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»Keine Laufkundschaft«

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Von: Alexander Fischer

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Sie sind froh, die letzte Planstelle besetzt zu haben: 46ers-Trainer »Frenki« Ignjatovic (l.) und sein Assistent Nikola Stanic (r.) mit dem Montenegriner Igor Cvorovic. Foto: Fischer © Fischer

Gießen. Preisfrage: Was haben die Gießen 46ers und ihr letzter Neuzugang Igor Cvorovic gemeinsam? Die Antwort ist ebenso einleuchtend wie einfach: Sie betreten Neuland. Im Falle des Clubs von der Lahn die ProA, im Falle des 26-Jährigen deutschen Boden. Nach zwei sportlichen Abstiegen aus der Basketball-Bundesliga, von denen einer durch eine teure Wildcard noch einmal abgewendet werden konnte, beginnt für den Altmeister an diesem Samstag mit dem Gastspiel bei den Eisbären Bremerhaven (19 Uhr, Stadthalle) eine neue Zeitrechnung.

Eisbären Bremerhaven - Gießen 46ers (Heute, 19 Uhr)

Die der Mann aus Montenegro, der am Dienstabend nach gefühlt endlos langer Wartezeit infolge einer fehlenden Arbeitserlaubnis endlich von Podgorica kommend in Frankfurt gelandet ist, mit Leben erfüllen soll.

»Ich hoffe, ich kann ihn einsetzen«, ließ Neu-Trainer Branislav Ignjatovic den 2,06-Meter-Schlaks am Donnerstagvormittag beim Training in der Rivers-Sporthalle erst einmal in der zweiten Fünf auflaufen, da dessen Spielerpass noch fehlte. »Bis Samstag aber müssten die letzten Formalitäten abgeschlossen sein«, so der neue Hoffnungsträger auf der 46ers-Bank, der jedoch erst in zwei, drei Wochen von Cvorovic erwartet, einigermaßen integriert zu sein.

Bis zum ersten Duell im Unterhaus wird der Big Man, dessen Medical Check am Mittwoch fünf Stunden in Anspruch nahm, erst drei Einheiten mit seiner Truppe absolviert haben: Ignjatovic: »Wir sollten keine Wunderdinge von ihm erwarten. Wichtig war mir erst einmal, dass wir durch Igor zehn Leute im Training hatten, so dass wir vernünftige Spielzüge und taktische Varianten einüben konnten.« Der 2,06 Meter große Forward, der auch als Center einsetzbar ist, spielte zuletzt beim griechischen Zweitligisten Oiakas Napfliou. Er kam kurzfristig für Steffon Mitchell, der die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen konnte. Cvorovic verbrachte den größten Teil seiner bisherigen Karriere in seiner Heimatstadt bei KK Sutjeska Niksic. In Spanien, Saudi-Arabien und Serbien verbuchte er Auslandserfahrung, die er nun in Gießen einbringen möchte: »Ich werde mein Bestes geben, um dem Team zu helfen. Ich hoffe, dass ich mich mit den Fans zusammen über viele Siege freuen kann«, gab sich der Schlacks in seinem ersten zweiten Training ein wenig kleinlaut.

Mit den Eisbären wartet am Samstag ein Team auf die 46ers, das Ambitionen hat, in Liga eins zurückzukehren. »Das ist keine Laufkundschaft«, warnt »Frenki« Ignjatovic vor den Nordsee-Anrainern, die mit dem Slowaken Simon Krajcovic über einen Regisseur von internationaler Klasse verfügen. Matthew Freeman, Rückkehrer Adrian Breitlauch und Jarelle Reischel sind überdurchschnittlich gute Dreierschützen, die es laut des 46ers-Coaches zu kontrollieren gilt. »Wir dürfen sie nicht ins Rollen kommen lassen.«

Das ebenso wie Gießen neuformierte Eisbären-Team strich in der Vorbereitung vier Siege in sechs Partien ein und weilte zwischenzeitlich für ein Trainingslager in Dänemark. Zuletzt zeigte sich Matthew Frierson mit 25 Punkten beim 93:87-Erfolg gegen den niederländischen Erstligisten Aris Leeuwarden äußerst hungrig. Beständigster Akteur in der Pre-Season war aber Robert Oehle. Der Big Man mit 46ers-Vergangenheit lieferte in allen Partien zweistellige Werte ab und war auch unter dem Korb mit seinem 2,09 Metern äußerst präsent.

»Der Aufstieg ist für uns keine Pflicht, die Playoffs aber wollen wir schon erreichen«, formuliert Bremerhavens neuer Übungsleiter Steven Key ähnliche Ziele wie Branislav Ignjatovic. Der 54-Jährige, der in der Osthalle 2011 als Nachfolger von Vladi Bogojevic Cheftrainer war und danach vier Jahre lang Denis Wucherer assistierte, nutzte die Chance, sich nach dem Rauswurf seines Freundes in Würzburg eigenständig auf den Weg zu machen. »Ich hatte Lust, Cheftrainer zu sein. Dass es in Bremerhaven funktioniert hat, war klasse«, freut sich Steven Key, dessen Frau Janka und die Kinder Sidney (15) und Noah (11) weiterhin in Kirchgöns bei Butzbach leben. »Vier-, fünfmal im Monat sehen wir uns, das muss reichen«, hat der Kalifornier viel hinter sich gelassen, um in der ProA auf eigenen Füßen zu stehen. Ähnlich wie Igor Cvorovic bei den Gießen 46ers ...

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