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Machtwort: »Kolo Muani bleibt«

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Bleibt in Frankfurt: Randal Kolo Muani wird von vielen Vereinen umworben. Foto: dpa © dpa

Frankfurt-Dubai. Markus Krösche hat sich mal wieder als Fan des offensiven, des attraktiven und des schönen Fußballs geoutet. »Warum gucken die Leute Fußball? Es geht darum Tore zu erzielen, das ist der Sinn des Spiels«, sagte der Sportvorstand der Frankfurter Eintracht am Rande des Trainingslagers in Dubai.

Dass bei der Weltmeisterschaft allenthalben das Sicherheitsdenken im Vordergrund gestanden hat, habe ihm »gar nicht gefallen«. Das fußballerische Level sei »gesunken«, die Spielweise häufig »destruktiv« gewesen. Für seine Eintracht fordert Krösche eine andere Herangehensweise. »Mutig sein, offensive Lösungen finden, lieber 5:3 als 1:0 gewinnen«, das sei ihm am liebsten, »diesen Spielstil, diese Identität sollten wir zeigen«.

Aus dieser grundsätzlichen Einstellung zum Fußball folgern bei Krösche wichtige andere Aspekte. Vielleicht der Wichtigste: Ihren besten Stürmer, den französischen Vizeweltmeister Randal Kolo Muani, werden die Frankfurter nicht hergeben, ganz sicher nicht im Winter, am liebsten auch nicht im Sommer. »Randal bleibt«, sagt Krösche ganz deutlich, »wir geben ihn nicht ab.« Auch bei einem 100-Millionen-Euro-Angebot werde man nicht schwach werden.

Genau wie die umworbenen Kollegen Daichi Kamada, Evan Ndicka oder auch Rafael Borré hinterlässt Muani in diesen Tagen bei der Trainingsarbeit unter der Sonne von Dubai einen ausgezeichneten Eindruck und soll dazu beitragen, »eine außergewöhnliche Saison zu spielen«. Krösche attestiert dem Team einen »Superspirit«, dies sei einer der Erfolgsfaktoren im letzten Jahr gewesen. Und sei nun Grundvoraussetzung für einen erfolgversprechenden Tanz auf den drei Hochzeiten Liga, DFB-Pokal und Champions-League.

Die Furcht unter den Fans, der Eintracht könne im Sommer eine Art »Ausverkauf« drohen, könne er nicht teilen. Mit Ndicka und Kamada sei er schon seit längerem »im Austausch«, mit Kevin Trapp (»Bayern hat nicht angefragt«) gäbe es Gespräche über eine vorzeitige Verlängerung des bis 2024 laufenden Vertrages.

»Ich mache mir um die Zukunft von Eintracht Frankfurt überhaupt keine Sorgen«, sagt Krösche, »dieser Klub ist für die Spieler, die hier sind, extrem interessant, aber auch für Spieler, die woanders spielen.« Die Eintracht sei zudem gut vorbereitet auf alle Eventualitäten. »Wir sitzen ja nicht in der Ecke und warten, was passiert, wir beschäftigen uns mit der Weiterentwicklung am Markt«, sagt Krösche. Für ihn sei wichtig, »dass alle zu hundert Prozent auf ihre Aufgaben hier fokussiert sind.« Der Sportchef setzt die Ziele bewusst hoch. Im Vordergrund steht die Bundesliga und dort die Verteidigung des vierten Platzes, was eine erneute Teilnahme an der Champions-League bedeuten würde. »Ich kann ja nicht sagen, wir wollen schlechter werden. Wir haben uns den Platz erarbeitet, jetzt wollen wir ihn behalten«, sagt Krösche, »unser grundsätzliches Ziel ist es, auch in der nächsten Saison international zu spielen.«

Dass dies eine weitere Leistungssteigerung erfordere, sei selbstverständlich. Der Rückblick auf den Neustart im vergangenen Jahr ist den Frankfurtern Warnung genug. Nach einer guten Vorrunde (Sechster) war am Ende nur Platz elf herausgesprungen. »Wir sind dann stagniert und konnten die Herausforderungen nicht lösen«, erinnert Krösche und nennt als Beispiel ein Heimspiel gegen Bielefeld (0:2), als die Eintracht trotz drückender Überlegenheit am Ende den Platz als Verlierer verlassen hatte.

In dieser Saison ist die Mannschaft aus Sicht des Sportchefs einen Schritt weiter. Die Aufgaben aber würden auch schwerer, »weil die Gegner eine ganz andere Wahrnehmung von uns haben und uns noch energischer begegnen werden.« Die Eintracht müsse in den verschiedensten Konstellationen des Spiels besser werden. »Vorne müssen wir variabler sein und in der Verteidigung konsequenter«, fordert er.

Bestes Beispiel für die zu erwartende Spielart der Gegner sei das letzte Spiel im alten Jahr gewesen, das 1:1 beim Nachbarn in Mainz. Da wurden die Frankfurter körperlich hart attackiert, über eine längere Zeit unter Druck gesetzt. Und hatten Mühe, wenigstens einen Punkt mitzunehmen. Hilfreich sei bei der Lösung der Probleme inzwischen die »Überzeugung«, die die Mannschaft ausstrahle. Krösche: »Wir verlieren auch bei Rückständen nicht mehr so leicht die Nerven.«

In einer Ansprache zum Start ins neue Jahr hat der Sportvorstand den Spielern die geforderte Fokussierung auf das Wesentliche in eindringlichen Worten nähergebracht. »Wir wurden mit Lob überschüttet, wie toll und gut alle sind. Das ist Okay, aber jetzt reicht es halt auch«, hat er gesagt, »Vergangenheit ist Vergangenheit und nichts ist so vergänglich wie Erfolg.« Die Eintracht habe »keine Zeit«, sich Schwächen zu erlauben. Die Eindrücke von der Arbeit im Trainingslager machen deutlich, dass der Appell auf fruchtbaren Boden gefallen ist.

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