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Licher Projekt kommt in die Gänge

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Meister der Kreisliga B1 und Aufsteiger in die Kreisliga A Gießen, der VfR Lich, hintere Reihe von links: Maurice Klehm, Daniel Dell, Jonas Johannes, Marius Spohn, Daniel Resch, Kevin Port, Anatoli Würz, Michael Pester, Louis Gehrmann, Max Schöneck. - Mitte von links: Trainer Philipp Heinemann, Nico Hofmann, Mateusz Jurczyszyk, Philipp Dern, Fabian Gottwalz, Sebastian Stein (Kapitän), Jonny Rodriguez, Paul Vogt, Fabian Schmidt, Dennis Przezdzink, Dennis Ploch, Fabian Raab, Nils Butzin. Vorne von links: Lukas Moll, Leonard Stein, Jannik Luh, Dominick Sehner, Co. Trainer Christian Wedemann, Fabian Felis, Marius Dumitrache, Moritz Apel. Foto: Schepp © Schepp

Lich . Das ist doch mal eine schöne Geschichte: Der VfR Lich ist zurück auf der Erfolgsleiter, noch im unteren Stufenbereich, aber es geht eindeutig aufwärts. Ohne anderen Vereinen zu nahe zu treten, ist die Meisterschaft in der B1 und der damit verbundene Aufstieg in die Kreisliga A Gießen ein gutes Zeichen. Zuvorderst für den Licher Traditionsverein, tatsächlich aber auch für den Fußballkreis.

Und dazu muss man nicht die ollen Kamellen auspacken, dass Lich über Jahrzehnte für höherklassigen (Landes- und Verbandsliga- oder Gruppenliga-)Fußball mit Kreisderbys vor vierstelligen Zuschauerzahlen stand. Nein, man darf es gerne auch an den aktuellen Gegebenheiten festmachen, denn da wäre zum einen die nahezu perfekte Infrastruktur des aus- und einladenden Sportgeländes »An der Fasanerie«. Und zum anderen die nach wie vor beeindruckende Jugendarbeit, die beispielsweise aktuell zur Kreisliga-Meisterschaft (wie schon zuvor) der A-Junioren führte. Und auch sonst ist die Jugend beim VfR gut besetzt und bestens aufgehoben.

Lange Vorrede zur angemessenen Würdigung der Tatsache, dass Spielertrainer Philipp Heinemann »das Projekt Lich« von der B- in die A-Liga geführt hat. »Es war natürlich das Ziel und die Aufgabe, das zu schaffen, weil der Verein es einfach verdient hat.«

Und Heinemann, der zuvor vier Jahre bei der FSG Grünberg/Lehnheim/Stangenrod sein dortiges »Fußball-Projekt« auf den Weg und zu Ende gebracht hatte, übernahm an der Fasanerie sozusagen ein Hochrisikogebiet. »Es war ein Scherbenhaufen«, sagt der 35-Jährige. Die 1. Mannschaft war abgemeldet worden, die Zweite kickte, nach Zwangsabstieg, in der B-Liga. Intensive Aufbauarbeit war also gefragt - eben auch für die Jugendarbeit, denn »um die Jungs zu halten, mussten wir aus der B-Klasse raus.«

Acht Licher hatte Heinemann noch zur Verfügung, acht bis zehn konnte er dank seiner langjährigen Kontakte - Heinemann hat in Watzenborn-Steinberg das Fußballspielen gelernt - dazu gewinnen. Erfahrung und Routine, folglich höheres Alter, war hier anvisiert. Und es sah gut aus. Grün-Weiß war die Hoffnung nach elf Siegen aus elf Spielen - dann aber das Desaster, das alle traf: Corona, Abbruch der Saison, keine Wertung, kein Aufstieg.

Trotzdem war dank des sportlich guten Verlaufs eine positive Stimmung entfacht, die schließlich Neuaufbau Nummer zwei in Gang brachte. »Die älteren Spieler sind selbstredend nicht jünger geworden, haben zum Teil aufgehört, also haben wir wieder Externe geholt, aber auch ehemalige Licher, die eine Weile nicht gespielt haben«, erzählt Heinemann. Dazu kamen A-Jugendliche, die ihrem Stammverein die Treue hielten. Logischerweise war nicht jeder, der zwei Jahre nichts gemacht hatte, gleich wieder auf bestem Level, aber Heinemann - fasziniert von der reizvollen Aufgabe, »hier selbst etwas neu aufbauen zu können«, schaffte den Spagat - und bekam die Mischung hin. Da legt Philipp Heinemann, der explizit keine Einzelspieler herausstellt, Wert darauf: »Ich mag zwar nicht diese Phrasen von mannschaftlicher Geschlossenheit, aber auch nicht, dass es an einzelnen Akteuren hängt. Bei uns war es gerade der Mix aus ganz unterschiedlichen Typen, die ich zusammenführen musste, das hat uns als Team besonders gemacht.« Da waren sie wieder: Ur-Licher, externe Akteure, Nachwuchskräfte, Routiniers, alle geeint darin, »wieder richtig Lust auf Fußball in und für Lich zu haben« - oder wie Heinemann sagt: »Es ist ein unheimlicher Wille zum Erfolg entstanden.«

Der auch nötig war, denn mit dem FC Besa und Schwarz-Weiß gab es zwei ambitionierte Konkurrenten aus Gießen, wobei vor allem Besa den Lichern zusetzte, in der Hauptrunde mit vier Zählern vorne lag. Und dann kam der Cut von Haupt- zur Aufstiegsrunde. »Wir hatten«, gibt Heinemann zu, »schon eine etwas holprige Hinrunde.« Das sei ihm aber klar gewesen, »weil wir die A-Jugendlichen einbauen und die Mannschaft formen mussten. Ich war aber immer optimistisch, dass wir es schaffen.«

Was sich in der Aufstiegsrunde bestätigen sollte: 2:2 und 3:0 hieß es gegen Besa, Schwarz-Weiß trat schließlich am letzten Spieltag in Lich erst gar nicht mehr an, was der VfR nicht goutierte, »schließlich hatten wir das Spiel als Auftakt zu unserer Meisterfeier geplant.« Die aber auch so gelang. »ich habe mir meine Bierdusche abgeholt«, erzählt Heinemann lachend. Gut, an Bier fehlt es im Herzen der Natur selbstredend nicht. Und auch sonst: »Motivationstechnisch ist in Lich alles da, was man für guten Fußball braucht, ein tolles Gelände, eine gute Jugendarbeit. Aber, das musste ich den Jungs von Anfang an sagen: Das alleine wird uns nicht hochbringen. Fußball ist verrückt. Man darf nie glauben, dass es von alleine geht.«

Der erste Schritt aber, der ist nun getan. »Damit ist das für mich aber nicht abgeschlossen«, hat »Projektleiter« Philipp Heinemann schon die nächsten Ziele mit dem VfR Lich im Blick. Dafür »werden wir nicht zehn Leute holen, sondern uns punktuell mit etwa fünf Spielern verstärken.« Über kurz oder lang soll es noch höher gehen. Wie es der Verein verdient.

Und gefeiert wurde auch an der Fasanerie - und am Ende in Aufstiegsshirts auf dem Historischen Markt.

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