der HSG Wetzlar tanzte durch die SAP-Arena und war auch auf dem Weg in die Kabine kaum zu stoppen.

Rhein-Neckar Löwen - HSG Wetzlar 27:30

»Wir haben in den entscheidenden Momenten immer eine Schippe draufgelegt. Super, wie wir die 5:1-Deckung gespielt haben, dagegen hatten die Rhein-Neckar Löwen kein Rezept. Und wir hatten so eine geile Motivation in der Mannschaft, das hat den Gegner fertiggemacht«, sprudelte es aus dem ansonsten verbal eher zurückhaltenden Klimpke heraus.

Auch seine Teamkollegen wirkten nach dem 30:27 (15:13)-Auswärtscoup bei einem zwar angeknockten, aber qualitativ nach wie vor hochwertigen Konkurrenten der Handball-Bundesliga außer Rand und Band. Im Spiel selbst, das viele ergebnistechnische Aufs und Abs erlebte, lag die Wetzlarer Kraft in mehreren Dingen. Sicher in der Ruhe, auch in kritischen Situationen bei sich zu sein und sich an die taktischen Vorgaben des Trainers zu halten. Das, was Ben Matschke seinen Jungs abverlangte, hatte allerdings nicht viel mit ruhigem Fahrwasser zu tun. »Ich habe von meiner Mannschaft in den vergangenen Tagen und auch heute viel verlangt. Ständige Rhythmuswechsel, mehrere Umstellungen in der Defensive. Quasi alle zehn Minuten haben wir die Löwen vor neue Aufgaben gestellt«, sagte der 39-Jährige, der nicht viel mehr als einen Steinwurf vom Ort des nächsten Husarenstreichs entfernt wohnt. Der aber am Sonntagnachmittag auf den an Corona erkrankten Olle Forsell Schefvert verzichten musste. »Wir haben seinen Ausfall, auch wenn er uns sehr fehlt, und die emotionale Sache mit Alex Felds Verletzung aber super kompensiert«, erklärte der HSG-Coach.

Die einzige Frage, die sich die mit breiter Brust angetretenen Gäste nach knapp 29 Minuten stellen durften, war: Wieso steht es hier nur 13:13-Unentschieden? Hinten machte es der Tabellenfünfte gut, drückte Andy Schmid in dessen Spielaufbau durch eine 5:1-Formation mit dem vorgezogenen Emil Mellegard bis an die Mittellinie zurück. Ganz hinten entschied Till Klimpke das Duell der Jung-Nationaltorhüter gegen Joel Birlehm schon zu diesem frühen Zeitpunkt klar für sich. Und vorne übernahm vor allem Lenny Rubin Verantwortung und machte mit fünf blitzsauberen Treffern aus dem Rückraum seinem Ruf als bester Feldtorschütze des Oberhauses bereits in Durchgang eins alle Ehre.

Doch es waren Kleinigkeiten, die den ganz in Weiß gekleideten Grün-Weißen bis zu besagtem Gleichstand wehtaten. Einige Ballverluste im Angriff, zum Beispiel das Stürmerfoul des gerade erst aufs Bundesliga-Parkett zurückgekehrten und später mit zwei Assists glänzenden Filip Mirkulovski (26.), sowie die individuelle Klasse von Schmid und Juri Knorr auf der Gegenseite sorgten dafür, dass die 3566 Zuschauer in Mannheim auf ein Ende der Negativserie ihres Teams hoffen durften.

Zum Glück bestraften Felix Danner, der für Forsell Schefvert in den Innenblock rückte, und sein Kreisläufer-Kollege Adam Nyfjäll mit einem Doppelpack in wenigen Sekunden die nicht abreißende Ballverlust-Kette des Gegners und belohnten zudem die Wetzlarer Bemühungen mit dem 15:13 zur Pause.

Im zweiten Abschnitt schien der Gast noch ein paar Mal zu wackeln. Zum Beispiel, als Andy Schmid noch stärker aufdrehte und auf 18:18 (39.) stellte. Oder beim 24:24 (52.), als sich Jannik Kohlbacher am Kreis vehement durchsetzte. Doch angeführt von Till Klimpke, »der in diesen Phasen wichtige Paraden gezeigt hat (O-Ton Matschke), dem letztlich neun Mal einnetzenden Rubin (»Das ist mein erster Sieg hier und schon etwas Spezielles«) und Adam Nyfjäll (»Wir haben den Kampf angenommen und die Punkte auch für Olle geholt«) durfte sich die HSG von den wenigen mitgereisten Fans feiern lassen.

Während Coach Ljubomir Vranjes »das gewisse Etwas, die breite Brust, die richtige Einstellung auf dem Feld« bei den Löwen vermisst hatte, stellte sein Kollege Ben Matschke fest: »Wir wollen uns immer weiterentwickeln, das war heute definitiv wieder ein Schritt in diese Richtung.«.

Rhein-Neckar Löwen: Birlehm, Katsigiannis (ab 47.) - Schmid (8/4), Zacharias (2), Kirkelokke (1), Patrail, Knorr (2), Mòré (n.e.), Lagergren (2), Groetzki (5), Michalski (n.e.), Horzen (1), Gislason (1), Nilsson (2), Kohlbacher (3).

Wetzlar: Till Klimpke, Suljakovic (bei einem Siebenmeter) - Srsen (2), Nyfjäll (7), Ole Klimpke (n.e.), Kusan, Mirkulovski, Danner (4), Weissgerber (1), Holst (1/1), Fredriksen (2), Mellegard (3), Rubin (9), Novak, Cavor (1).

Schiedsrichter: Heine/Standke (Wendeburg/Ronnenberg) - Zuschauer: 3566 - Zeitstrafen: Rhein-Neckar Löwen zwei (Kirkelokke, Patrail), Wetzlar zwei (Danner, Nyfjäll) - verworfener Siebenmeter: Schmid (Rhein-Neckar Löwen) wirft an die Latte (40.).

Auch interessant