1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Keine besinnlichen Feiertage

Erstellt:

Von: Alexander Fischer

Gießen. Nein, »besinnliche Feiertage« gehören nicht zum Sprachgebrauch von Branislav Ignjatovic, dem Trainer des Basketball-Zweitligisten Gießen 46ers. Von einer »beschaulichen Zeit« möchte der 56-Jährige nur im Falle eines Erfolgserlebnisses reden. Nur eines Erfolgserlebnisses trotz zweier Partien? »Wir sind in beiden Topspielen nicht automatisch der Favorit«, weiß »Frenki« sehr wohl, was die Stunde geschlagen hat.

An diesem Freitag (19.30 Uhr) beim Rangzweiten Tigers Tübingen und am Dienstag (19.30 Uhr) nach den Weihnachtsfeiertagen als Gastgeber für den Tabellensiebten Medipolis SC Jena wird sich weisen, in welche Richtung der Weg der Männerturner führt. Klar hin zu den so dringend benötigten Playoffs? Oder in jene Regionen der Tabelle, in denen sich noch mindestens ein Dutzend weiterer Teams Hoffnungen macht, im April zu den besten Acht gehören zu dürfen.

Tatsache ist: Nach sieben Siegen bei nur drei Patzern aus den ersten zehn Partien sind die 46ers zuletzt nach den allerdings hartumkämpften Niederlagen bei Spitzenreiter Rasta Vechta (89:96) und am Samstag in der Osthalle gegen die Uni Baskets Paderborn (99:102) bis auf Rang fünf durchgereicht worden.

Die Differenz zu einem möglichen ersten Heimrecht in der K.o.-Runde ist marginal, die zur Bedeutungslosigkeit aber auch. Deshalb: »In den kommenden beiden Matches wird sich zeigen, ob wir an unserer Grenze angekommen sind oder ob noch mehr geht«, fordert Ignjatovic »mindestens einen Sieg« aus jenen beiden Spielen gegen die Teams, die im Sommer das Ziel »Aufstieg« offen kommuniziert haben.

Zunächst sind die Gießener am Neckar gefordert, wo mit den Tigers Tübingen eine der stärksten Offensiv- und Defensivmannschaft der gesamten wartet. Trainer Daniel Jansson konnte die Truppe, die vergangenes Jahr Platz eins nach der Hauptrunde belegte, auf den sportlichen Aufstieg in die höchste Liga aber verzichtete, weitgehend zusammenhalten. Topscorer ist mit US-Boy Zach Seljaas (15 Punkte im Schnitt) jedoch ein Neuzugang. Der Forward, der aus Georgien in die Universitätsstadt 30 Kilometer südlich von Stuttgart kam, ist mit dafür verantwortlich, dass die »Wildkatzen« erst zwei Niederlagen kassiert haben. Tübingen ist sehr heimstark und arbeitet mannschaftsdienlich, was 275 Assists belegen.

Dies ist auch »Frenki« Ignjatovic nicht verborgen geblieben. »Die Tigers sind die Mannschaft, die mich bisher am meisten beeindruckt hat. Sie spielen einen echt schönen Basketball, bewegen das Leder schnell und verteidigen smart. Viele bezeichnen sie als das Klein-Alba des Unterhauses«, lacht der Serbe, wenn er an den Abend vor Weihnachten denkt. »Tübingen ist ein gutes Beispiel für Gießen, wie ein Club in ein, zwei Jahren nach dem Abstieg aufgestellt sein sollte. Kontinuität spielt dabei eine wichtige Rolle. Der Trainer ist in seiner dritten Saison am Werk. So formst du ein Team, das in allen Hallen begeistern kann.«

Ebenfalls eine Menge Qualität weist auch der kommende Heimgegner Medipolis SC Jena auf. Letztes Jahr knapp in den Playoffs an den Rostock Seawolves gescheitert, soll nun der große Coup gelingen. Um dieses Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, haben die Thüringer auf der Kommandobrücke reagiert, Cheftrainer Domenik Reinboth beurlaubt und durch den Litauer Marius Linartas, der bis dato die eigene U19 coachte, aber auch schon Auslandserfahrung aus China, Polen und Russland mitbrachte, ersetzt.

Topscorer in Jena ist der ehemalige Gießener Kapitän Brandon Thomas (14 Zähler im Schnitt). Der Shooting Guard weist gemeinsam mit dem aktuell verletzten Shaquille Hines, Big Man Stephan Haukohl und Carlton Guyton geballte Bundesliga-Erfahrung auf. Neben den Etablierten ist der erst 19-jährige serbische Spielmacher Vuk Radojicic nach der Verletzung von Storm Murphy noch mehr in den Mittelpunkt gerückt. Neben den beiden erwähnten Ausfällen gesellt sich mit Center Alexander James Herrera noch ein dritter Langzeitverletzter hinzu, so dass die Thüringer momentan personell gebeutelt sind.

»Wir hatten in der Pre-Season schon einmal eine Begegnung mit Jena, die wir knapp gewonnen hatten. Inzwischen hat sich auf beiden Seiten jedoch vieles geändert. Für uns geht es gegen Jena in erster Linie darum, deren gute Schützen in den Griff zu bekommen«, denkt »Frenki« Ignjatovic schon an das Duell zwischen den Jahren, besteigt aber erst einmal einen der drei Kleinbusse gen Baden-Württemberg. Nein, »besinnliche Feiertage« gehören nicht zum Sprachgebrauch des Serben.

Auch interessant