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Markovic zurück auf die Bank

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Gießen. Es ist lange ruhig gewesen um Dragan Markovic. Sehr lange sogar. Bis 2016 war der ehemalige Coach des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar Trainer der Nationalmannschaft von Bosnien und Herzegowina. Und dann? Was ist in den letzten sechs Jahren geschehen?

Der 52-Jährige klärt auf: »Ich brauchte eine Auszeit. Dann habe ich bei meinem ehemaligen Verein TV Willstätt ein wenig ausgeholfen, ehe ich mich erst einmal um meine Gesundheit kümmern musste.« Die linke Hüfte schmerzt, das rechte Knie zwickt. Der Profihandball fordert halt seinen Tribut. Also: Operation hier, Operation dort, dann Reha. »So langsam komme ich wieder auf die Beine, so langsam bin ich wieder bereit für neue Aufgaben.«

Die sich für ihn im Odenwald aufgetan haben. Ab dem 1. Juli übernimmt Dragan Markovic die Verantwortung auf der Bank der HSG Bieberau/Modau. Staffel E in Liga drei, in der auch die HSG Dutenhofen/Münchholzhausen spielt. Die Reserve jenes Clubs also, den der frühere Klasse-Spielmacher einst vor dem Abstieg aus dem Oberhaus rettete. Ein Abstieg also für Markovic?

Der stets lebenslustige und auskunftsfreudige Familienvater verneint. »Wenn du etwas länger aus dem Geschäft draußen warst, dann musst du erst wieder den Anschluss finden.« Aber bei einem Drittligisten? »Sie haben hier in Groß-Bieberau viel vor, das gefällt mir. Das Konzept stimmt, es passt. Ich möchte das Team in der 3. Liga etablieren, es näher an die Spitze heranführen und vor allem junge Leute integrieren.« Was ihm einst auch beim Club aus Dutenhofen und Münchhozhausen geglückt ist. Ob er, wie er einst in einem Interview erzählte, Lars Kaufmann zum Nationalspieler machte, ist durchaus diskutabel. Dass er Talente wie Timo Salzer und Michael Allendorf jedoch an die Bundesliga gewöhnte, vor allem aber, dass er die Grün-Weißen einst vor dem Abstieg bewahrte, ist unstrittig.

Im Oktober 2005 übernahm er die HSG Wetzlar auf dem letzten Platz liegend, »an Weihnachten waren wir schon Zwölfter. Und dies, obwohl ich nur sieben, acht Spieler zur Verfügung hatte. Doch ich habe nicht gejammert, sondern damals das Maximum rausgeholt.« Ehe er am 9. Oktober 2006 von Manager Rainer Dotzauer entlassen wurde. Was er ihm aber nie verübelt hat. »Das Geschäft ist nun mal so, wir haben trotzdem weiter ein Riesenverhältnis. Wer bezahlt, bestimmt, das ist überall so.«

Nun bezahlt ihn also die HSG Bieberau/Modau, die vier Spieltage vor dem Saisonende auf Rang vier in Liga drei liegt. Sechs Punkte hinter Spitzenreiter HSG Hanau, fünf hinter der Bundesliga-Reserve des HC Erlangen, einen hinter HaSpo Bayreuth. Und einen vor der HSG-Zweiten. »Der Aufstieg ist nicht mehr möglich«, klärt Dragan Markovic auf. »Aber ich möchte einfach nur helfen, da sich der bisherige Trainer anderen Aufgaben zuwenden will.«

»Falken«-Manager Georg Gaydoul ergänzt: »Wir haben uns lange mit der Trainersuche beschäftigt und uns ausreichend Zeit gelassen. Wir haben zahlreiche Bewerbungen und Empfehlungen geprüft. Nun freuen wir uns, mit Dragan Markovic einen absoluten Praktiker und erfahrungsreichen Mann verpflichtet zu haben. In den Gesprächen hat er uns von seiner Handball-Philosophie überzeugt und den positiven Eindruck vermittelt, dass er uns weiterbringen wird und wir mit ihm unsere lange Tradition erfolgreich fortsetzen können«.

Die Qualität, so glaubt Gaydoul, wird sich im Gesamtkonstrukt der HSG Bieberau/Modau noch einmal erheblich verbessern. Denn neben der Verpflichtung des neuen Cheftrainers für die Drittligamannschaft haben die Verantwortlichen ein, wie sie sagen, »nachhaltiges, breites und leistungsorientiertes Jugendkonzept« erstellt, das von »absoluten Top-Trainern und Übungsleitern umgesetzt werden« soll. So übernimmt beispielsweise der bisherige Drittliga-Coach Thorsten Schmid (50), ein Sportwissenschaftler, die Ausbildung der A- und B-Junioren und soll diese auf den Seniorenbereich und möglicherweise auch auf höhere Aufgaben vorbereiten.

Schmid wird mit Dragan Markovic, der noch im Wetzlarer Stadtteil Naunheim wohnt, aber überlegt, ins Rhein-Main-Gebiet zu ziehen, eng zusammenarbeiten. »Ich bin ein Familienmensch und möchte meine Frau und meine Söhne möglichst eng um mich herum haben«, so der 52-Jährige. Sohn Dane (25), einst Jugendhandballer bei der HSG Wetzlar, spielt in der zweiten Mannschaft der »Falken« und arbeitet in Frankfurt als Steuerfachgehilfe. Sein zwei Jahre jüngerer Bruder Andrej überlegt noch, ob er eine Ausbildung zum Industriekaufmann beginnen oder in Frankfurt studieren soll. Zwei Jahre hat er beim FC Gießen in der Regionalliga Südwest Fußball gespielt, inzwischen ist er für den Hessenligisten TSV Stadtallendorf im Einsatz.

Als Dragan Markovic von 2011 bis 2016 Bosnien und Herzegowina trainierte, sich mit seinem Team etwas überraschend für die Weltmeisterschaft 2015 in Katar qualifizierte und sogar die deutsche Nationalmannschaft mit 33:24 in den Playoffs zur WM 2013 mit 33:24 schlug, war die Familie oft getrennt und Ehefrau Nancy alleine mit den Jungs. Das soll sich nun ändern. Auch ein Engagement in Liga drei kann Vorteile haben.

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