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»Jetzt in einer anderen Flughöhe unterwegs«

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Axel Hellmann © Red

Frankfurt. »Ich fand uns schon gut, als uns noch keiner gut fand.« Ein Spruch aus dem Museum der Frankfurter Eintracht, der Axel Hellman (51) besonders gut gefällt. Seit vielen Jahrzehnten arbeitet, lebt, leidet und jubelt der gelernte Jurist mit seinem Lieblingsclub. Seit 2001 gehört er in unterschiedlichen Funktionen der Führungsspitze der Eintracht an.

Nach dem erfolgreichen Jahr hat der Vorstandssprecher in einem Podcast über Vergangenheit und Zukunft der SGE gesprochen.

Der persönliche Rückblick auf 2022: »Ich kann mich an kein bewegenderes Jahr erinnern. Wir sind jetzt in einer anderen Flughöhe unterwegs. Schlichtweg haben viele Rädchen ineinandergegriffen. Wir haben in den letzten Jahren viele Dinge erreicht, auch abseits des Europapokalsieges. Wir wollten ein neues Profi-Camp bauen, das haben wir gemacht. Wir wollten das Stadion übernehmen und uns selbst vermarkten, das haben wir gemacht. Wir wollten eine digitale Plattform aufbauen, das haben wir begonnen. Wir wollten die sportliche Leistungsfähigkeit kontinuierlich erhöhen, das haben wir geschafft. Das letzte große Thema, die Ausweitung der Stadionkapazität auf 60 000, werden wir im Sommer erreichen.«

Das Leitmotiv des Clubs: »Wir haben eine gute Mitte gefunden zwischen Wettbewerbsfähigkeit und Authentizität. Die Stärke liegt da im Yin und Yang, in der Zusammenführung der beiden Komponenten. Es gibt Bereiche, da gehen wir nicht ran, zum Beispiel die Frage der Fankultur. Das ist die eine Seite. Auf der anderen aber steht der Erfolg. Wir müssen erfolgreich bleiben, ohne die Wurzeln zu vernachlässigen. Wir sollten uns wieder stärker am Leistungsbegriff orientieren, sonst werden Dinge beliebig. Haltung ist toll und wichtig, aber nur zu vermitteln, wenn wir auch eine Leistungskultur haben.«

Zur Kritik am bevorstehenden Trainingslager in Dubai: »Wir wollen die Mannschaft dort bestmöglich auf die Rückrunde vorbereiten. Mir leuchtet total ein, dass Menschen eine andere Meinung dazu haben, aber wenn jetzt jemand total enttäuscht ist von der Eintracht, finde ich das überzogen. Wenn wir damit anfangen, (aus politischen Gründen) nicht dorthin zu fahren, kriegen wir Probleme, wohin wir überhaupt hinfahren können. In die Türkei? In die USA, wenn Trump wieder gewählt wird? Dann engen wir uns in einer Form ein, die es uns superschwer macht, den Leistungsbegriff weiter in den Vordergrund zu stellen.«

Das Geheimnis der Erfolge: »Jahr für Jahr täusche ich mich total. Egal ob mit Heribert Bruchhagen, Wolfgang Steubing, Philip Holzer oder Peter Fischer. Immer haben wir am Anfang mal gesagt, ach, das wird eine schwere Saison. Dann haben wir es immer hinbekommen, zusammenzuhalten und zusammenzustehen. Wir haben es auch in Schwächeperioden immer geschafft, mit dem Trainer durchzuziehen. In sechseinhalb Jahren haben wir keinen Trainer rausgeschmissen. Manche beneiden uns dafür.«

Über den Erfolg der Aktion »Fußball in der Region«: »Es spielt uns in die Karten, dass die Menschen nach Corona dankbar sind, dass wieder Spiele vor ihrer Haustür stattfinden. Emotionalität entsteht durch Begegnung. Wir dürfen nicht in einem Wolkenkuckucksheim bleiben. Wenn wir bei Eintracht eins nicht sind, wir sind nicht abgehoben, wir sind sehr anfassbar und nahbar. Und trotzdem werden wir auch nach Asien oder Amerika gehen. Das ist unser Auftrag.«

Zur Tabellenführung der U21 in der Hessenliga: »Das überrascht mich schon. Meine Prognose war Platz drei, vier oder fünf. Die Jungs haben das hervorragend gemacht. Aus meiner Sicht hätte es einen gewissen Charme, nächste Saison gegen die Kickers und den FSV zu spielen.«

Zur Aufgabe bei der DFL und einem möglichen Sportdirektor Fredi Bobic: »Ich werde bei der DFL ein paar Dinge, die liegen geblieben sind, anschieben müssen. Fredi Bobic wäre ein wichtiger Erfolgsbaustein, um die EM 2024 zu gewinnen.

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