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Kompletter Preis-Irrsinn in Sevilla

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Auf die Fans der Eintracht warten beim Endspiel wahre Horrorpreise. © dpa

Frankfurt (pep). Noch neun Tage, dann spielt die Frankfurter Eintracht in Sevilla gegen die Glasgow Rangers um den Sieg in der Europa-League und die Teilnahme an der Champions-League in der kommenden Saison. Und alle wollen am Mittwoch, 18. Mai, dabei sein.

Wie schon in Barcelona, als 30 000 Fans die Mannschaft begleitet haben, würden am liebsten genauso viele nun auch nach Sevilla fahren oder fliegen. Doch der Endspielort, sowohl die Stadt als auch das Stadion, sind nicht bereit für eine Fan-Invasion. Der europäische Fußball-Verband hat sicher vieles bedacht vor diesem Endspiel, aber an die Fans beider Mannschaften haben sie in der UEFA-Zentrale in Nyon keine Sekunde gedacht.

Das Desaster beginnt mit der geringen Ticketanzahl, die beiden Vereinen zur Verfügung steht. Die Eintracht wird wie die Rangers 10 000 Karten erhalten. Das Stadion »Ramon Sanchez Pizjuan«, Heimat des FC Sevilla, fasst nur 40 000 Zuschauer. Kurios: In Sevilla gibt es zwei weitere Stadien, die jeweils um rund ein Drittel größer sind. Das Olympiastadion in der andalusischen Metropole fasst 57 000 Zuschauer, das Stadion von Betis 60 000. Aber die UEFA hat das kleinste Stadion ausgewählt.

Dankeschön

Ein Dankeschön an den FC Sevilla, der ähnlich wie die Eintracht die Europa-League »lebt« und den Titel bereits sechsmal gewonnen hat. Eigentlich sollte das Endspiel schon vor einem Jahr dort stattfinden, wegen Corona wurde es damals aber nach Danzig verlegt.

Wer trotz aller Knappheit dennoch eine Karte ergattert hat oder noch ergattern wird, steht vor noch weit größeren Problemen. Denn die Fluggesellschaften, die die Fans nach Sevilla bringen sollen, und die Hotels in der Stadt haben das große Geschäft gewittert und gnadenlos zugeschlagen. »Es ist wirklich unglaublich, wie sich die Hotelpreise entwickelt haben, das ist ein absoluter Missbrauch«, hatte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin schon 2018 vor dem Champions-League-Finale in Kiew zwischen Real und Liverpool gewettert, die Flugpreise hatte er damals schon als »Fantasiepreise« gegeißelt.

Geändert aber hat sich nichts. Abgesehen davon, dass es aus Frankfurt keine Direktflüge nach Sevilla gibt, sind inzwischen die Preise auch für viele andere Strecken über Madrid, Mallorca, Faro oder sonstwo nach Sevilla nach oben geschnellt. Schlimmer noch: Die Hotelpreise haben pervers astronomische Höhen erreicht. In der Nacht des Endspiels, vom 18. bis zum 19. Mai, kostet ein Bett in einem Schlafsaal eines Ein-Sterne-Hostels, also einer besseren Absteige, über 600 Euro. Zimmer in Vier-Sterne Hotels werden mit mehr als 1500 angeboten, wenn überhaupt. Das ist nicht nur fanfeindlich, es ist schlicht eine skandalöse Abzocke.

Die Vereine stehen dem Treiben machtlos gegenüber. Gerade weil die UEFA viele Hotels in der Stadt für die Mannschaften und alle möglichen Vip-Kunden geblockt hat, sind die Preise in die Höhe geschossen. Fürs normale Publikum bleibt schlicht nicht mehr viel übrig. Die Fan- und Förderabteilung der Eintracht hat ein Flugzeug gechartert und muss für den Flug inklusive zwei Übernachtungen im Einzelzimmer zwischen 2100 und 2500 Euro aufrufen. Zum Vergleich: Zu diesem Preis könnten zwei Personen einen zweiwöchigen Urlaub in Sevilla verbringen - wenn dort nicht gerade ein europäisches Fußballfinale gespielt wird.

Kleiner Trost und große Ausweichmöglichkeit für alle Eintracht-Fans: Die Eintracht und ihr Partner »FFH« zeigen das Finale in der Arena im Rahmen eines »Public viewing«. Die Eintrittspreise sind moderat: 10 Euro auf allen Plätzen im Innenraum und den Tribünen, 100 Euro auf den Business-Seats im VIP-Bereich.

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