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Markus Krösche platzt der Kragen

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Frankfurt (pep). Markus Krösche (41) ist ein eher ruhiger Mensch, wohlüberlegt in seinen Aussagen, meistens verbindlich, nach vorne blickend, abwägend und ausgleichend. Jetzt aber ist dem Sportvorstand der Frankfurter Eintracht mal der Kragen geplatzt. In einem Interview mit dem »Kicker« kritisierte Krösche die nach wie vor bestehenden Zuschauerbeschränkungen in der Bundesliga.

Nach zuletzt 750 oder 1000 Zuschauern dürfen die Frankfurter am Samstag beim Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg und in zwei Wochen gegen Bayern München zwar immerhin 10 000 Menschen die Arena lassen, von einem vollen Stadion ist das bei einem Fassungsvermögen von 51 500 Zuschauern aber weit entfernt. »So wie jetzt kann es nicht weitergehen«, sagte Krösche sauer und sprach sich deutlich für die Rückkehr zur Vollauslastung in den Stadien aus: »Die Klubs als Wirtschaftsunternehmen haben schon jetzt teilweise schwerwiegende finanzielle Probleme und direkte sowie indirekte Arbeitsplätze sind akut gefährdet. Daher ist sehr zeitnah eine Vollauslastung der Stadien von existenzieller Bedeutung für alle Vereine.«

In der Liga im Allgemeinen und bei der Eintracht im Speziellen herrscht große Unzufriedenheit mit der Politik in der Frage der Öffnungen bei Veranstaltungen während der aktuellen Lage der Pandemie. Die ständigen Verweise auf die Anfahrt der Zuschauer in die Stadien und das dort herrschende Gedränge, regt Krösche so richtig auf. »Okay, aber dann müssten wir jeden Morgen im Berufsverkehr den ÖPNV lahmlegen, womit wir die komplette Ökonomie abwürgen würden, weil viele nicht mehr zur Arbeit kämen«, sagt er. Zudem gebe es bislang keinen Nachweis, »dass sich in Bundesligastadien eine große Anzahl an Menschen infiziert hätten.« Aus der scharfen Kritik an den politischen Entscheidungen spricht die Angst vor den immer härteren wirtschaftlichen Folgen, so drohen der Eintracht bis zu 80 Millionen Euro Verlust während der Pandemie. Andere Länder wie England (Tottenham gegen Brighton vor 55 000 Zuschauern), Spanien (Barcelona gegen Atletico vor 74 000 Zuschauern) oder Italien (Inter gegen AC Mailand vor 38 000) haben gerade am letzten Wochenende wieder vorgemacht, wie es auch anders geht. Zuschauer-Aussperrungen würden zudem auch zu einer »Abgewöhnung« vieler Menschen führen. »Die Zeit, die für ein Bundesligaspiel oder eine Auswärtsfahrt aufgewendet wurde, wird nun anders genutzt, durch Hobbys oder Familie«, sagt Krösche. Das bedeute eine »große Herausforderung« für die Klubs. Es wird für uns als Liga und für jeden einzelnen Klub ein riesiger Kraftakt, die Leute wieder ins Stadion zu holen«.

Dazu gehört natürlich auch eine attraktive Mannschaft. Daran arbeitet er. Makoto Hasebe (38) soll noch einmal um ein Jahr verlängern. »Wir befinden uns in guten Gesprächen«, sagt der Frankfurter Sportchef. Aktuell liegt Hasebe nach seiner Rippenverletzung aus dem Stuttgart-Spiel noch in der Frankfurter Uni-Klinik. Zumindest einige Wochen wird der Abwehrchef ausfallen. Auch mit Filip Kostic (Vertrag bis 2023) und Evan Ndicka (bis 2023) führt der Frankfurter Sportchef Verhandlungen über eventuelle Verlängerungen. Der Ausgang sei offen.

Sieben Monate ist Krösche, vorher in Paderborn und Leipzig, nun als Nachfolger von Fredi Bobic im Amt. »Eine Intensität wie bei der Eintracht habe ich so noch nie erlebt«, sagt er, »der Klub hat eine unheimliche Strahlkraft und Relevanz, nicht nur in der Stadt, sondern deutschlandweit«. Die soll noch verstärkt werden. Krösche: »Wir wollen um die Europa-League-Plätze kämpfen. Wenn wir zu hundert Prozent fokussiert sind, dann können wir jeden schlagen.«

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