1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

»Ist mir ans Herz gewachsen«

Erstellt:

Von: Thomas Suer

gispor_2409_cimen_240922_4c
Kontinuität am Rande: Daniyel Cimen ist heute exakt fünf Jahre Gießens Trainer. Foto: Bär © Bär

Kleines Dienst-Jubiläum: Daniyel Cimen ist auf den Tag genau seit fünf Jahren Trainer des FC Gießen

Gießen . »Natürlich wusste ich, dass es im September so weit ist, aber so richtig auf dem Schirm hatte ich das genaue Datum nicht. Und auch nicht, dass es auf einen Spieltag fällt.« Daniyel Cimen war doch etwas überrascht, als er Anfang der Woche für einen Gesprächstermin zu seinem Jubiläum beim FC Gießen angefragt wurde.

Dazu gehört auch die Phase beim Vorgängerclub SC Teutonia Watzenborn-Steinberg, der die Verpflichtung Cimens nach einem verkorksten Rundenstart auf den Tag exakt heute, am 24. September 2017, bekannt gab. Vor nun fünf Jahren. Für einen Trainer durchaus eine lange Verweildauer, zumal beim FCG mit den vielen Turbulenzen. Cimen ist gleichwohl geblieben und erfüllt seinen Vertrag bis 2023. Der 37-jährige erfreut sich dank seiner Fachkompentenz, aber nicht zuletzt auch durch seine bodenständige, gelassene und zugewandte Art großer Beliebtheit im Club und im Umfeld. Dass das aktuelle Team, vor der Runde aus dem Nichts aufgebaut, nach einem knappen Viertel der Saison in der Hessenliga einen starken fünften Platz belegt, ist zu weiten Teilen Cimens Verdienst. »Es waren ereignisreiche Jahre - in beide Richtungen«, blickt der zweifache Familienvater zurück, »es gab viele schöne Momente, aber auch Dinge, die nicht alltäglich sind. Ich glaube allerdings, dass nichts ohne Grund passiert und man daran auch wachsen kann.«

Umbrüche hat er seit 2017 einige meistern müssen, insgesamt 82 Neuzugänge hat er geholt. »Da hätte ich mir weniger gewünscht«, räumt der Coach fehlende Kontinuität ein: »Es ist besser, wenn du über Jahre ein gewisses Gerüst hast und das punktuell verstärkst.« Das Kommen und Gehen der Spieler ist logischerweise nur ein Punkt, auf den sich eine Rückschau lohnt.

Daniyel Cimen über ...

... Stefan Hassler, der ihn in seiner Funktion als Sportlicher Leiter gemeinsam mit dem damaligen Geschäftsführer Jörg Fischer zur Teutonia lotste und zum Nachfolger von Gino Parson machte:

Ich glaube, für Stefan war es eine relativ schwierige Konstellation, weil er ja auch ein enger Freund von Gino ist. Wir hatten von Tag eins an eine gute Zusammenarbeit, auch zwischenmenschlich hatten wir eine gutes Verhältnis.

... prominente Konkurrenz wie Weltmeister Jürgen Kohler, den er er bei der Wahl ausstach:

Wer am Ende in der engeren Auswahl war, kann ich nicht sagen. Schon im Jahr davor, bevor Francesco Copado kam, gab es Kontakt, und auch da waren ähnliche Namen im Gespräch. Ich hatte beide Male noch Vertrag bei Rot-Weiß Frankfurt, im zweiten Anlauf hat es besser gepasst. Ich bin froh, dass ich hier Trainer werden konnte, wobei ich zu Jürgen Kohler übrigens einen anderen Bezug habe. Er hat mich als 19-Jährigen zum Lehrgang eingeladen, als er Trainer der U21-Nationalmannschaft war.

... die Nachfolgeregelung in Frankfurt mit Mario Basler, die sich schnell als PR-Luftnummer herausstellen sollte:

Ich war schon sehr überrascht, als ich das erfahren habe. Das hatte nach außen eine Riesenwirkung, da sind bestimmt 100 Leute mehr nur wegen Mario Basler zu den ersten Spielen gekommen. Ob es etwas gebracht hat, sei mal dahingestellt.

... den größten Sieg mit Gießen:

Neben dem Erfolg im Hessenpokal-Viertelfinale im Dezember 2019 gegen Kickers Offenbach würde ich da spontan das 2:1 über Lohfelden im Mai 2019 nennen, weil das mit dem Aufstieg in die Regionalliga verbunden war. Wir lagen durch einen individuellen Aussetzer von Keeper Freddi Löhe mit 0:1 hinten und haben das Spiel gedreht. Johannes Hofmanns Distanzschuss knapp zehn Minuten vor dem Ende hat genau gepasst. Obwohl es nur ein Test gewesen ist, war auch das 3:1 gegen die Frankfurter Eintracht vor 7500 Zuschauern ein echtes Highlight für die Stadt.

...die schlimmste Niederlage:

Das war das Aus im Hessenpokal 2019 in Baunatal nach Elfmeterschießen, weil da ein Sieg im Halbfinale mit dem Einzug in den DFB-Pokal gleichbedeutend gewesen wäre. Das hat weh getan. Ähnlich bitter war das 0:2 in Koblenz 2021/22, als wir endgültig aus der Regionalliga abgestiegen sind.

...rauschende Hessenpokalabende 2018 gegen den FSV Frankfurt und Eintracht Stadtallendorf:

Das war schon sehr besonders mit den mobilen Flutlichtanlagen im Waldstadion und 4000 Zuschauern, dazu die Choreographie über die gesamte Sitzplatztribüne und die Live-Präsentation des »FC Gießen-Songs« auf dem Rasen. Es waren beides tolle, packende Spiele, für mich unvergessliche Momente. Das hat gezeigt, was in Gießen möglich ist.

...die Chancen, dass er in der Saison 2023/24 das Jubiläum von 200 Punktspielen auf der Gießener Bank feiern wird (derzeit 165):

Das ist schwierig zu beantworten. So ein Jubiläum mit 200 Spielen wäre sicherlich schön, aber wir müssen schauen, wie sich alles die nächsten Monate entwickelt. In jedem Fall ist mir der FC Gießen total ans Herz gewachsen, ich will das nicht ausschließen.

Auch interessant