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Robust und rigoros nimmt Benedict dos Santos (r.) seinem Mainzer Gegenspieler Lars Hermann die Kugel vom Fuß.

FC Gießen

Lo Scrudato macht für Cimen-Elf die Dose auf

Im letzten Heimspiel des Jahres führt der Außenverteidiger den FC Gießen gegen den TSV Schott Mainz auf die Siegerstraße.

Gießen. Als Außenverteidiger gehört es rein von der Position her nicht zu seiner Hauptaufgabe, Tore zu erzielen. Wenn Gianluca Lo Scrudato allerdings trifft, dann sind das (vor)entscheidend Tore. Das war bereits Mitte November so, als er spät mit einem abgefälschten Schuss den 2:1-Sieg bei der TSG Hoffenheim II sicherstellte. »Das war ein bisschen glücklich. Ein typisches Thomas-Müller-Tor«, blickte der 25-Jährige am Samstagnachmittag noch einmal etwas weiter in die Vergangenheit zurück, ehe er auf die Gegenwart zu sprechen kam: »Das heute war schön.«

Er zielte damit auf sein 1:0 in der 71. Minute aus spitzem Winkel ab - dem Brustlöser im eminent wichtigen Match gegen Schlusslicht TSV Schott Mainz, das Fußball-Regionalligist FC Gießen letztlich dank des nachgelegten Doppelpacks von Joker Aykut Öztürk mit 3:0 für sich entschied. Und Lo Scrudato verriet auch, warum die Gießener Keeper Frederic Löhe und Vladan Grbovic indirekt zumindest einen kleinen Anteil an seinem zweiten Saisontreffer hatten. »Jeder hat wohl spekuliert, dass ich flanke. Da dachte ich mir, ich versuche es auf’s kurze Eck. Unsere Torhüter sagen immer, dass der Torwart da auf Schulterhöhe keine Chance hat. Ich habe es einfach probiert und er ist reingegangen.«

FC Gießen - TSV Schott Mainz 3:0

Mit dem Dreier unterstrichen die Lahnstädter die Konstanz seit dem letzten Monat, in dem er zehn Punkte aus fünf Spielen holte. Das wirkt sich auch rein tabellarisch aus, denn der Sprung auf Rang 15 bedeutet, dass die Rot-Weißen die Abstiegszone verlassen haben. Denn nach aktuellem Stand wird es in der 3. Liga bei vier Absteigern bleiben. Dass die Gießener siegten, war zudem bedeutsam, weil die Konkurrenz vom FSV Frankfurt und Astoria Walldorf ebenfalls dreifach punktete. »Ich schaue nicht auf die Ergebnisse«, wiegelte Trainer Danyiel Cimen ab. »Nächste Woche sehe ich mir das mal an.« Dann ist nach der Hessenpokal-Partie am Mittwoch beim 1. FC Erlensee und dem finalen Meisterschaftsspiel 2021 beim FK Pirmasens mit Beginn der Winterpause Zeit für eine Zwischenbilanz.

Was das Fazit der 90 Minuten gegen die Mainzer anbelangte, gab es aus Gießener Sicht keinen Grund zum Meckern. Gewiss brannte der Gastgeber vor knapp 300 Zuschauern kein fußballerisches Feuerwerk ab. Es klappte längst nicht alles, das durfte jedoch auch nicht erwartet werden.

Ein tiefstehender und auf Konter lauernder Gegner, dazu ein gut präparierter Rasen, der dennoch aufgrund der Jahreszeit und der Witterungsverhältnisse nicht leicht zu bespielen war. Und schließlich sind die Nachwehen des Corona-Ausbruchs vor rund drei Wochen eben doch noch nicht ganz verklungen - wenngleich der Gießener Spieltagskader 18 Akteure auswies. »Vor dem Spiel war es schon besser, aber wir hatten weiter mit den Nachwirkungen zu kämpfen. Wir mussten bei dem einen oder anderen Rücksicht auf die Belastung nehmen«, meinte Coach Cimen dazu. Gianluca Lo Scrudato ergänzte zu diesem Thema: »Man muss vor dem Team den Hut ziehen, wie wir das wegstecken. Wir hatten acht Corona-Fälle, hatten zwei Wochen lang lediglich das Abschlusstraining zur Verfügung und konnten in dieser Woche erstmals wieder normal trainieren.«

Sein Trainer bilanzierte, der Sieg sei etwas zu hoch ausgefallen, wobei »wir sehr gut angefangen haben. Wir haben es nur in der ersten halben Stunde verpasst, das 1:0 zu machen. So hältst du eine Mannschaft, die extrem auf das Umschaltspiel aus ist, drin.« Von der zweiten Hälfte habe Cimen die ersten zehn Minuten überhaupt nicht gefallen. »Da hatten wir Glück, nicht das 0:1 zu kassieren. Mit dem 1:0 hatten wir die totale Spielkontrolle.«

Takero Itoi, Dennis Owusu und Nikola Trkulja sowie insbesondere Ryunosuke Takehara, der an einer Glanzparade von Felix Pohlenz scheiterte, hatten bis zur Pause einige Gelegenheiten. Auf der anderen Seite entschärfte Grbovic den Abschluss von Jannek Ripplinger glänzend. In der angesprochenen wackligen Phase der Gießener unmittelbar nach dem Kabinengang war Grbovic gegen Christian Hahn und Birkan Celik zur Stelle.

Der FCG übernahm nach einer Stunde wieder das Zepter und Lo Scrudato avancierte zum Dosenöffner. Vorbereiter war Itoi, der seinen Gegenspieler mit seiner Gewandheit und Technik narrte. Mit all seiner Erfahrung, Wucht und Cleverness setzte sich in der 82. Minute der eingewechselte Öztürk durch und erhöhte auf 2:0. Und in der 90. Minute legte Jonas Raltschitsch Itoi elfmeterreif. Routinier Öztürk trat an den Kreidepunkt und verwandelte souverän - Schiedsrichter Knoll pfiff gar nicht mehr an.

FC Gießen: Grbovic (Note 2,5) - Reithmeir (3) (74. Öztürk 1,5), Fink (3), Sarr (3,5), Lo Scrudato (2) (86. Gaudermann) - dos Santos (2,5) (66. Beal 2,5) - Sawada (3,5) (86. Münn), Trkulja (3,5) - Owusu (3,5), Itoi (3), Takehara (3,5).

TSV Schott Mainz: Pohlenz - Bakirsu (77. Schmitt), Raltschitsch, Hermann, Schlosser - Del Vecchio, Mairose - Hahn, Lihsek (84. Schneider), Sannomiya (46. Celik) - Ripplinger (77. Müller).

Tore: 1:0 Lo Scrudato (71.), 2:0 Öztürk (82.), 3:0 Öztürk (90., Elfmeter). - Schiedsrichter: Knoll (Kleinottweiler). - Gelbe Karten: Reithmeir, Beal / Sannomiya, Raltschitsch. - Zuschauer: 312.

Gibt seinen Spielern Anweisungen und ist insgesamt mit der Partie zufrieden: FCG-Coach Daniyel Cimen.

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