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Ja, wo laufen sie denn?

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Von: Timo Weckmann

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Der Adventslauf des MTV Gießen, nun auch in den Mittelhessen Cup integriert, hatte eine ordentliche Teilnehmerzahl zu vermelden. Foto: Wißner © Wißner

Gießen . Nach mehr als zwei Jahren der Pandemie mit vielen Absagen finden die heimischen Volksläufe inzwischen wieder mit einer gewissen Verlässlichkeit und ohne größere Einschränkungen statt. Die Anzahl der Laufevents ist jedoch geringer geworden und der Rückgang der Teilnehmerzahlen teilweise drastisch. Ein Abwärtstrend, der schon früher begann, durch Corona aber scheinbar noch verstärkt wurde.

Einige Laufveranstalter haben nach dreijähriger Pause ihre Events wiederbelebt, für andere kam jedoch mit der Pandemie das endgültige Aus. Eine Spurensuche.

Beim Lahnparklauf des Teams Naunheim kamen im Jahr 2016 noch knapp 700 Starter, in diesem Jahr waren es noch gut 330. Ein Beispiel unter vielen der noch übriggebliebenen rund 20 Veranstaltungen im Sportkreis Gießen und in der direkten Nachbarschaft.

Bereits seit einigen Jahren fällt es Veranstaltern immer schwerer stattliche Starterzahlen für ihre Veranstaltungen zu mobilisieren. Große Traditionsveranstaltungen in der Region, wie beispielsweise der Licher 10-Meilen-Lauf, bei dem in guten Zeiten deutlich mehr als 500 Aktive durch den Wald streiften, haben sich nach 36 Jahren entschieden diesen nicht mehr anzubieten. Teilweise aus internen Gründen, nicht mehr genügend Helfer akquirieren zu können.

Andererseits aber auch der sinkenden Nachfrage der Läuferschaft geschuldet. Denn erreicht ein Lauf nicht mehr eine gewisse Schwelle an Startern, hinterfragen viele Veranstalter die Relation zwischen Organisatoren und Teilnehmern. So hat zum Beispiel der Großen Busecker Volkslauf bereits in 2018 nach 31 Auflagen seinen Betrieb eingestellt.

Ende Januar 2020 trat dann in Deutschland ein Virus auf, dass vieles veränderte: Fast alle Veranstalter sagten daraufhin ihre Läufe ab. Meisterschaften fanden, wenn überhaupt, nur unter besonderen Rahmenbedingungen statt. Und auch im folgenden Jahr gab es noch erhebliche Einschränkungen, insbesondere in den Wintermonaten, bei dem teilweise nur Geimpfte und unter Maskenpflicht gestartet werden konnte.

Veranstalter scheuten Risiko

Die Folge: viele Veranstalter scheuten das Risiko einer Ausrichtung und sagten ihre Läufe erneut ab. Erst in diesem Jahr kehrte ein Hauch von Normalität im Laufgeschehen ein, dessen erfreulicher Umstand durch die Tatsache getrübt wurde, dass zum einen etliche Helfer die Erfahrung gemacht hatten, dass es sich auch ohne Veranstaltung leben lässt und zum anderen die Überalterung bei etlichen Ausrichtern das Aus bedeutete.

Sven Schnitker (siehe Bericht auf dieser Seite), einer der Hauptverantwortlichen der aus 13 Stationen bestehenden Mittelhessen Cup Serie, beschreibt die Situation so: »Vor Corona hatten wir bei zwölf bis dreizehn durchgeführten Läufen etwa 1500 Aktive, die in die Wertung kamen. In diesem Jahr waren es etwa noch 1100 bei zwölf Läufen«. Ob dies jetzt auf die längere Pause zurückzuführen ist, lässt sich jedoch nicht genau deuten. Was aber auffällig ist, ist dass die Anzahl der ambitionierten Läufer aus den regionalen Topvereinen abgenommen hat. Dementsprechend sind auch die Siegerzeiten in der Breite schwächer geworden. Oft genügt auf der am meisten angebotenen Distanz, den 10 Kilometern, inzwischen eine Siegerzeit von rund 35 - 36 Minuten bei den Männern und 40 bis 42 Minuten bei den Frauen. Vor zehn Jahren hätten diese Leistungen kaum für einen Platz unter den ersten Fünf gereicht.

Obwohl durch Corona mehr Menschen einen Ausgleich zum Homeoffice suchen und damit zum Laufen gekommen sind, nehmen diese weniger die Laufangebote der Vereine wahr. Ein Grund dafür sieht Schnitker darin, dass »bei vielen Sportlern noch keine Euphorie, wieder zu Wettkämpfen antreten zu können, entstanden ist. In vielen Köpfen hält sich die Maßgabe Abstand halten und Vorsicht walten zu lassen, hartnäckig.«

Neue (Lauf-)Wege

Doch wie lässt sich das (nicht nur) heimische Kulturgut Volkslauf weiter am Leben erhalten? Viele Veranstalter treten Cupserien bei und bauen ihre Organisation um. So setzen sie hierbei vor allem auf Voranmeldungen zu ihren Events, die bis zum Vorabend geöffnet ist und streichen die Nachmeldung. Dies ermöglicht es ihnen, den Einsatz ihrer Helfer besser zu steuern. Jedoch bringt das wiederum den Nachteil mit sich, dass Kurzentschlossene nicht mehr am Veranstaltungstag dazustoßen. Startgelder werden teilweise erst nach der Veranstaltung eingezogen und bei Nichtantreten wird keine Startgebühr fällig. Ebenso wird natürlich versucht, eine gewisse Atmosphäre zu erzeugen. Das obligatorische Stück Kuchen, das isotonische Getränk und ein Plausch beim Warten auf die Siegehrung gehören weiterhin dazu und das soll auch in Nach-Corona-Zeiten wieder belebt werden. Ob all diese Maßnahmen Wirkung zeigen, muss sich allerdings noch weisen. Zu wünschen wäre es den heimischen Lauftreffs, denn eines ist allen gemein: hier wird ehrenamtlich sehr viel Zeit und Herzblut investiert.

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