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Keine Torhüter, kein Hessenderby

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Gießen. Am Freitagnachmittag, kurz vor 16 Uhr, trudelte die E-Mail von Jonas Ochs, seines Zeichens Verantwortlicher Spielbetrieb der Regionalliga Südwest-GbR, in der Redaktion ein. Inhalt: »Die Begegnung FC Gießen - FSV Frankfurt am morgigen Samstag wurde abgesetzt. Aufgrund von häuslicher Isolierung infolge positiver Corona-Befunde steht dem FSV Frankfurt nicht die nach § 14 der Spielordnung der Regionalliga Südwest notwendige Mindestanzahl an Torhütern zur Verfügung.

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So wie es den Ex-Zweitligisten aktuell erwischt, so war die Pandemie den Gießenern in der Vorwoche mächtig in die Parade gerauscht. Mehr als ein Dutzend positiver Fälle, darunter das gesamte vierköpfige Trainerteam, sorgten für die Absage der Partie beim VfB Stuttgart II am vergangenen Wochenende.

Und natürlich setzte sich die Problematik beim Abstiegskandidaten, der sich davor in ansprechender Form befunden und gegen Großaspach einen 3:1-Erfolg geholt hatte, weiter fort. Die Freitestungen dauerten bis zum Donnerstag und Freitag an, der FCG hätte bis auf die verletzten Takero Itoi (Muskelbündelriss), Ryunosuke Takehara (Bänderriss), Gianluca Lo Scrudato (Meniskus), Jabez Makanda (krank, kein Corona) und vier Covid-19-Ausfällen einen Kader von 17 Mann stellen können.

Für eine nicht geringe Anzahl von Spielern wäre es allerdings eben doch quasi ein Kaltstart gewesen. »Die Bedingungen in der Vorbereitung auf Frankfurt waren mehr als suboptimal«, erklärt Cimen, dessen Wortwahl wohl noch geschönt war. »Bescheiden« sei es im Training zugegangen, oft waren lediglich acht bis zwölf Feldspieler an der Kugel. Um die Übungseinheiten überhaupt halbwegs vernünftig gestalten zu können, wurde aus der Verbandsliga-Truppe beziehungsweise aus der U19 aufgefüllt. Und dennoch sagt der Coach: »Wir hätten trotzdem gerne gespielt. Ich vertraue den Jungs und bin von ihnen überzeugt.« Cimen hat dabei im Hinterkopf, dass mit der Verlegung des FSV-Matches drei Spiele unter der Woche vor seinem Team liegen, womöglich sogar direkt am Stück schon beginnend am Dienstag beim FC Homburg, anschließend in Stuttgart (13.4., bereits terminiert) und gegen Frankfurt (Termin noch nicht festgelegt, mit gewisser Wahrscheinlichkeit aber am 19./20. April, Cimen: »Davon gehe ich schwer aus. Das wird eine große Herausforderung.«

Immerhin kann das Trainerteam die Spieler, die sich bis dato freitesten konnten, nun in den bis Dienstag anstehenden Trainingseinheiten genauer unter die Lupe nehmen, wie sie auf die Belastungen reagieren.

Dass dieser Tage wieder jede Menge los ist beim FC Gießen und im Umfeld, liegt gleichwohl nicht ausschließlich an der Pandemie. Sondern überdies auch an den durch die Medien wabernden und von Daniyel Cimen inzwischen dementierten Gerüchten über seinen möglichen Wechsel zur Zweiten Mannschaft der Frankfurter Eintracht sowie den, von Notvorstand Turgay Schmidt bestätigten, immensen Zahlungsschwierigkeiten bei den Februar-Gehältern. Lässt sich da der Fokus beibehalten und an die zumeist guten Vorstellungen in diesem Kalenderjahr anknüpfen? »Was meine Person anbelangt, hatte ich keinerlei Kontakt mit der Eintracht. Mein Fokus liegt voll auf Gießen und bei den Jungs denke ich, dass sie das Ganze nicht tangieren wird. Und in puncto Gehälter haben wir schon in der Vergangenheit gezeigt, dass wir damit umgehen können. Wir konzentrieren uns auf das, was wir beeinflussen können. Das ist das Sportliche«, bezieht Gießens Trainer klar Stellung zu diesem Fragenkomplex.

Weiter geht es also am Dienstag bei den Homburgern, die übrigens am Mittwoch im Landespokal überraschend Drittligist 1. FC Saarbrücken mit 2:1 aus dem Wettbewerb warfen. In der Meisterschaft ist für den ehemaligen Bundesligisten als Sechster das Titelrennen kein Thema mehr, darunter litt die Motivation angesichts von elf Zählern aus fünf Spielen zuletzt allerdings anscheinend nicht.

Wie der FC Gießen sich dort nach dann zweieinhalb Wochen Zwangspause präsentieren wird, darf durchaus gespannt erwartet werden.

Mit sechs Toren ist er der treffsicherste Schütze in Reihen des FC Gießen. Die Rede ist vom offensiven Mittelfeldspieler Donny Bogicevic, der aktuell für Irritationen beim heimischen Regionalligisten sorgt. »Donnys Berater hat Christian Memmarbachi (Sportlicher Leiter beim FCG, Anm. d. Red.) informiert, dass er operiert werden müsse«, erklärt Coach Daniyel Cimen, der selbst keinen Kontakt zum Spieler direkt hatte, den Sachverhalt um den 20-Jährigen. Offenbar handelt es sich um eine Operation an der Hüfte, wo Bogicevic in der Vergangenheit Verletzungsprobleme hatte. Der Club drängte vor dem Eingriff auf eine Rücksprache mit dem eigenen Mannschaftsarzt Dr. Hauck und die Einsicht in die Unterlagen, was dem Vernehmen nach nicht geschehen ist. »Zufällig habe ich dann über einen anderen Spieler erfahren, dass er inzwischen operiert worden ist«, so Cimen weiter, der aus der Vergangenheit dafür bekannt ist, durchaus rigoros durchzugreifen, wenn Einzelne aus dem Gruppengefüge ausscheren. Über mögliche konkrete Sanktionen mochte er noch nicht sprechen, erklärte aber, »über die Art und Weise, wie das gelaufen ist, lässt sich sicher streiten. Es kann Konsequenzen geben, denn Donny fehlt unentschuldigt im Training. Letztlich war das ein Alleingang von ihm.« Stellt sich die berechtigte Frage, ob Bogicevic noch einmal für den FC Gießen auflaufen wird. Zum einen in dieser Saison verletzungsbedingt aller Voraussicht nach nicht mehr, zum anderen dürfte er mit seinen Leistungen auf sich aufmerksam gemacht haben, was für einen Weggang im Sommer spricht und auch ein Erklärungsansatz für die Operation zum jetzigen Zeitpunkt samt der Vorgehensweise sein könnte.

Thomas Suer

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