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Keine Zeit zum Grübeln

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Von: Nico Hartung

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Für Johannes Klein und den TV Hüttenberg kann es in Coburg nur besser werden. Foto: Röczey © Röczey

Hüttenberg. Irgendwie hat diese Szene genau zu diesem Abend gepasst. Der Konstanzer Lars Michelberger wusste nicht so recht, wohin mit dem Ball. Und angesichts des drohenden Zeitspiels, durfte der Halblinke auch keinen Pass mehr spielen. Die Nummer sieben der Gäste nahm sich ein Herz, tippte das Harzleder noch einmal und donnerte es anschließend kurzerhand und vor allem ansatzlos nanometergenau in den von ihm aus gesehen rechten Torwinkel - zum großen Jubel seiner Mitspieler.

Am Ende gewann die HSG Konstanz am Mittwochabend in der 2. Handball-Bundesliga beim TV Hüttenberg völlig verdient mit 28:26 (13:10).

HSC Coburg - TV Hüttenberg (Sonntag, 16 Uhr)

Michelbergers Treffer war das neunte Konstanzer Tor nach 24 Minuten. Eine wahrlich nicht berauschende Ausbeute. Da der TV Hüttenberg auf der Gegenseite zu diesem Zeitpunkt jedoch erst ganze fünf Mal getroffen hatte, bedeutete Michelbergers 9:5 einen bequemen Vorsprung kurz vor der Pause. »Wenn man so viel verschießt, dann muss man nicht lange drüber reden, woran es gelegen hat. Wir müssen die Bälle einfach am Torwart vorbeibringen«, wusste TVH-Kapitän Timm Schneider hinterher. Hauptverantwortlich für die magere Hüttenberger Torausbeute war der Mann zwischen den Konstanzer Pfosten: Leon Grabenstein brachte es am Ende auf 14 Paraden, davon mehr als die Hälfte in der ersten Halbzeit, sodass er phasenweise eine Traumquote von über 60 Prozent gehaltener Bälle aufwies.

»Ich übernehme die Verantwortung für diese Niederlage, das ist mein Job als Trainer. Wir werden ab morgen in die Analyse gehen, warum wir so ein Spiel abgeliefert haben. Jeder Einzelne muss sich jetzt hinterfragen«, machte TVH-Trainer Johannes Wohlrab hinterher keinen Hehl aus seiner Enttäuschung. Zuvor war das Heimspiel gegen den Aufsteiger vom Bodensee als »Muss-Spiel« deklariert worden, die Überraschung ob des selbstbewussten Konstanzer Auftretens war dementsprechend umso größer. »Ich muss sagen, ich bin immer noch etwas verwundert darüber, wie sich manche Dinge in wenigen Wochen ändern«, schmunzelte HSG-Coach Jörg Lützelberger. Erst vor wenigen Wochen hatte der 37-Jährige bei seiner Mannschaft das Überzahlspiel im Sieben-gegen-Sechs implementiert. Seitdem hat der Neuling in drei Partien fünf Punkte eingefahren.

Viel Zeit, um ihre Wunden zu lecken und sich über die Niederlagen den Kopf zu zerbrechen, haben die Hüttenberger - in diesem Fall wohl glücklicherweise - nicht. Bereits am Sonntag (Anwurf: 16 Uhr) wartet mit dem HSC Coburg der nächste Gradmesser auf die Wohlrab-Schützlinge, dann allerdings auswärts in der Huk-Coburg-Arena.

Hüttenberger Duelle gegen die Oberfranken sind seit Jahren etwas Besonderes. Begründet ist dies durch mehrere Personalien. Da ist zum einen Merlin Fuß, der im Sommer 2021 den Weg von seinem Ausbildungsverein TV Hüttenberg zum HSC gegangen ist, damals noch zusammen mit Dieudonné Mubenzem, den es jedoch mittlerweile zum Drittligisten EHV Aue gezogen hat. Schon deutlich früher, im Sommer 2014, wechselte der langjährige Hüttenberger Rechtsaußen Florian Billek in die Vestestadt, ebenso wie Erfolgstrainer Jan Gorr (beim TVH von 2007 bis 2012), der nach sieben Jahren auf der Coburger Bank mittlerweile zum HSC-Geschäftsführer aufgestiegen ist.

Angesichts der gegen Konstanz dargebotenen abermals schwachen Abschlussquote sollten es jedoch weniger die ehemaligen Weggefährten sein, vor denen sich das TVH-Ensemble in Acht nehmen sollte, sondern vielmehr ein Coburger Oldie. So war Torhüter Jan Kulhanek beim Coburger 29:24-Auswärtssieg in Dormagen am Mittwochabend der gefeierte Held seiner Mannschaft. Sage und schreibe 21 gegnerische Würfe parierte der 41-jährige tschechische Ex-Internationale, wodurch er dem Team von Trainer Brian Ankersen zum fünften Saisonsieg verhalf.

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