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»Klare Absprache getroffen«

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Von: Rolf Birkhölzer

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Wenn der Vater mit dem Sohne: Henrik (links) und Ingo Flechtner. Foto: PeB © PeB

Kimzenbach (bir). Dass Vater und Sohn zusammen bei einem Fußballverein gleichzeitig als Trainer und Spieler tätig sind, kommt in der Kickerszene selten vor und könnte problematisch sein, funktioniert aber bei der SG Kinzenbach momentan sehr gut. Vater Ingo Flechtner ist Co-Trainer beim Verbandsligisten aus dem Heuchelheimer Ortsteil, Sohn Henrik steht im Tor des aktuellen Tabellen-Vierzehnten.

Der 27 Jahre alte Lehramtsstudent kam über die Stationen SC Waldgirmes (Jugend), SG Kinzenbach, Eintracht Wetzlar, SG Waldsolms, TSG Leihgestern 2019 wieder zur SGK. Und der Vater war vor seinem Engagement bei der SG, wo der 57-jährige Beamte 2019 zunächst zusammen mit Oliver Dönges, den er zwischenzeitlich auch als Chefcoach vertrat, und jetzt seit Saisonbeginn mit Peter Bätzel trainiert, bei Eintracht Lollar und zuletzt vier Jahre beim SC Waldgirmes als Assistent tätig.

War es Zufall oder eine bewusste Entscheidung zur SG Kinzenbach zu gehen?

Henrik: Nachdem die Anfrage von Kinzenbach kam und ich die Möglichkeit bekommen habe, wieder zurückkehren zu können, habe ich mich sehr gefreut und bin gerne an die alte Wirkungsstätte gekommen. Schon damals habe ich mich sehr wohl in Kinzenbach gefühlt - genauso wie jetzt auch. Mir haben es einige Mitspieler gleichgetan, was man definitiv der Arbeit der Verantwortlichen des Vereins auf die Fahne schreiben darf.

Ingo: Es war eher Zufall - die SGK war auf der Suche nach einem Co-Trainer und man kam über Henrik auf mich. Henrik und ich haben uns dann zusammengesetzt und überlegt, ob das funktionieren könnte mit uns. Wir kennen uns immerhin seit mehr als 27 Jahren und ich war bis einschließlich C-Jugend sein Trainer. Danach war ich der Meinung, dass er mal einen anderen Trainer braucht. Ich habe mich dann komplett auf meine Vaterrolle zurückgezogen, also Fahrdienst und »stiller« Beobachter. Das war mir sehr wichtig, denn ich habe genügend Negativbeispiele von überehrgeizigen Eltern in meiner Zeit als Jugendtrainer erlebt.

Gab es bisher Probleme durch diese Vater-Sohn-Konstellation?

Henrik: Nein! Unser gutes Verhältnis zueinander lässt das grundlegend gar nicht erst zu. Zusätzlich von Vorteil ist sicherlich, dass ich Torwart bin, denn das Aufgabengebiet meines Vaters beinhaltet nicht die Arbeit mit uns Torhütern und generell ist mein erster Ansprechpartner immer der Torwarttrainer. Insofern kann jeder seinen Aufgaben nachgehen, ohne dass wir uns in die Quere kommen.

Ingo: Aus meiner Sicht auch nicht, wir haben eine ganz klare Vereinbarung getroffen, daran halte ich mich. Wir haben mit Fabian Grutza einen sehr guten Torwart-Trainer und darüber hinaus habe ich mit den Peter Bätzel und Fabi vereinbart, dass ich bei allen Entscheidungen bzgl. Torwartfragen außen vor bin. Das haben wir bewusst so entschieden, weil uns natürlich auch klar ist, dass diese Konstellation immer auch zu Diskussionen im Umfeld führen könnte. Darauf hat man nur wenig Einfluss und deshalb muss man dann das auch aushalten können. Henrik ist allein für seine Leistungen verantwortlich - das ist für ihn klar.

Wie kommt es, dass ihr auf einem Abstiegsplatz gelandet seid?

Ingo: Aus meiner Sicht gibt es da nicht nur einen Grund, sondern es ist vielschichtig. Wir hatten zum Saisonfinale und eigentlich auch über die gesamte abgelaufene Saison bereits personelle Probleme durch Krankheit und Verletzungen. Dazu noch der unselige Spielplan mit dem letzten Spieltag am 12. Juni. Dadurch blieb uns für die Sommerpause ein Zeitfenster von nur drei Wochen. Wir sind immer noch im Amateurbereich und da bekommen es die meisten Spieler eben nicht hin, ihren Urlaub genau in diesen Zeitschlitz zu legen. Wir daher bislang nur ein einziges Mal mit der gesamten Mannschaft trainieren, zudem auch nicht öfter mit derselben Besetzung auflaufen, sodass neue Varianten oder taktische Dinge nicht so einstudiert werden konnten, wie man sich das als Trainer vorstellt. Dazu kommt eine Anhäufung individueller Fehler im Spiel, an deren Abstellung wir seit einiger Zeit intensiv arbeiten. Der Ausfall wichtiger Spieler ist sicher auch ein Grund für die bisher bescheidene Ausbeute. Und wenn du erstmal in eine Negativspirale kommst, schlägt das Pendel dann auch häufig zu deinen Ungunsten aus. Wir haben zuletzt aber insgesamt etwas stabiler gestanden und uns verdient zwei Punkte erspielt. Das sollten wir auf jeden Fall als Maßstab für die kommenden Aufgaben sehen. Wir werden über kurz oder lang auch wieder rauskommen. Die Mannschaft hat Potential für Mehr, das müssen wir nur abrufen.

Henrik, fühlst Du Dich durch Deinen Vater im Training/Spiel gerecht behandelt oder ist er kritischer als bei deinen anderen Spielerkollegen?

Henrik: Am kritischsten bin wahrscheinlich ich selbst. Danach kommt aber sicherlich er, der sich natürlich wie jeder Vater über gute Leistungen seines Sohnes freut und auch ärgert, wenn ich keine gute Performance abliefere. Dadurch, dass sein Aufgabenbereich alles rund ums Torwartgeschäft exkludiert, fühle ich mich aber weder ungerecht behandelt, noch bevorzugt.

Du bist ja zusammen mit Nico Mohr für die Torwartposition in die Saison gestartet, jetzt bist Du Stammkeeper - wie fühlst Du Dich dabei?

Henrik: Der übliche Konkurrenzkampf aus der Vorbereitung wurde bei uns ausgedehnt, sodass mein Torwartkollege und ich die ersten zehn Pflichtspiele abwechselnd gespielt haben. Ich freue mich, dass sich die harte Arbeit der letzten Zeit ausgezahlt hat und ich derzeit die Nr. 1 im Tor bin. Allerdings bin ich keiner, der sich darauf ausruht, sondern genauso weitermacht und versucht, in jedem Training ein kleines Stückchen besser zu werden, damit ich meine Position behalte.

Ingo, behandeln Sie Ihren Sohn als Spieler kritischer oder freundlicher als seine Mitspieler?

Ingo: In der Jugend habe ich ihn sicher wesentlich strenger behandelt und er musste immer mehr leisten als vergleichsweise andere Spieler. Das war nicht richtig und auch nicht fair, aber da unterscheide ich mich wahrscheinlich nicht von anderen Vätern. Man wollte sich nicht sagen lassen, dass man seinen Sohn bevorzugt. Heute gibt es für mich eine einfache Gleichung - ich behandle alle Spieler so, wie ich möchte, dass mein Sohn von anderen behandelt wird. Damit fahre ich bisher gut und habe diesbezüglich auch nur positive Rückmeldung aus dem Kreis der Spieler bekommen.

Wie ist euer Tipp für das Spiel gegen Weyer?

Henrik: Die Mannschaft ist hungrig nach einem Sieg. Deshalb bleiben diese drei Punkte auch in Kinzenbach!

Ingo: Wir müssen gewinnen, wir wollen gewinnen und wir werden gewinnen - ich glaube an meine Mannschaft!

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