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Kommt es zur Trennung?

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Frankfurt. Der Skandal um Martin Hinteregger hat hohe Wellen geschlagen. Auch wenn der Profi von Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt die Zusammenarbeit mit dem Rechtspopulisten Heinrich Sickl in Zusammenhang mit seinem für nächste Woche geplanten Turnier um den »Hinti-Cup« in seiner Heimat Sirnitz in Kärnten beendet hat, ist der Fall noch längst nicht ausgestanden.

Dass der 29-Jährige, Vertrag bis 2024, eine Zukunft bei der Eintracht haben wird, ist eher unwahrscheinlich. Wie tief das Zerwürfnis zwischen Arbeitgeber und dem spielenden Angestellten ist, zeigt die Tatsache, dass die Eintracht in ihrer grundsätzlich versöhnlichen offiziellen Stellungnahme explizit darauf hingewiesen hat, dass Hinteregger am Donnerstag nicht für ein persönliches Gespräch erreichbar war. Das hatte sich bis Freitagmittag nicht geändert.

Bröckelt der Kultstatus?

Hintereggers offensichtliche Weigerung, mit Sportvorstand Markus Krösche zu sprechen und es lediglich Telefonate mit seinem Berater Christian Sand - der in Frankfurt auch nicht gerade wohlgelitten ist - gab, lässt tief blicken. Ob Hinteregger mit einigen zumindest unprofessionellen Aktionen seinen Abgang provozieren will, ist offen. Bislang hat er dies stets vehement anders dargestellt und voller Inbrunst erzählt, er wolle unbedingt bei der Eintracht bleiben. Die Fans lieben ihn nicht nur dafür, besser, sie haben ihn dafür geliebt. Ein Interview, in dem er der Eintracht-Führung Vorwürfe gemacht hat (»Da ist einiges zerbrochen«), seine Ausschweifungen rund um den Europapokal-Sieg mit der goldenen Medaille im Bierglas und seinen unsteten Lebenswandel - das alles haben sie ihm verziehen. Hinteregger war »Kult« in Frankfurt, selbst seriöse Journalisten sind ihm mit einem Lied wie »Hinti-Army« im wahrsten Sinne des Wortes hinterhergelaufen.

Hinteregger gilt oder galt bei den Fans als »einer von uns«. Auch deshalb wollten einige hundert zum »Hinti-Cup« nach Österreich fahren. Doch nun, nach der Zusammenarbeit mit dem Rechtspopulisten Zickl, bröckelt auch diese Liebe und Verehrung. Nicht wenige fordern gerade in den Eintracht-Internet-Foren, dass Hinteregger nicht mehr für die SGE spielen dürfe.

Der Klub hat zunächst einmal »ernste Gespräche« mit Hinteregger angekündigt. Offizielle Aussagen über das Ziel dieser Gespräche gibt es nicht. Doch es darf getrost davon ausgegangen werden, dass die Eintracht eine Trennung vom österreichischen Abwehrspieler anstrebt. Da wird letztlich auch Trainer Oliver Glasner nichts daran ändern, der große Stücke auf Hintereggers sportliche Fähigkeiten hält. Wie sehr der Marktwert des Spielers durch die Irritationen der letzten Tage und Wochen gesunken ist, bleibt abzuwarten. Genau wie die Beantwortung der Frage, ob es für Hinteregger überhaupt noch einen Markt gibt.

Krösche will schnelle Lösung

Welcher Klub wäre bereit, eine Ablösesumme in Millionenhöhe zu bezahlen? Und womöglich spielt er auch mit dem Gedanken, von sich aus seine Karriere zu beenden. Nicht wenige in Frankfurt trauen ihm das zu.

Das Verhältnis von Eintracht Frankfurt zu Hinteregger und umgekehrt hat in den vergangenen Wochen massiven Schaden genommen. Die Klubführung ist zunehmend genervt von den Querschüssen. Innerhalb der Mannschaft hat Hinteregger viel Kredit verspielt. Am 27. Juni ist Trainingsauftakt in Frankfurt. Bis dahin will Sportchef Krösche das Problem gelöst haben. Hinteregger wird sich bei vielen Menschen, die ihm in den letzten Jahren vertraut und über manchen Fehler hinweggeschaut haben, entschuldigen müssen. Beim ganzen Verein, bei seinen Mitspielern, auch bei den Fans. Das ist seine letzte Chance. Eine sehr kleine.

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