1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

»Komme mir nicht wie ein Neuer vor«

Erstellt:

gispor_3008_hue_300822_4c
gispor_3008_hue_300822_4c © Red

Hüttenberg. Als Jannik Hofmann den Terminplan für die diesjährige Sommervorbereitung las, stolperte der 27-Jährige über jene Veranstaltung, auf der die Neuzugänge von Handball-Zweitligist TV Hüttenberg der heimischen Presse vorgestellt werden sollten. »Das musste ich zwei Mal lesen, bis mir dann schließlich bewusst geworden ist: Huch, da gehöre ich ja selbst auch dazu«, lacht der Linksaußen, der nach vier Spielzeiten bei den Eulen Ludwigshafen nun zu seinem Heimatverein zurückgekehrt ist.

Wie sehr der angehende Grundschullehrer bei seinem neuen und alten Arbeitgeber geschätzt wird, wird auch daran ersichtlich, dass Hofmann sogleich Teil des fünfköpfigen Mannschaftsrats geworden ist. Mit dieser Zeitung sprach der gebürtige Rechtenbacher unter anderem über das besondere Etwas, das den TVH ausmacht, und über das, was von ihm bei seiner Rückkehr erwartet wird.

Jannik, Sie hatten 2020 mit einer schweren Knieverletzung zu kämpfen: Unter anderem waren das vordere und hintere Kreuzband sowie das Außenband gerissen, Sie fielen monatelang aus. Wie geht es Ihrem Bein heute?

Ich hatte damals das Glück, das Vertrauen von den Eulen zu bekommen, die sogar während des Genesungsprozesses meinen Vertrag verlängert haben. Es hat dann zwar seine Zeit gedauert, aber schon die gesamte letzte Rückrunde habe ich nichts mehr gemerkt, dem Knie geht es gut. Trotzdem ist es schön zu wissen, mit unserem Reha-Trainer Peter Nagel einen echten Fachmann an der Seite zu haben.

Wo sind die Sommervorbereitungen härter: In Hüttenberg oder in Ludwigshafen?

Das ist ganz schwer zu sagen (lacht), weil die Abläufe ganz unterschiedlich sind. Man hat in diesem Sommer gemerkt, dass eine lange Saison mit coronabedingten Ausfällen hinter uns liegt. Deswegen hat es von Jo (Trainer Johannes Wohlrab, Anm. d. Red.) einen Lauf- und Athletikplan für die Off-Season gegeben, an den sich zuhause oder im Urlaub scheinbar alle gut gehalten haben (lacht). Denn wir haben keine separaten Laufeinheiten mehr gemacht, sondern sind direkt handballerisch und mit Ball eingestiegen. Das macht auch deutlich mehr Spaß als Runden auf der Laufbahn zu drehen.

Abgesehen von der Intensität der Vorbereitung - was unterscheidet den TV Hüttenberg von anderen Clubs im Profi-Handball?

Ich bin selbst noch ein bisschen dabei, das herauszufinden, obwohl ich schon viele Jahre beim TVH auf dem Buckel habe. Bei den Eulen in Ludwigshafen war alles sehr professionell aufgestellt, trotzdem hat es sich familiär angefühlt. Das ist in Hüttenberg aber noch einmal mehr der Fall, hier ist alles noch nahbarer. Bei den Eulen waren es 14 Jungs aus ganz Deutschland, die auf dem Gehaltszettel standen. Hier in Hüttenberg hast Du fast nur Spieler aus der Region oder zumindest aus Hessen, die einfach stolz darauf sind, in der 1. Männermannschaft spielen zu dürfen. Da bringt jeder wahnsinnig viel Herzblut ein, jeder brennt für seine Aufgabe.

Christian Rompf, ihr Vorgänger auf der Linksaußen-Position, mit dem Sie vor Ihrem Wechsel nach Ludwigshafen bereits zusammengespielt haben, hat seine Schuhe im Sommer an den Nagel gehängt. Große Fußstapfen, in die Sie da treten

Als ich 2018 nach zwei Jahren, die ich mit Christian gemeinsam gespielt habe, zu den Eulen gewechselt bin, hat er mir im Spaß mitgeteilt, dass er damit nicht einverstanden ist. Denn ich hätte erst zwei Lehrjahre unter seiner Ägide gespielt, deshalb müsse ich schnell wiederkommen, um mein drittes Ausbildungsjahr abzuschließen (lacht). Aber ehrlich gesagt mache ich mir ziemlich wenig aus Fußstapfen, ich bin da kein Fan von. Man muss einfach ganz klar honorieren, was Christian für diesen Verein geleistet hat - und das ist wirklich eine ganze Menge - dann jedoch eigene Wege gehen.

Sie sind ein »Neuzugang«, von dem aufgrund seiner Erstliga-Erfahrung sicherlich mehr verlangt und erwartet wird, als dies bei anderen Sommertransfers der Fall ist

Natürlich bin ich ein Neuer, komme mir aber oft gar nicht so vor. Und gleichzeitig gibt es wirklich viel Neues, was ich aufnehme und was ich auch sehr bewundere. Der Verein hat sich in diesen vier Jahren, die ich nun weg war, stark verändert, gerade auch was die mediale Außendarstellung angeht. Aber na klar, durch meine Jahre in der Bundesliga und durch den extrem jungen Altersschnitt, den wir haben, liegt auf der Hand, was von mir erwartet wird. Die Leistungen auf der Platte stehen im Vordergrund, aber es wird auch darauf ankommen, neben dem Feld voranzugehen.

Warum gerade jetzt die Rückkehr zum TV Hüttenberg? Ihr Studium für das Grundschullehramt an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg dauert schließlich noch ein Semester

So etwas beginnt ja immer mit der Anfrage eines Vereins. Die kam seitens des TVH, als Rompe gesagt hat, dass er aufhören wird. Dann spricht man so etwas mit Frau und Familie ab und schaut, ob sich das auch mit der Uni vereinbaren lässt. Ich mache aktuell viel online, für ein paar Dings muss ich manchmal nach Heidelberg, aber das ist machbar. Da wir im November Nachwuchs erwarten, ist die Heimkehr nach Hüttenberg natürlich noch einmal umso mehr vergoldet.

Was sind die Ziele mit dem TVH in dieser Saison?

Man darf auf gar keinen Fall erwarten, dass die letzte Saison wiederholbar ist. Die war einfach sensationell. Wenn man sich anschaut, dass Aue jetzt abgestiegen ist, in der Vorsaison aber noch Fünfter war, ist doch alles gesagt. Wir müssen demütig sein und Geduld mit dem jungen Kader haben. Das Ziel ist ganz klar, schnellstmöglich 35 Punkte zu holen und mit dem Abstiegskampf nach Möglichkeit nie etwas zu tun zu haben

gispor_3008_tvh_300822_4c
gispor_3008_tvh_300822_4c © Red
gispor_2908_jen_300822_4c_2
Hoffnungsträger des TV Hüttenberg: Außenspieler Jannik Hofmann. Foto: Roeczey © Roeczey

Auch interessant