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Klassenerhalt? Es bleibt nur eine Restchance

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Einen hängenden Kopf nach einer bitteren Niederlage wieder hochzunehmen, kostet Kraft - insbesondere im Abstiegskampf. Wie viel Kraftreserven stecken noch im FC Gießen um Cheftrainer Daniyel Cimen? © Ben

Sechs Punkte Rückstand bei nur noch vier Spielen. Für den FC Gießen wird die Luft im Regionalliga-Abstiegskampf dünner. Insbesondere die Niederlage gegen den FSV Frankfurt wiegt schwer.

Gießen. Am Dienstag wurden Erinnerungen wach. An doch einige Spiele des FC Gießen in dessen junger Historie im Waldstadion, die vom ganzen Drum und Dran etwas vom »großen« Fußball hatten. Beispielsweise an rauschende Hessenpokal-Abende oder an ein Last-Minute-Remis gegen die Kickers Offenbach im November 2019 - immer vor einigen tausend Zuschauern. Gegen den FSV Frankfurt war davon zumindest wieder ein Stück weit zu bemerken - vor den 90 Minuten.

Herrliches Frühlingswetter, mit 850 Besuchern (nur zum Duell mit Offenbach kamen mehr in dieser Saison) auch endlich mal eine annehmbare Regionalliga-Kulisse, sogar ein Hauch von Stadionatmospähre entwickelte sich, was nicht zuletzt den knapp 70 Fans des Ex-Zweitligisten im Gästeblock zu verdanken war, die ihre Mannschaft über das gesamte Match lautstark unterstützten. Was der FCG allerdings nach dem Anpfiff eine satte Dreiviertelstunde bis zum 0:3-Pausenstand zeigte, das schrie förmlich danach, besser unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattzufinden. Zumindest musste so denken, wer es mit den Gießenern hielt. In dieser so wichtigen Partie im Kampf um den Klassenerhalt lieferte das Team von Trainer Daniyel Cimen eine Halbzeit lang eine unterirdische, völlig blutleere Vorstellung ab und ließ die vielzitierten Grundtugenden komplett vermissen.

Der 40-jährige Michael Fink hat in eineinhalb Jahrzehnten Profidasein alles erlebt, aber auch ihm war dieser Auftritt ein Rätsel. »Für mich ist das unerklärlich, ich nehme mich da auch nicht aus. Es war keine Leidenschaft zu spüren, kein Zweikampfverhalten da. Die Gegentreffer sind über außen gefallen, ein Querball - Tor. Ganz einfacher Fußball. Vorne hatten wir kein gutes Anlaufen, haben keine Zweikämpfe geführt. Und wir haben nicht eine Gelbe Karte bekommen. Wenn es nicht läuft, musst du auch mal versuchen, die Mannschaft zum Beispiel mit einem Foul zu wecken. Es waren keine Emotionen da, keine Aura vorhanden.«

»Jeder wusste, worum es geht«

Abgezeichnet habe sich das im Vorfeld nicht, so Fink weiter: »Wir haben uns heute extra ein bisschen früher getroffen, um die Bedeutung des Spiels zu unterstreichen, damit wir noch einige Dinge untereinander besprechen konnten. Jeder wusste, worum es geht.« Das wiederum war schließlich erst im zweiten Abschnitt zu erkennen, nur war es da zu spät und am Ende stand die bittere 1:3-Pleite.

Die Aussichten auf den Klassenerhalt sind bei sechs Zählern Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz und lediglich vier verbleibenden Spielen auf ein Minimum gesunken. Das weiß auch Michael Fink, der am Dienstag die undankbare Aufgabe hatte, über Argumente für dieses Wunder zu sprechen. »Jetzt haben wir mit dem SSV Ulm den Tabellenführer zu Gast. Da müssen wir alles reinhauen und so auftreten wie in der zweiten Halbzeit. Vielleicht gelingt uns ein Lucky Punch. Danach haben wir drei Partien, in denen wir punkten müssen, dann wird es eventuell wenigstens bis zum letzten Spieltag spannend bleiben.« Dass das nach Durchhalteparolen klingt, dafür kann Fink nichts - was hätte er sonst sagen sollen?

Abstieg kaum noch abzuwenden

Trainer Daniyel Cimen derweil umschiffte das Thema Restchancen: »Nach so einer Halbzeit wie der ersten brauchen wir gar nicht auf die Tabelle zu schauen. Es geht erst einmal darum, eine engagierte Leistung zu zeigen wie in der zweiten Halbzeit.« Sofern der kaum abwendbare Abstieg eintreten sollte, wird die Tabelle wie immer nicht lügen. Wer dann runter muss, den erwischt es verdientermaßen. Das ist dann bei allem sicher vorhandenen Verletzungspech und zahlreichen Matches, in denen die Gießener mithielten und knapp den Kürzeren zogen, auch eine Frage der Qualität und von Fehlern, die gemacht wurden.

Und beim FCG gewiss auch eine Frage danach, ob die wirtschaftlichen Bedingungen so waren und sind, dass unter diesen Voraussetzungen erfolgreicher Viertliga-Fußball gespielt werden kann. Für eine große Aufarbeitung - einschließlich zentraler Zukunftsfragen - ist der Zeitpunkt noch nicht gekommen, für die des Frankfurt-Spiels allerdings schon. Bezogen auf Samstag wird zu beobachten sein, welche Folgen diese gruselige erste Hälfte haben wird.

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