»Jeder darf träumen«

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Hüttenberg. Am Ende war es eine eindrucksvolle Demonstration ihrer aktuellen Stärke. Mit 34:28 (15:12) hat der TV Hüttenberg sein Heimspiel am Samstagabend gegen den TV Großwallstadt gewonnen - und ist durch diesen nunmehr zehnten Saisonsieg im 14. Spiel auf Tabellenplatz zwei der 2. Handball-Bundesliga vorgerückt. Jene Position also, die am Ende der Spielzeit zum Aufstieg ins Oberhaus berechtigen würde.

TV Hüttenberg - TV Großwallstadt 34:28

Die verbleibenden vier Begegnungen bis zum zweiten Weihnachtsfeiertag werden zeigen, in welche Richtung sich der bislang ebenso fantastische wie unerwartete Höhenflug des TV Hüttenberg nach dem Jahreswechsel weiterentwickeln wird.

Gelingt es dem Team von Trainer Johannes Wohlrab, nach dem noch ausstehenden, schweren Restprogramm mit Partien gegen Emsdetten, Rostock, Essen und Hamm-Westfalen weiterhin in Schlagdistanz zur Tabellenspitze zu bleiben, dann wären die Parallelen zur Saison 2016/17 nicht mehr zu leugnen. Auch damals hatte die Blau-Weiß-Roten, die damals sogar auf Tabellenplatz eins überwinterten, vor der Spielzeit niemand auf der Rechnung gehabt - am Ende feierte man den sensationellen Aufstieg in die Bundesliga.

Unabhängig von eventuellen Planspielen, Träumereien und dem weiteren, nicht kalkulierbaren Saisonverlauf dürften die Hüttenberger Fans schon jetzt mächtig stolz auf ihre Mannschaft sein: Denn auch am Samstagabend lieferte die blutjunge Truppe von Trainer Johannes Wohlrab abermals eine bärenstarke Leistung ab, wie ihr Coach erklärte: »Eine souveräne Vorstellung meiner Mannschaft, der Sieg geht absolut in Ordnung. Jeder meiner Spieler hat seine Aufgaben heute voll erfüllt«

Gegen den einstigen Serienmeister aus Großwallstadt tat das »Original aus Mittelhessen« das, was es in dieser Spielzeit in beinahe allen Heimspielen getan hatte: Es kaufte dem Gegner aus Unterfranken, der zu Beginn nicht recht wusste, wie ihm geschah, in einer stürmischen und wilden Anfangsphase sogleich den Schneid ab.

Angeführt vom Rückraum-Trio Dominik Mappes, Hendrik Schreiber und Ian Weber und gestützt auf einen insbesondere in der Anfangsphase hervorragenden Schlussmann Dominik Plaue (sechs Paraden nach acht Minuten) führten die Gastgeber nach einem Empty-Net-Goal von Johannes Klein schon nach zehn Minuten mit 5:1.

Erst mit zunehmender Spieldauer gelang es dem TVG um die wurfgewaltigen Kuno Schauer und Savvas Savvas, sich auf die aggressive und bewegliche Abwehr der Hausherren einzustellen. Der griechische Shooter war es auch, der mit seinen Treffern zum 6:8 (18.) und 11:13 (29.) demonstrierte, dass er und seine Mitstreiter trotz ihres mäßigen Starts noch keineswegs bezwungen waren. »Wir wussten, dass das ein ganz schweres Spiel werden würde. Großwallstadt hat unheimlich viel individuelle Klasse in seinen Reihen, wir haben als starkes Kollektiv dagegengehalten«, meinte Plaue hinterher, der von seinem Coach eine »super Torhüterleistung« attestiert bekam.

Nachdem Niklas Theiß sprunggewaltig zum 15:12-Halbzeitstand getroffen hatte, gab es für die Hüttenberger im zweiten Abschnitt einen einzigen kritischen Moment, der überstanden werden musste: Denn als TVG-Linkshänder Tom Jansen seine Farben auf einen Treffer herangebracht hatte (16:17), hätte die Begegnung kippen können. »Wir sind ruhig geblieben und nicht in Hektik verfallen, das war wichtig«, wusste Wohlrab später, der sich in dieser Situation auf seine Führungskräfte Mappes und Schreiber verlassen konnte, die den TVH-Dampfer wieder in ruhigeres Fahrwasser geleiteten: Denn spätestens nach Mappes‹ 30:25 (55.) war klar, dass das Hüttenberger Sportzentrum auch beim siebten gegnerischen »Überfallversuch« eine verlustpunktfreie Festung bleiben würde.

Als Belohnung darf das TVH-Ensemble am Montag die Füße hochlegen, um für die kommenden schweren Aufgaben zu regenerieren. »Wir haben jetzt 21 von 30 Zählern geholt, das war unser Ziel vor der Saison«, verwies Wohlrab später auf jene ominöse Punktzahl, die am Ende erfahrungsgemäß zum Klassenerhalt reicht.

Trotz Tabellenplatz zwei also doch keine Erlaubnis zum Träumen? Ganz und gar nicht! »Jeder darf träumen, das kann man keinem verbieten. Zielstellung war es, diese 30 Punkte schnellstmöglich einzufahren. Sobald uns das gelungen ist, machen wir uns Gedanken, was wir als nächstes erreichen wollen«, meinte Wohlrab vielsagend.

Hüttenberg: Plaue, Rüspeler (ab 53.) - Schwarz (2), Kneer, Kirschner (4), Theiß (5), Fujita (1), Weber (4), Rompf (1), Zörb (1), Reichl, Mappes (7), Klein (1), Jockel (1), Schreiber (6).

Großwallstadt: Minerva, Adanir (ab 50.) - Jansen (3/2), Klenk (1), Babarskas, Bandlow (2), Schauer (6), Bicer (2), Weit (1), Corak, Stark, Rink (2), Savvas (6/2), Busch (5/2).

Schiedsrichter: Köppl/Regner (Düsseldorf/Nieder-Olm) - Zuschauer: 520 - Zeitstrafen: Hüttenberg sechs (Theiß, Rompf, Mappes, Klein drei/60. Disqualifikation), Großwallstadt fünf (Rink, Savvas zwei, Stark, Corak).

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