1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Kurze Nächte für die erhoffte Trendwende

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Nico Hartung

Hüttenberg. Die Nacht von Johannes Wohlrab war kurz. Und entsprechend arbeitsreich. »Ich bin mit der Videoanalyse zur Vorbereitung auf das Bietigheim-Spiel schon durch«, erklärte der Trainer von Handball-Zweitligist TV Hüttenberg am Donnerstagmorgen um kurz nach 8 Uhr mit wacher und fester Stimme. Erst knapp zehneinhalb Stunden zuvor am späten Mittwochabend war die Auswärtspartie beim ThSV Eisenach aus Hüttenberger Sicht mit 29:

36 (14:16) verloren gegangen. Doch diese Pleite, die vierte aus den letzten sechs Spielen, schien zumindest vom Coach der Blau-Weiß-Roten bereits abgehakt zu sein. »Wir spielen gegen Bietigheim zuhause vor unseren eigenen Fans. Wir werden gut vorbereitet in diese Partie gehen, das ist jetzt das Entscheidende«, sagt Wohlrab mit Blick auf das Duell am Samstagabend.

TV Hüttenberg - Bietigheim (Sa., 19.30 Uhr)

Wenn die Gäste von der Enz ihre Visitenkarte im Hüttenberger Sportzentrum abgeben, dann absolvieren beide Teams ihre dritte Partie innerhalb von sieben Tagen. Während die Hüttenberger dabei sowohl am vergangenen Wochenende gegen den VfL Gummersbach (27:30) als auch am Mittwoch in Eisenach den Kürzeren zogen, tankte Bietigheim Selbstvertrauen in seinen beiden Begegnungen: In Aue (29:27) und gegen Spitzenteam Nordhorn-Lingen (30:23) gab es zwei Siege, die das Team von Trainer Iker Romero auf Platz acht vorrücken ließen. Der Rückstand zum Rangfünften Hüttenberg beträgt bei jeweils 25 ausgetragenen Spielen nur noch einen Zähler. »Wir machen zurzeit viel richtig, aber wir haben leider nicht die Zeit, diese Erfolge jetzt zu genießen«, erklärte Romero direkt im Anschluss an die siegreiche Nordhorn-Begegnung. Seine Schützlinge zogen dem Tabellenzweiten bereits im ersten Abschnitt den Zahn und führten zur Pause mit 17:10. »Das zeigt einmal mehr, wie ausgeglichen diese Liga ist. Wir müssen zusehen, dass wir Sven Wesseling und Dominik Claus auf den Rückraumpositionen in ihren Kreuzbewegungen stoppen. Mit Juan de la Pena haben sie einen Spielgestalter, der Romeros Ideen umzusetzen weiß. Und auf Rechtsaußen wartet mit Christian Schäfer ein ganz erfahrener Mann mit starker Trefferquote auf uns«, weiß Wohlrab, der voraussichtlich abermals auf Hendrik Schreiber verzichten muss.

Dessen »Kopf-durch-die-Wand«-Mentalität und Zug zum Tor wurden in Eisenach schmerzlich vermisst. Der Hüttenberger Angriff fand über die gesamte Spielzeit nicht zu gewohnter Raffinesse, die Durchschlagskraft und die Präzision fehlten zu häufig. Allein im ersten Abschnitt (14:16) kassierte das »Original aus Mittelhessen« vier »Empty-Net-Goals«, resultierend zumeist aus unvorbereiteten oder ungenauen Abschlüssen.

Bis zwanzig Minuten vor dem Ende durften die Gästefans auf eine Wende hoffen, danach gingen den Hüttenbergern, die drei Tage zuvor im Spitzenspiel gegen Gummersbach alle körperlichen Reserven angezapft hatten, peu à peu die Kräfte aus. Eisenach ackerte in seiner 5:1-Deckung, spekulierte auf technische Fehler und konterte anschließend schnörkellos über die erste und zweite Welle. »Wir sind jetzt zum ersten Mal in dieser Saison in einer kleinen Negativspirale drin, in der es nicht so läuft. In der Hinrunde waren wir noch im Flow, da ist uns alles gelungen«, weiß Berufsschullehrer Wohlrab, der den kommenden Aufgaben auch unter pädagogischen Aspekten entgegensieht: »Jetzt findet ein ganz wichtiger Lernprozess für unsere Mannschaft statt. Die mentale Erfahrung, die es braucht, um so eine Situation schnell zu meistern, können wir aufgrund unseres jungen Durchschnittsalters noch nicht haben. Wir müssen diese Situation jetzt als Herausforderung annehmen und verstehen, was da gerade passiert.« In puncto Arbeitseifer geht Wohlrab seinen Schützlingen jedenfalls voran: »Die Nacht nach dem Eisenach-Spiel war aufgrund der Videoanalyse für Bietigheim in der Tat relativ kurz. Aber das gehört zu diesem Job und zu einer englischen Woche nun einmal einfach dazu.«

Auch interessant