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Lohnender Blick über den Tellerrand

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Auch wenn es für den Freistoßschützen Nico Grönke und die TSF Heuchelheim II gegen Lemp nicht ganz reichte, hat sich der Sportkreis-Wechsel auf alle Fälle gelohnt. Foto: PeB © PeB

Heuchelheim . Mehr oder weniger kurz vor dem »Münzwurf« oder vor einem Losentscheid stand Gießens Fußballwart Henry Mohr im Sommer, da die Gießener Kreisliga A mit 19 Mannschaften viel zu groß war und keine Vereine signalisiert hatten, in einen Nachbarkreis zu wechseln.

Dann entschlossen sich die TSF Heuchelheim II, das Wagnis einzugehen, und wechselten in den Wetzlarer Fußballkreis. Am vergangenen Samstag stand für das Team von Trainer Kevin Grebe offiziell das letzte Spiel des Jahres auf dem Programm, da Gegner Cermik Wetzlar sein Team aber zurückgezogen hat, wandern drei Punkte kampflos auf das Konto der Turn- und Sportfreunde, die damit als Tabellenführer in die Restrunde starten werden. Doch nicht nur aus sportlicher Sicht fällt das bisherige Fazit uneingeschränkt positiv aus.

»Egal, wen man aus der Abteilung oder aus dem Vorstand fragt, es ist keine kritische oder negative Stimme zu hören. Wir sind sehr, sehr gut aufgenommen worden im Wetzlarer Fußballkreis und natürlich von den Clubs der Liga. Es sind sogar in kurzer Zeit schon Freundschaften entstanden, beispielsweise nach Lemp oder zum TSV Blasbach. Wichtig war uns aber von Anfang an, unsere Spieler bei der Entscheidungsfindung mit ins Boot zu holen. Sie haben sich für den Wechsel entschieden, die neue Klasse angenommen und wirklich viel Spaß an der neuen Herausforderung gezeigt«, berichtet Thorsten Balser von der TSF-Fußballabteilung.

Dass sich die Fahrten im Vergleich zu denen in der Kreisliga A Gießen nicht nennenswert unterscheiden, war einer der Gründe, sich für den Wechsel zu entscheiden. Dass die Heuchelheimer in der Wetzlarer A-Liga aber zudem auf zahlreiche erste Mannschaften treffen, die möglicherweise doch auch den einen oder anderen Zuschauer mehr mitbringen würden, war zudem die Hoffnung. Und diese wurde fast uneingeschränkt erfüllt. »Wir hatten schon elf Heimspiele, daher lässt sich da schon ein sehr gutes Zwischenfazit ziehen. Es war auch hier und da mal ein Gegner dabei, der kaum Zuschauer dabeigehabt hat, was aber in Gießen genauso gewesen wäre. Aber oftmals hatten Teams wirklich zahlreiche Zuschauer »im Gepäck«, sagt Balser. So kam die SpVgg. Lemp unlängst sogar mit einem 50 Mann-Bus zum Topspiel. »In der Beziehung sind wir also sehr zufrieden, auch in dieser Hinsicht hat sich der Wechsel gelohnt«, so Balser, der mit dem gelungenen Schritt seines Vereins auch andere ermutigen will, »über den Tellerrand hinauszublicken«. Zumal solche Schritte auch zukünftig nicht ausgeschlossen zu sein scheinen. »Wir müssen aufhören, immer nur in Kreis Gießen, Kreis Wetzlar, Kreis Alsfeld oder Kreis Marburg zu denken. Die Zahl der Mannschaften ist seit Jahren rückläufig, auch in dieser Saison gab es schon Rückzüge. Über kurz oder lang wird es ohnehin nicht ausbleiben, dass sich da Verschiebungen bzw. Veränderungen ergeben, ja ergeben müssen«, betont Balser.

Aber auch aus sportlicher Sicht hat sich der Wechsel bislang gelohnt, wie eingangs erwähnt werden die Heuchelheimer das Jahr mit 47 Punkten auf Platz eins abschließen. Dass die Liga deshalb schwächer sei, verneint Coach Grebe vehement. »Sicherlich ist es so, dass die absolute Spitze in Gießen stärker ist, wenn ich an Türkiyemspor Gießen, den SV Annerod oder Eintracht Lollar denke. Da wäre es natürlich schwierig geworden, diese Teams hinter uns zu lassen. Aber die Spitze ist wesentlich breiter, auch das Mittelfeld ist aus meiner Sicht doch recht stark. Und viele Mannschaften haben wirklich absolute Topspieler in ihren Reihen, besonders im Sturm, die früher höherklassiger gespielt haben«, beschreibt Grebe, dem mit Peter Bubbel ein erfahrener Co-Trainer zur Seite steht.

Beim Blick auf die Statistik, die bei den Heuchelheimern nur 17 Gegentreffer im Jahr 2022 ausweist, wird klar, wo der Schlüssel für den Erfolg zu finden ist. »Unsere Defensive ist ganz klar entscheidend für die bisherige Platzierung. Wenn man zudem bedenkt, dass wir zweimal gegen Lemp und bei der SG Hohenahr jeweils drei Gegentore kassiert haben, sieht man, wie wenig wir in den anderen Spielen zugelassen haben. Zudem sind wir jederzeit in der Lage, auch selbst Tore zu machen. Aber von alleine kam das nicht, denn wir haben viel gearbeitet und auch großen Willen an den Tag gelegt«, beschreibt der TSF-Coach, der ob des ersten Tabellenplatzes aber keine überbordende Ziele formuliert. »Den Aufstieg werden wir sicherlich nicht ausrufen, denn dagegen sprechen gleich mehrere Gründe. Zum einen haben wir eine junge Truppe, bei der Dellen normal sind. Zum anderen sind wir nun mal auch eine zweite Mannschaft, die ein Stück weit davon abhängig ist, wie es bei der Ersten läuft bzw. wie es dort mit dem Personal aussieht. Daher freuen wir uns einfach über die bisher so gute Saison und unsere Platzierung, die wir mit mannschaftlicher Geschlossenheit erreicht haben, und wollen daran gerne im neuen Jahr anknüpfen. Aber wo wir am Ende landen, dafür sind Aussagen auch aufgrund des engen Tabellenbildes noch viel zu früh.«

Unabhängig davon, wie die TSF Heuchelheim II am Ende sportlich abschneiden, sollte ihre Entscheidung des Sommers andere Vereine dazu ermutigen, ihr »Kirchturmdenken« aufzugeben.

Denn eines will sicherlich auch in Zukunft niemand: Dass Henry Mohr irgendwann doch noch einmal zur Münze greifen muss.

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