1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Magische Nächte mit magischen Viereck

Erstellt:

Frankfurt (pep). Wer »magische Fußball-Nächte« bestellt, der bekommt sie bei der Frankfurter Eintracht in einer frappierenden Regelmäßigkeit auch geliefert. Ob Tottenham Hotspur oder nun Olympique Marseille in diesen Wochen - die Frankfurter Arena wird mit anknipsen des Flutlichts zu einem Tempel der sportlichen Glückseligkeit.

Der 2:1 (2:1)-Sieg gegen Olympique Marseille war ein neuer Höhepunkt, weil es der erste Heimsieg in der »Königsklasse« für den Klub war, weil er wegen vieler Verletzungen unter erschwerten Bedingungen erspielt und erkämpft werden musste und weil er der Eintracht die Tür zum Achtelfinale der CL geöffnet hat. »Es war ein außergewöhnlicher Abend mit einem herausragenden Spiel unserer Mannschaft«, schwärmte Sportvorstand Markus Krösche, »wir haben uns in der CL seit dem ersten Spieltag deutlich weiterentwickelt.« Da hatte die Eintracht noch 0:3 gegen Sporting Lissabon verloren. Fast schon gerührt saß der Baumeister des Erfolgs, Trainer Oliver Glasner, eine Stunde nach dem Abpfiff, es ging schon auf Mitternacht, im Pressekonferenzraum der Arena. Er sei »megastolz« Trainer einer »solch charakterstarken Mannschaft« zu sein, sagte der österreichische Fußball-Lehrer, der dabei ist, die Eintracht auf das nächste höhere Level zu hieven.

Mit maximaler Offenheit wies er Fragen nach »Geheimnissen« oder dem »Schlüssel des Erfolgs« zurück. »Ich weiß es nicht«, sagte Glasner offen. Um dann doch den einen oder anderen Hinweis zu geben, warum seine Mannschaft so gut, so kämpferisch, so aufopferungsvoll, so begeisternd spielt. »Wir können ja kaum trainieren, zeigen hauptsächlich Videos«, berichtet er von den Vorbereitungen auf die Spiele, »die Jungs nehmen alles an, sie setzen es um mit allem, was sie haben.« Es ist diese Einstellung, die die Eintracht trotz dem einen oder Rückschlag in dieser Saison auf Kurs gehalten hat. Zuletzt gab es wettbewerbsübergreifend vier Siege in Folge, obwohl die personelle Situation sich von Spiel zu Spiel verschärft hatte, vor allem in der abwehrenden Abteilung.

Gegen Marseille ist der nächste Verletzte hinzugekommen. Christopher Lenz hat sich kurz vor der Pause eine Muskelverletzung zugezogen. Da spielten dann über weite Strecken mit Junior Ebimbe, Kristijan Jakic, Hrvoje Smolcic und Luca Pellegrini vier Nicht-Stammspieler neben der einzigen Stammkraft Evan Ndicka in der Deckung. Das Bollwerk hielt trotzdem, verteidigte den knappen Vorsprung, den die famose Offensive herausgespielt hatte. Unter den Augen von Bundestrainer Hansi Flick war Kevin Trapp einmal mehr ein überragender Schlussmann. Flick hat auch gesehen, in welch prächtiger Form sich Mario Götze befindet. Das »magische Viereck« Götze-Kamada-Lindström-Muani ist in diesen Tagen kaum aufzuhalten. Weil die Mischung stimmt: Der mit all seiner Geschicklichkeit ausgestattete Kamada (Schütze des 1:0), der eine unglaubliche Torgefährlichkeit entwickelt hat, der technische und läuferisch herausragende Götze und die beiden Flitzer Lindström und Muani (Schütze des 2:1), die in ihrem Tempo ihresgleichen suchen. Aktuell bietet die Eintracht einen perfekten Mix aus Arbeitern und Künstlern, jeder als Meister seines Fachs. »Wir sind heute 125 km gelaufen, das ist unglaublich«, sagte Glasner, »die Jungs wissen, dass sie sich aufeinander verlassen können.« Und die Spieler wissen, dass sie sich auf ihren Trainer verlassen können. Glasner trifft die richtigen Entscheidungen. Diesmal stellte er Neuling Smolcic in die zentrale Abwehrposition. Der junge Kroate (21) dankte es ihm mit einer starken kämpferischen Leistung, gekrönt von einer sogenannten »Monstergrätsche«, als er gegen Alexis Sanchez ein Gegentor verhinderte.

Und auch mit seinen Einwechslungen hat Glasner genau ins Schwarze getroffen. Als Mitte der zweiten Halbzeit die Kräfte nachließen, schickte er seine »Joker« auf den Platz. Sebastian Rode, der Kapitän, brauchte keine fünf Minuten, um die Ordnung auf dem Platz wieder herzustellen. Falide Alidou und Rafael Borré sorgten dafür, dass in der »Crunch-Time« des Spiels auf einmal wieder die Frankfurter dem nächsten Tor näherkamen als der Gegner. »Wenn es einen Teamsieg gibt, dann war es heute ein Teamsieg«, sagte der Eintracht-Trainer.

Auch interessant