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Kurze Nacht, schnelle Analyse

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Wetzlar (vsch). Als Ben Matschke am Freitag um die Mittagszeit an sein Handy geht, wirkt der Trainer der HSG Wetzlar trotz einer kurzen Nacht ziemlich ausgeschlafen. »Es ist so viel von unserem Plan aufgegangen. Aber alleine 21 Mal an Niklas Landin zu scheitern, sagt alles über dieses Spiel aus. Kiel ist also schnell analysiert«, erklärt der 39-Jährige mit klaren Worten des Rückblicks die erste Partie der Grün-Weißen nach 18 Tagen Wettkampfpause in der Handball-Bundesliga.

TSV Hannover - HSG Wetzlar (So., 16.05 Uhr)

24:27 beim Turnverein Hassee-Winterbek (kurz THW), beim deutschen Rekordmeister, Champions-League-Viertelfinalisten und frischgebackenen Pokalsieger - das hört sich auf den ersten Blick aus Wetzlarer Sicht eigentlich auch gut an. Doch der Gast von der Lahn ließ an der Förde eine echte Chance auf Zählbares nach drei Niederlagen zuvor in Serie liegen. Vor allem, weil die Mannschaft um den lange nach dem richtigen Angriffs-Drehbuch suchenden Regisseur Magnus Fredriksen zahlreiche Möglichkeiten liegen ließ. »Wir wollten von Beginn an vermehrt über die Außen zum Abschluss kommen. Das ist uns gelungen, aber die Jungs haben ihre Würfe nicht verwandelt«, stellte Matschke sowohl Domen Novak als auch Emil Mellegard kein gutes offensives Zeugnis aus.

An vorderster Stelle der an Landin und wohl auch an den eigenen Nerven gescheiterten HSG-Profis muss jedoch Lenny Rubin genannt werden. Der Schweizer, bislang in dieser Saison einer der besten Feldtorschützen des Oberhauses, kam nach überstandener Magen-Darm-Grippe erst Mitte des ersten Abschnitts für Olle Forsell Schefvert in den linken Rückraum. Danach versuchte es der 26-Jährige aus allen Lagen insgesamt elf Mal, um elf Mal krachend am THW-Zerberus, Pfosten, Latte oder an sonstwas zu scheitern. »Ob Sie es glauben oder nicht: Nach null von drei oder null von vier habe ich zu Lenny gesagt: ›Probier es weiter. Das ist ein Superspiel für Dich, um daraus zu lernen.‹ Für mich war wichtig, zu sehen, dass er weiter den Mut hat, abzuziehen. Und ich bin mir sicher: Am Sonntag wird er es besser machen«, vertraut Matschke weiter auf den Eidgenossen.

Die - von nicht immer souverän pfeifenden Schiedsrichter verteilten - Roten Karten für Adam Nyfjäll und Felix Danner taten ihr Übriges dazu, dass es beim 10:18 nicht nur bei der Besetzung am Kreis, sondern auch ergebnistechnisch düster aussah. Doch alles in allem »habe ich viel Gutes gesehen. Dieses Gefühl sollten wir jetzt mit ins nächste Spiel nehmen«, so der HSG-Trainer, der sich auch über die Leistungssteigerung eines Stefan Cavor freuen durfte.

Hinspiel keine Blaupause

Das nächste Punktspiel steigt bereits am Sonntag bei der TSV Hannover-Burgdorf. Hannover-Burgdorf? Da war doch was, könnte man in Anlehnung an einen Homepage-Eintrag der »Recken« vor dem Duell mit Wetzlar sagen. Richtig: Ende September gingen die Niedersachsen im Vorrundenspiel an der Lahn mit sage und schreibe 16:38 unter. »Das Ergebnis spiegelt nicht das allgemeine Leistungsvermögen der Mannschaft wider«, wird Sven-Sören Christophersen (selbst früher im Trikot der HSG unterwegs) zitiert. »Wir haben noch etwas gutzumachen. Wetzlar ist keinesfalls unschlagbar für uns«, weiß der TSV-Sportchef.

»Ach, ja, das Hinspiel. So etwas kommt vielleicht alle fünf, sechs Jahre mal vor. Ich bin mir sicher, dass diese 60 Minuten noch in den Köpfen unseres Gegners und meines Kollegen Christian Prokop drin sind. Aber vor allem, um auf Revanche aus zu sein«, ist der Kantersieg von Wetzlar auch für Ben Matschke keine echte Blaupause für die neuerliche Begegnung nun in der ZAG-Arena. Zumal die Turn- und Sportvereinigung in den vergangenen Wochen mit guten Resultaten aufgewartet hat. Der Heimsieg gegen Stuttgart Ende März war der Anfang, das überraschende Remis in Berlin und der knappe Triumph zu Hause gegen Hamburg die Fortsetzung für das, was den Mannen um den quirligen Rechtsaußen Johan Hansen und den zuletzt starken Filip Kuzmanovski im Abstiegskampf am wichtigsten ist. Aus dem wollen sich die Hannoveraner schnell verabschieden.

Punkten, das wollen aber auch die Sonntag-Gäste endlich wieder einmal. »Das ist unser oberstes Ziel, nachdem wir uns ja in der langen Spielpause neue Ziele gesteckt haben. Dass wir in Kiel zur Halbzeit zurückliegen würden, habe ich vermutet. Jetzt aber sind wir wieder im Wettkampfmodus drin. Ich erwarte in Hannover eine eigene Mannschaft, die das umsetzt, was wir uns im Training erarbeiten«, will Ben Matschke den Bock nach 1:9 Punkten umstoßen. Dabei helfen sollen auch die Fans, die einen Extrabus gechartert haben, um vor Ort mit dabei zu sein. »Das ist eine tolle Sache«, zeigte der ausgeschlafene Wetzlarer Trainer schon am Freitagmittag eine gewisse Vorfreude auf die nächste Reise gen Norden.

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