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Kurze Trauer um verpassten Aufstieg

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Von: Nico Hartung

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Gejubelt, gebangt, aber am Ende unterlegen: Simon Böhne und der TV Hüttenberg. Foto: Bär © Bär

Rostock. 51 Minuten lang hatten Fans und Anhänger des TV Hüttenberg an das Wunder glauben dürfen. Kurze Zeit darauf allerdings war die vage Hoffnung auf einen doch noch möglichen Aufstieg des Handball-Zweitligisten erloschen. Denn am Ende eines unterhaltsamen Samstagabends leuchtete aus Hüttenberger Sicht eine 29:32 (14:14)-Auswärtsniederlage von der Anzeigetafel der Rostocker Stadthalle.

Empor Rostock - TV Hüttenberg 32:29

»Ehrlich gesagt fühlt sich mein Gemütszustand nach dieser Niederlage gerade nicht so gut an«, machte TVH-Trainer Johannes Wohlrab hinterher aus seinem Herzen keine Mördergrube und gestand: »Diesen Traum, dass es vielleicht doch noch für ganz oben reicht, den wollten wir gerne noch zwei Spieltage lang weiterträumen. Aber der ist heute leider geplatzt.«

51 Minuten waren in Rostock absolviert, als Rechtsaußen Tristan Kirschner das 27:26 für den Gast aus Mittelhessen erzielte. Allein die Tatsache, dass der TVH zu diesem späten Zeitpunkt der Partie überhaupt noch die Möglichkeit hatte, an der Ostsee zu punkten, war ein Exempel für die ganze Hüttenberger Saison.

Denn die Blau-Weiß-Roten waren nach den Ausfällen der Kreisläufer Vit Reichl und Moritz Zörb sowie der Rückraumakteure Johannes Klein, Hendrik Schreiber und Niklas Theiß (konnte nach einem Foulspiel in der ersten Hälfte fortan nicht mehr eingesetzt werden) beileibe nicht mit dem stärksten Aufgebot angereist, machten ihre Sache bis zu diesem Zeitpunkt jedoch ausgezeichnet.

Dann allerdings kippte die Begegnung zugunsten der Rostocker, die sich diesbezüglich bei Robert Wetzel bedanken mussten. Der HCE-Schlussmann hatte bis dato eine durchwachsene Partie durchlebt, wuchs jedoch zwischen Minute 51 und 58 über sich hinaus und parierte in dieser Zeit gleich fünf Hüttenberger Abschlüsse. Zur selben Zeit legte der einstige DDR-Serienmeister einen 4:0-Lauf hin und hatte die Begegnung spätestens durch das 30:27 von Janos Steidtmann für sich entschieden (58.). »In den letzten zehn Minuten liefert Robert hinten eine überragende Vorstellung ab, das ist für uns spielentscheidend. Die Zuschauer haben heute zwei Mannschaften gesehen, die hervorragend gefightet und auf Augenhöhe agiert haben«, stellte Rostocks Trainer Till Wiechers seinem Schlussmann hinterher ein Sonderlob aus.

Einzig in der entscheidenden Schlussphase entschieden die Gastgeber das Torhüterduell deutlich für sich, in der vorangegangenen Spielzeit waren es indes die TVH-Schlussleute, die ihrem Team ein besserer Rückhalt gewesen waren. Zwar gerieten die Hüttenberger nach ihrerseits anfänglichen Führungen nach dem 11:7 des Ex-TVHlers Marc Pechstein erstmals deutlicher in Rückstand (19.), konnten nach einer Auszeit von Wohlrab bis zur Pause jedoch wieder auf 14:14 ausgleichen. In der zweiten Halbzeit hatte es dann sogar lange Zeit danach ausgesehen, als könnten der Tabellenfünfte seinen vierten Sieg in Folge feiern. Kapitän Dominik Mappes, mit insgesamt zwölf Treffern im Angriff kaum zu bremsen, erzielte in seinem drittletzten Spiel für seinen Heimatclub das 22:19 (42.) - und nährte damit noch einmal die Hoffnungen auf einen möglichen Sensationsaufstieg, die sich jedoch knapp 20 Minuten später endgültig in Luft aufgelöst hatten.

Doch so niedergeschlagen Wohlrab unmittelbar nach dem Schlusspfiff ob der Niederlage auch war: Der 36-Jährige verlor den Blick auf die gesamte Saison nicht aus dem Auge. Denn dass seine mit zahlreichen Eigengewächsen gespickte Mannschaft, zugleich die jüngste des gesamten Unterhauses und in der Vorsaison zur Winterpause schon gefühlt abgestiegen, in dieser Spielzeit Außergewöhnliches geleistet hat, ist über jeden Zweifel erhaben. »Ich bin trotz allem sprachlos, dass wir drei Spieltage vor Ende der Runde eine Drucksituation haben, in der wir unbedingt gewinnen müssen. Und zwar nicht deshalb, um nicht abzusteigen, sondern um vielleicht noch in die erste Liga hochzugehen. Wer hätte das bitte am Saisonstart entfernt für möglich gehalten? Man muss deshalb neben aller Träumerei auch wieder in die Realität zurückkommen«, wusste der Berufsschullehrer, der deshalb noch einmal betonte: »Man muss sich auch in dieser Niederlage bewusst werden, dass das schlicht und einfach überragend ist, war wir als Team bis hierhin geleistet haben.«

Rostock: Mehler (bis 30.), Wetzel (ab 31.) - Wilhelm (4), Steidtmann (7/3), Witte, Ottsen (5), Schütze , Mehler, Völzke (2), Witte (3/2), Asmussen (4), Schmidt (2), Schütze, Kohnagel (2), Thümmler (1), Pechstein (2).

Hüttenberg: Plaue (bis 37., ab 51.), Böhne (37.-51.) - Hoepfner, Schwarz, Kneer, Kirschner (3), Uth, Opitz, Theiss (3), Fujita, Weber (4/1), Rompf (3), Mappes (12), Ribeiro, Hahn (1), Jockel (3).

Schiedsrichter: Klinke/Klinke (Bordesholm) - Zuschauer: 3140 - Zeitstrafen: Rostock eine (Thümmler), Hüttenberg fünf (Jockel, Weber, Rompf, Kneer zwei) - verworfene Siebenmeter: Witte (Rostock) scheitert mit Kopftreffer an Böhne und wird des Feldes verwiesen (20.).

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