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Kollektive Erleichterung

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Von: Nico Hartung

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Abpfiff: Die Freude ist groß bei den Handballern des TV Hüttenberg, die mit dem Sieg über Hagen den vermaledeiten Heimfluch beenden. Foto: Bär © Bär

Hüttenberg. Als Johannes Wohlrab das Podium der Hüttenberger Bürgerstuben betrat, ging ein wohlwollender Regen aus Applaus, abgegeben von den Sponsoren und Förderern des TV Hüttenberg, auf den 36-Jährigen nieder. Wohlrab lächelte und bedankte sich anschließend auch verbal artig bei den Beifallspendern. In jenen Räumlichkeiten, in denen seit dem Ende der Corona-Beschränkungen die Pressekonferenzen des Handball-Zweitligisten stattfinden und in denen sich in den Vorwochen nach Spielschluss stets eine gedrückte und immer ratlosere Stimmung breit gemacht hatte, herrschte am späten Samstagabend Erleichterung, Lockerheit und Gelöstheit.

TV Hüttenberg - Eintracht Hagen 34:32

Mit 34:32 (15:13) hatte der TV Hüttenberg sein just zu Ende gegangenes Heimspiel gegen den VfL Eintracht Hagen gewonnen. Und damit endlich jenen Fluch gebrochen, der zuletzt in sechs Niederlagen in sieben Heimspielen gegipfelt war. »Es war unfassbar, welches Vertrauen und welchen Zusammenhalt ich und die Mannschaft in den letzten Wochen aus dem Vereinsumfeld erfahren haben. So konnten wir in Ruhe weiterarbeiten und haben es heute endlich geschafft, diesen Bock umzustoßen.« Sommerrückkehrer und Linksaußen Jannik Hofmann berichtete, dass »die Stimmung in der Kabine natürlich sehr erleichtert« gewesen sei und dass wir »uns von Anfang bis Ende brutal gepusht haben. Wir wollten das unbedingt schaffen und hatten einen überragenden Zusammenhalt.«

Dabei waren die Voraussetzungen für den ersten Hüttenberger Heimsieg nach über zwei Monaten alles andere als rosig. Mit Kapitän Timm Schneider, Vit Reichl (beide grippaler Infekt) sowie den beiden Langzeitverletzten Paul Kompenhans und Joel Ribeiro musste Wohlrab gleich auf vier wichtige Akteure verzichten - was den TVH-Coach jedoch nicht davon abhielt, mutige Entscheidungen zu treffen. So hatte Wohlrab seinen Schützlingen unter der Woche nicht nur einen trainingsfreien Mittwoch gestattet, auch an der Startsieben nahm er zwei Veränderungen vor. Im Tor begann Dominik Plaue, der den Hüttenbergern insbesondere in den ersten 20 Minuten mit wichtigen Paraden half. Und auf Rechtsaußen wirbelte Ryuga Fujita, der bei sieben Versuchen sechsmal traf.

Hinzu kam auch ein wenig das Glück des Tüchtigen: Hagens Rechtsaußen Pierre Busch musste bereits nach zehn Minuten mit einer Verletzung das Feld verlassen, gleiches galt für Schlussmann Tobias Mahncke, der sich bei einem eigentlich harmlosen Hüttenberger Wurf vermutlich den Zeigefinger der rechten Hand brach und in der Schlussviertelstunde ebenfalls von der Platte genommen werden musste. »Unser Matchplan war schon früh über den Haufen geworfen. Trotzdem gehen wir verdientermaßen als Verlierer nach Hause, weil wir insbesondere die rechte Hüttenberger Angriffsseite nie in den Griff bekommen haben«, analysierte Eintracht-Trainer Stefan Neff hinterher. Dort war nicht nur Fujita kaum zu bremsen, auch der fleißige Niklas Theiß brachte es von Halbrechts zu bärenstarken sieben Treffern. Die beiden Linkshänder erzielten gemeinsam die ersten vier Hüttenberger Treffer, denen Ian Weber nach elf Minuten die 5:4-Führung folgen ließ. Die Gastgeber bauten ihren Vorsprung gleich mehrfach auf drei Treffer aus, gingen dann jedoch mit einem 15:13-Pausenstand in die Halbzeitpause.

Nach dem Seitenwechsel verkürzten die Südwestfalen dann gleich mehrfach auf einen Treffer und es schien, als könnte es mit dem so ersehnten zweiten Heimsieg doch noch einmal eng werden. Doch die Hüttenberger Fans durften sich auf einen Routinier verlassen, mit dessen Einsatz wohl nur die Allerwenigsten gerechnet hatten: Co-Trainer Stefan Kneer sprang ob der Personalmisere in die Bresche, erzielte einen wichtigen Treffer zum 21:19 und stabilisierte die Abwehr, in der insbesondere Moritz Zörb Schwerstarbeit leistete und deshalb umso mehr überzeugte.

Und als dann abermals Theiß zweieinhalb Minuten vor dem Ende zum 32:28 traf, reifte langsam aber sicher die Gewissheit, dass es dieses Mal zum Heimerfolg der Gastgeber reichen würde, der nach dem Schlusspfiff in einer wilden Jubeltraube besungen und beklatscht wurde.

»Das war so wichtig und ich bin einfach superstolz auf die Mannschaft, dass diese Seifenblase jetzt endlich geplatzt ist. Gegen Dormagen brauchen wir genau dieselbe Einstellung, dann können wir auch das nächste Heimspiel gewinnen«, blickte Wohlrab bereits in die kommende Woche. Bei einem weiteren Erfolg im heimischen Sportzentrum dürfte ihm der nächste Beifall in den Bürgerstuben sicher sein.

TV Hüttenberg: Plaue, Grazioli (ab 50.) - Schwarz (1), Kirschner (2), Opitz, Theiß (7), Fujita (6), Weber (7/2), Zörb (4), Kneer (2), Hofmann, Klein, Jockel, Schreiber (3), Kuntscher (2).

Eintracht Hagen: Mahncke, Paske (ab 48.) - Norouzinezhad Gharelou (5), Pröhl (1), Schmidt (9/3), Renninger, Voss-Fels (3), Vorlicek (1), Gaubatz (8), Panisic, Stefan (1), Jukic, Richter, Busch (1).

Schiedsrichter: Matthias Klinke/Sebastian Klinke (Bordesholm) - Zuschauer: 862 - Zeitstrafen: Hüttenberg drei (Kneer, Klein, Schreiber), Hagen zwei (Pröhl, Voss-Fels) - Verworfene Siebenmeter: Schwarz (Hüttenberg) scheitert an Paske (58.).

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