Kritische Stimme begleiten Fußball-Trainings(re-)start

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GIESSEN - (rd). Seit Wochen haben der Deutsche Fußball-Bund und der Hessische Fußball-Verband darauf gedrängt, den Trainingsbetrieb für Kinder und Jugendliche wieder zu öffnen. Bewegung unter freiem Himmel in immer gleichen Gruppen stellt nach vielen Untersuchungen kein erhöhtes Risiko dar. Vorteil der jetzigen Öffnung ist zudem, dass die Vereine ihre Hausaufgaben schon gemacht haben, die Hygienekonzepte haben bereits im vergangenen Jahr gegriffen.

Und dass neben den gesundheitlichen Risiken, die Corona mit sich bringt, eben auch noch andere nicht zu unterschätzende gesundheitliche Gefahren vorhanden sind, die - weil es um Kinder und Jugendliche geht - nicht als zu vernachlässigende Kollateralschäden durchgehen dürfen, auch das ist weithin untersucht. Bewegungsmangel, Einschränkung der sozialen Kontakte führen zu Übergewicht, körperlichen und kognitiven Malaisen, psychischen Erkrankungen.

So war der Jubel groß bei den Vereinen, dass die Politik einen Stufenplan zur Wiederöffnung für den Trainingsbetrieb vorlegte, der seit dem 8. März das Training erlaubt. Mit klaren Anweisungen. Beim Betreten und Verlassen des Geländes muss Abstand gehalten und Masken getragen werden. Die Übungsleiter sollen darauf achten, dass die Spieler nicht in langen Schlangen beim Torschuss anstehen oder Partner-Übungen mit intensivem Kontakt machen. Umkleidekabinen und Duschen bleiben geschlossen.

All das aber haben - jeder weiß das, der im vergangenen Jahr an der ersten Umsetzung beteiligt war - nicht nur die Kids mittlerweile in ihrer DNA. Auch die Trainer haben entsprechende Erfahrungen gesammelt. Im Vereinsumfeld jedenfalls sind die Kinder unter Beobachtung von Übungsleitern, die ein Interesse daran haben, dass es funktioniert, damit es weitergehen kann. Auf dieser Basis haben viele Vereine bereits den Trainingsbetrieb anlaufen lassen.

Aber es gibt auch kritische Stimmen. So zeigt sich Michael Delli-Castelli, 2. Vorsitzender des FC Schöffengrund, in einem Interview mit der "Wetzlarer Neuen Zeitung" irritiert, denn er ist der Meinung, dass die "Inzidenzen des Lahn-Dill-Kreises noch keinen Trainingsbetrieb zulassen." Die Irritationen des 43-Jährigen rühren auch daher, dass die landesweiten Inzidenzen als Maßstab genommen werden, nicht jene des jeweiligen Kreises. Das ist tatsächlich ein schwer vermittelbarer Aspekt der Öffnung, es sei denn, man glaubt den Studien, dass Fußball im Freien so gut wie kein Risiko darstelle. Delli-Castelli bemängelt aber auch, es gäbe "keinen durch die Politik abgestimmten Stufenplan". Das ist allerdings nicht korrekt, denn die Öffnungsschritte für den Amateurfußball sind klar kommuniziert, das stufenweise Vorgehen ist zudem hinterlegt in dem DFB-Leitfaden "Zurück auf den Platz", der allen Vereinen über das Online-Portal zur Verfügung steht. Dass der Schöffengrunder daraus schließt, "ein durchdachtes Konzept sieht anders aus", ist nicht nachzuvollziehen, denn neben den klaren Ausarbeitungen hat jeder Verein bereits im vergangenen Jahr Hygienekonzepte vorlegen müssen, um wieder einsteigen zu können. Sie müssen nebst den aktuellen Ergänzungen nur wiederbelebt werden.

Zur Frage, ob er sich durch die Öffnung des Trainingsbetriebs von anderen Vereinen unter Druck gesetzt fühle, sagt er: "Ich hätte mir zumindest eine gemeinsame Strategie gewünscht. Untereinander gab es weder eine Kommunikation noch eine klare Linie. Das war beim ersten Lockdown noch anders, damals hat der HFV alles vorgegeben, jetzt leider nicht."

Kann man so sehen, muss man aber nicht. Denn der HFV gibt Hilfestellung, wenn man sie braucht, viele Erfahrungen sind aber schon vorhanden. Warum also nicht Vertrauen in die Vereine und Ehrenamtlichen setzen? Im Übrigen wird keiner gezwungen, das Spiel mitzumachen. Wer unsicher ist, wird nicht gezwungen, zu trainieren. Das ist jedem unbenommen. Und man kann auch verstehen, wenn Verantwortliche wie Michael Delli-Castelli zu einer anderen Entscheidung kommen. Kritik am Verband ist aber in diesem Fall fehl am Platz.

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