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Knipser, verzweifelt gesucht

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Aykut Öztürk wie immer mit viel Engagement, aber wie oft mit etwas Abschluss-Pech. © Ben

Gießen . »Das war doch ein 0:0 der besseren Sorte.« Als Gießens Trainer Daniyel Cimen nach dem Spiel am Samstag gegen den Bahlinger SC mit diesen Worten um seine Einschätzung der 90 Minuten gebeten wurde, musste er doch lachen. Denn die bewusst mit einem Augenzwinkern gewählte Gesprächseinleitung passte zwar wie die Faust aufs Auge, gehört aber freilich auch sofort mit fünf Euro ins Phrasenschwein bestraft.

So ist das mit den Fußball-Weisheiten, die oft alles andere als weise sind, aber doch sehr häufig ihre Berechtigung besitzen. Cimen wollte die ihm untergejubelte Analyse nicht ganz so stehen lassen, gab sich, wie im Übrigen auch Mittelstürmer Aykut Öztürk, ausgesprochen kritisch, was die erste Halbzeit anbelangte. Da habe man den Gästen zuviel Raum und Ballbesitz gewährt, habe die Räume nicht dicht genug gemacht und sei überhaupt zu passiv gewesen. Was wiederum darauf hindeutet, dass Daniyel Cimen in der Pause die richtigen Worte gefunden haben dürfte. Denn vom Anpfiff weg des sehr gut leitenden Schiedsrichters Greef waren es in den zweiten 45 Minuten die Platzherren, die die Initiative übernahmen und nun ihrerseits der Partie den Stempel aufdrückten. Und tatsächlich auch die eine oder andere Chance kreierten. Aber wieder mal nicht trafen.

Einen Freistoß von Donny Bogicevic parierte Bahlingens Keeper Geng, einen Drehschuss von Michael Fink ebenso, eine als Schuss gedachte Flanke von Fisher verpasste Öztürk und einmal wurde ein Fisher-Versuch noch geblockt.

Immerhin waren nun die Chancen da, war es doch zuvor augenfällig gewesen, dass bei guten Kontersituationen Gießen immer wieder die falsche Entscheidung traf. Oft wurde der letzte Pass nach rechts gespielt, wenn links die Bahn frei war, ein Schuss versucht, wenn die Flanke angemessen gewesen wäre oder das Abspiel gesucht, wenn der Distanzschuss Erfolg versprach. Es ist der rote Faden, der sich durch die Gießener Saison zieht, wie das Coronavirus durch die letzten beiden Jahre: Der letzte Ball, die letzte Entscheidung, der Abschluss - da fehlt es dem FC Gießen, der spielerisch und vor allem kämpferisch auch diesmal wieder durchaus zu überzeugen wusste.

Und so stimmt des Trainers Einschätzung, der Kader sei stark genug, um die Klasse zu halten. Aber nach wie vor wird ein Knipser verzweifelt gesucht. Aykut Öztürk, der sich in den Vorbereitungsspielen absolut treffsicher zeigte, ackerte und rackerte, legte den Ball mehrfach perfekt für die nachrückende Entourage auf, hatte aber in der gefährlichen Zone weder Zeit noch Raum, um abzuschließen. Ähnlich ging es dem agilen und blitzschnellen Denis Owusu, der sich immer wieder einer Bahlinger Überzahl gegenüber sah. Giuseppe Burgio, eigentlich der klassische Knipser, ist dauerangeschlagen, vielleicht kann Neuzugang Jabez Makanda weiterhelfen. Gegen Bahlingen reichte es zu einem ersten Kurzeinsatz.

Dass auch die Gäste das Toreschießen nicht erfunden haben, war das Glück für den FC Gießen vor der Pause, sodass das 0:0 zwar insegesamt gerecht erschien, aber aufgrund des Eindrucks in Hälfte zwei, Daniyel Cimen dazu verleitete, das Ergebnis »zähneknirschend« hinzunehmen.

Dass es im Übrigen nicht nur ein 0:0 der bessern Sorte war, sondern auch ein Resultat, auf das man fast hätte wetten können, offenbart der Blick auf die Tabelle: Denn mit 20 Treffern ist Gießen das abschlussschwächste Team, der Bahlinger SC (neben Pirmasens/21 und Schlusslicht Schott Mainz/22) bringt es aber auch nur auf 22 Tore. Und ist damit grandioser Siebter.

Ein Paradebeispiel also für Effizienz. Und genau die geht dem FC Gießen ab.

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