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»Ist mein erster Ansprechpartner«

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Von: Thomas Suer

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»Mir geht es um die Perspektive« - Daniyel Cimen, der such hier mit Michael Fink und Co Marcel Niesner berät, nimmt im Interview vor der Pause Stellung. Foto: Friedrich © Friedrich

Daniyel Cimen kann sich Verbleib beim FC Gießen vorstellen / Aufstieg kein Muss, Strukturen wichtiger

Gießen . Spieltage sind kaum geeignet als Familientage. Das ist seit Samstag beim Fußball-Hessenligisten FC Gießen anders - zumindest auf die nächsten Wochen bezogen. Nach einem klasse ersten Saisonteil hat der Tabellenzweite mit einer 2:4-Niederlage beim TuS Dietkirchen am Freitagabend die Winterpause eingeläutet, die am 13. Januar mit den obligatorischen Leistungstests enden wird. Zeit also für Trainer Daniyel Cimen, um mit seinen beiden Söhnen Schlittschuhlaufen zu gehen. Vorher nahm sich der 37-Jährige noch eine knappe Stunde, um über die Aussichten des FCG und seine eigene Zukunft zu sprechen.

Die Zweitvertretung der Frankfurter Eintracht trainiert unter professionellen Bedingungen. Ist der Klassenprimus Frankfurt, der drei Zähler Vorsprung hat, noch aufzuhalten?

Das wird schwierig werden. Eigentlich können sie nur an sich selbst scheitern. Sie sind einfach qualitativ zu gut besetzt und können im Zweifelsfall auch noch aus der U19 nachschieben. Ich denke, gerade zum Jahres- oder auch Saisonende ist in puncto Kondition und Ausdauer dieser Mehraufwand im Training zu bemerken. Aber es ist auch nicht unsere Aufgabe, sie aufzuhalten. Wir sehen uns nicht als Eintracht-Jäger. Wir haben uns in eine Position geschoben, die für uns unverhofft kam. Ich mache mir keine Gedanken über die Eintracht. Wir werden bei uns bleiben und versuchen, die Mannschaft weiterzuentwickeln. Sie hat bisher viel Spaß gemacht.

Ihr Team war dreieinhalb Monate ungeschlagen. Bei so manchem Konkurrenten, als Beispiel sei der Rangdritte Türk Gücü Friedberg gennant, wird angezweifelt, ob er den Weg in die 4. Liga überhaupt gehen will. Da stellt sich die Aufstiegsfrage doch, zumindest über den Umweg Relegation.

Natürlich werden wir in der langen Pause diese Eventualitäten besprechen. Wir sind Sportler und wollen das Maximale herausholen. Der Verein muss schauen und sich klar positionieren, ob er das - falls es eintreten sollte - will und stemmen kann. Im laufenden Wettbewerbsbetrieb war das bislang ein Nebenthema.

Die immensen Schwierigkeiten des FCG in der sportlich und wirtschaftlich herausfordenden Regionalliga sind bekannt. Michael Fink meinte in einem Interview im Oktober, der Verein sei im Moment besser in der Hessenliga aufgehoben. Welche Meinung haben Sie dazu - vor allem auch im Hinblick auf den kommenden Sommer?

Wenn es in die Regionalliga gehen sollte, macht es sportlich aus meiner Sicht nur Sinn, wenn man beim gleichen Aufwand bleibt. Das heißt, von der Uhrzeit her am Abend zu bleiben, drei bis vier Trainingseinheiten in der Woche. Wieder in den semiprofessionellen Bereich zu gehen, würde bedeuten, dass die Hälfte bis drei Viertel der Spieler aus der aktuellen Mannschaft den Aufwand nicht betreiben können. Aber wir haben immer noch einen Notvorstand, die Situation ist nach wir vor angespannt. Und die Regionalliga kostet, wenn ich beispielsweise an die Auswärtsfahrten oder die Ligagebühren denke. Ich hätte kein Problem damit, falls der Verein sagt: Der Erfolg ist schön, aber in der Gesamtsituation kommt das alles ein Jahr zu früh. Denn am Ende geht es um den Verein. Es ist wichtig, dass er in ruhiges Fahrwasser kommt. Da macht Turgay Schmidt einen guten Job und ist extrem bemüht. Er versucht dort, Mittel und Wege zu finden.

Sollte sich der Club dazu entscheiden, auf einen möglichen Aufstieg zu verzichten: Wäre das für Sie ein Hauptgrund, Ihren Vertrag auslaufen zu lassen?

Nein, mir geht es um die Perspektiven. Wenn man zu dem Schluss kommt, dieses Mal zu verzichten und sich im Sommer so aufzustellen, um es danach anzugehen, dann ist das für mich eine vernünftige Lösung.

Zu Ihrem fünfjährigen Jubliäum als Trainer in Gießen im September sagten Sie, man müsse die Entwicklung abwarten, was die Verlängerung Ihres auslaufenden Vertrags anbelangt. Demnach müssten die Chancen auf einen Verbleib gestiegen sein?

Rein von der Mannschaft her ist das so. Es macht sehr viel Spaß. Das ist eine tolle Mannschaft mit tollen Charakteren. Davon abgesehen müssen wir jetzt Gespräche führen. Schon in den vergangenen Jahren war es wild in Sachen Planung, dieses Jahr im Sommer war es eine Extremsituation. Acht, neun Tage vor dem Vorbereitungsstart haben wir angefangen. Solch eine Situation sollte sich nicht wiederholen. Als Signal wäre wichtig, dass der eine oder andere Spieler Ende Februar, vor dem ersten Spiel, für die nächste Saison feststeht.

Gibt es einen Fahrplan für Gespräche über Ihre Zukunft und wann müsste eine Entscheidung fallen?

Wir werden zeitnah sprechen. Der Verein mit Turgay Schmidt wollte schon vorher, aber ich darum gebeten, das letzte Spiel abzuwarten. Wir haben jetzt genug Zeit dafür. Der Verein ist sehr bemüht, die Zusammenarbeit fortzusetzen. Der FC Gießen ist eine Herzensangelegenheit für mich und mein erster Ansprechpartner, aber ich will nichts ausschließen. Es ist alles offen. Wichtig ist für mich: Wie der Verein die Zukunft planen möchte. Wir wollen das relativ zügig lösen, aber einen Zeitpunkt kann ich nicht nennen. Dafür ist der Fußball zu unberechenbar.

Zunächst steht die Vorbereitung auf die Restrunde an. Wird es in der Winterpause Veränderungen im Kader geben?

Wir werden uns jetzt im Trainerteam zusammensetzen und die bisherige Saison analysieren. Veränderungen beziehungsweise Optimierungen sind immer möglich, aber es wird keinen Umbruch geben.

Der sportliche Erfolg ist das eine, daneben sind Vereinsstruktur bzw. -führung von zentraler Bedeutung. Michel Magel ist seit dem Sommer da und könnte bald als Geschäftsführer fungieren. Mit Turgay Schmidt wird der Verein weiter von einem Notvorstand geführt, am Freitag wurde die einvernehmliche Vertragsauflösung mit dem Sportlichen Leiter Christian Memmarbachi bekannt. Wie sehen Sie diese Entwicklung ?

Wir sind sehr froh, dass Michel da ist. Er gibt sehr viel Input und hat vieles in die richtigen Bahnen gelenkt. Es ist immer wichtig, sich noch breiter aufzustellen, egal ob im Ehrenamt oder Manpower in verschiedenen Bereichen. Unser erstes Heimspiel 2023 ist gegen die Eintracht, da werden sicher einige Zuschauer mehr kommen. So ein Spieltag muss auch bewältigt werden. Ich bin zuversichtlich, dass wir da Zuwachs bekommen. Die Kabine im Waldstadion ist fast fertig renoviert. Aus dem Räumlichkeiten über der Kabine könnte beispielsweise ein Vereinsheim werden. Zur Flutlichtanlage und Bewässerungsanlage gibt es Gespräche mit der Stadt. Es wird einiges auf den Weg gebracht, aber das geht nicht von heute auf morgen. Bei Christian Memmarbachi denke ich, wenn man sich einvernehmlich trennt, ist das die richtige und beste Lösung für beide Seiten. Über die Position kann man auch nachdenken: Ob und wie wir sie neu besetzen. Turgay Schmidt wird die gute Vereinsentwicklung weiter vorantreiben. Ich bin überzeugt davon, dass er mit weiteren Entscheidungen und Personen den Verein in eine normale Vereinsstruktur führen wird.

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