1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Kein Weihnachts-Wunschkonzert

Erstellt:

Wetzlar/Aschaffenburg . (vsch). Emil Mellegard stand am Donnerstagabend mit einer »Merci«-Schokoladentafel als Fan-Präsent in der Hand auf dem Parkett der Aschaffenburger Frankenstolz-Arena und sagte: »Hauptsache nicht gegen Kiel.« Der Linksaußen der HSG Wetzlar sprach seinen abgekämpften, aber glücklichen Teamkollegen nach dem knappen 25:23 (14:15)-Sieg im DHB-Pokal-Achtelfinale beim TV Großwallstadt aus der Seele.

Ja, aus Kiel als nächstem Gegner ist es wirklich nichts geworden. Dafür zog Ex-Fußball-Nationalspielerin Sonja Fuss am Freitag einen anderen dicken Handball-Brocken für die Grün-Weißen aus dem Lostopf.

Die SG Flensburg-Handewitt empfängt die Mannschaft um Kapitän Adam Nyfjäll zum Pflichtspiel-Start des neuen Jahres in der Flens-Arena. Am 4. oder 5. Februar kommt es im Viertelfinale des laufenden Cup-Wettbewerbs also zur schnellen Neuauflage jenes Duells, das beide Teams bereits am kommenden Dienstag (19.05 Uhr) zum Abschluss 2022 in der Bundesliga zusammenführt. Eine interessante Konstellation, auch wenn HSG-Trainer Hrvoje Horvat direkt nach der Auslosung in Köln (dort findet am 15. und 16. April 2023 das Final Four statt) an die Herkulesaufgabe im K.o.-Spiel fast keinen Gedanken verschwendete. »Natürlich ist das eine Riesenaufgabe. Und wir haben uns das so nicht gewünscht. Aber das Los wollte es so, wir werden uns dieser Herausforderung stellen«, erklärte der Kroate einen Tag nach der Zitterpartie in Mainfranken.

Dort hatte auf die in der Liga arg gebeutelten Wetzlarer samt ihres neuen Coaches eine »knifflige Aufgabe« (O-Ton Nyfjäll) gewartet. »Der Gegner konnte nur gewinnen und wir nur alles verlieren«, sagte der Kapitän des aktuellen Erstliga-16. nach dem Aufeinandertreffen mit dem aktuellen Zweitliga-13. - das in den 60 Minuten nicht gerade etwas für Handball-Ästheten bereithielt. Die Großwallstädter warfen - angetrieben von ihren lauten Fans in der mit 2331 Zuschauern gefüllten Halle am Main - alles, was sie hatten, in die Waagschale. Sie erwischten die Deckung des Favoriten bis zur 35. Minute ein ums andere Mal auf dem falschen Fuß. »Wir standen zu weit auseinander«, erkannte Horvat hinterher in seiner Analyse. Daran änderte auch das Comeback von Erik Schmidt als Innenblock-Stabilisator nichts, den knappen Halbzeit-Rückstand hatte sich die HSG vor allem in der eigenen Abwehr eingebrockt.

»Es waren zwei unterschiedliche Halbzeiten. In der ersten haben wir im Angriff konzen-triert und fast ohne Fehler agiert«, lobte Horvat die von Jonas Schelker immer wieder mit viel Tempo angetriebene Offensive seines Teams. Dass es nach einem 15:18 (35.) dann noch zum Wetzlarer Happy End reichte, war einem nervenstarken und (endlich) seine Shooterqualitäten zeigenden Vladan Lipovina zu verdanken. Außerdem, »dass wir«, so Horvat, »die Ruhe bewahrt haben«. Und »unserer Steigerung in der Defensive. Ich habe gefühlt 15 Minuten lang keinen Ball halten müssen«, stellte Till Klimpke nach nur acht Gegentreffern in Hälfte zwei fest.

Weniger glücklich dürfte der HSG-Torhüter knapp eine Stunde vor der freitäglichen Pokal-Auslosung gewesen sein. Denn Bundestrainer Alfred Gislason nominierte nicht - wie eigentlich erwartet und von Klimpke selbst inständig gehofft - den 24-jährigen Dutenhofener, sondern Joel Birlehm von den Rhein-Neckar Löwen als zweiten deutschen Nationalkeeper neben Andreas Wolff für die WM im Januar in Polen und Schweden. Auch nicht mit dabei ist der Hüttenberger Dominik Mappes vom VfL Gummersbach. Kurz vor Weihnachten blieb das mittelhessische Wunschkonzert so doppelt und dreifach aus.

Hrvoje Horvats Pläne für die kommenden Feiertage sind auch kein echter Traum von Ruhe und Besinnlichkeit. »Heiligabend Krafttraining und Taktik, Sonntag frei, Montag kurzes Anschwitzen in Dutenhofen und dann in den Bus nach Flensburg«, sagt der 45-Jährige, der das Fest bei und mit Freunden in Wetzlar sowie im »Zoom-Call« mit der in der Heimat weilenden Frau und seinen beiden Kindern verbringen wird. »Eine neue Erfahrung für mich«, sagte der HSG-Trainer am Freitag.

Auch interessant