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Jürgen Klein ist gestorben

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Jürgen Klein. © Beck/red

Gießen . Mit Jürgen Klein, der kürzlich im 85. Lebensjahr verstarb, verlieren die Gießener Ruderer, Kanuten und Skiläufer einen ihrer ganz großen Sportler.

Zunächst dem Paddel- und nordischen Skisports zugetan, schloss er sich als Schüler dem Ski- und Kanuclub Gießen an. In beiden Disziplinen glänzte er bei regionalen Wettkämpfen mit beachtlichen Leistungen. Spätestens 1954 war der Hüne Jürgen Klein den engen Rennkajaks entwachsen und wandte sich im Herbst des Jahres dem Rennrudern zu. Trainer Otto Genz von der Gießener Rudergesellschaft 1877 wusste sofort, dessen durch das Paddeltraining erworbene Routine im Umgang mit dem Wasser zu nutzen. Er formte den Neuling in wenigen Monaten zu einem exzellenten Rennruderer, der in der Lage war, innerhalb kurzer Zeit sämtliche Leistungs- und Altersklassen zu überspringen. Obgleich damals die Dauer der Ausbidung zum Rennruderer normalerweise drei Jahre dauerte, saß Jürgen Klein bereits Anfang 1956 im Ersten Senior-Achter der GRG 1877, in dem auch die als »Kühn-Vierer« bekannte Mannschaft integriert war.

Dabei gab es in den von Otto Genz trainierten Rudermannschaften keine Stammplätze. Jeder Ruderer musste immer wieder, durch Abrufen seiner Höchstleistung bei bester Technik, um seine Position kämpfen. So kam es, dass im Sommer 1956 beim Fahren von Mess-Strecken, mit Jürgen Klein auf Nummer drei des »Kühn-Vierers«, die Stoppuhr des Trainers langsamer zu laufen schien. Die nächsten Tage bewiesen, dass dies keine Eintagsfliege war.

Man versuchte, in der europäischen Spitzenklasse zu landen, was dank Siegen im Hindenburg-Vierer-Rennen von Essen und vorderen Plätzen bei der vorolympischen Prüfungsregatta in Mailand sowie in anderen hochkarätigen Rennen gelang. Schließlich schafften die Gießener als reine Vereinsmannschaft die Qualifikation zur Teilnahme an der Europameisterschaft 1956 in Bled im damaligen Jugoslawien. Dort ruderten Jürgen Klein und seine Kameraden mit Erfolg im Finale. Eine von außen an die Mannschaft herangetragene, falsche Renntaktik verhinderte allerdings das Erreichen von einem der drei ersten Plätze, die für eine Olympia-Qualifikation maßgeblich gewesen wären.

Leider gab es damals keine Bemühungen der GRG zur Eigenfinanzierung der Flugkosten zu den Spielen nach Melbourne, was seitens der Führung des Deutschen Ruderverbandes bedauert wurde. Denn in dem Gießener Vierer steckte noch eine Menge Potential.

Berufsbedingt trainierte Jürgen Klein in den nächsten Jahren unter dem Gießener »Hännes« Rübsamen bei der RG Wiesbaden-Biebrich 1880, wo er in deren Senior-Achter im In- und Ausland erfolgreich war. Zurück in Gießen, bildeten die Gießener RG 1877 und die RG Wetzlar 1880 mit Jürgen Klein einen schlagkräftigen Achter, der 1960 in der alten Bundesrepublik nur von dem »Adam-Achter« aus Ratzeburg und Kiel, dem späteren Olympiasieger von Rom, geschlagen wurde. Unvergessen blieb der Sieg im »Großen Achter« bei der Internationalen Ruderregatta in Zürich gegen starke südeuropäische Konkurrenz. Auch 1963 trug Klein das Trikot der deutschen Nationalmannschaft. Denn der Elite-Achter der GRG, dem er angehörte, wurde zur Teilnahme am Dreiländerkampf Deutschland - Österreich - Jugoslawien nominiert. Dieses Rennen sollte zum Highlight werden. Die Gießener siegten mit Bravour. Noch nie ruderte eine Achter-Mannschaft auf dem Veldes-See von Bled die 2000 Meterstrecke unter sechs Minuten. Streckenrekord!

Später schloss sich Jürgen Klein auch dem Gießener RC Hassia an, für den er zusammen mit seinen Ruderkameraden manchen Sieg in der Altherren-Klasse (heute Masters) holte. Der Ski- und Kanuclub nutzte Kleins Organisationstalent und wählte ihn 2002 zum Kassenwart. Als er 2017 aus Altersgründen sein mit Sorgfalt und Umsicht geführtes Amt aufgab, dankten ihm die Mitglieder mit »standing ovations«. Rolf Beck

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