1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Matschke hat Bock auf Magdeburg

Erstellt: Aktualisiert:

gispor_0904_matschke_090_4c_1
Da geht’s lang gegen Magdeburg: Ben Matschke gibt den Ton an. © Ben

Wetzlar . »Komm, lasst uns was Geiles draus machen«, sagt Ben Matschke am Freitagmittag zum Abschluss der Pressekonferenz lächelnd. Der Trainer der HSG Wetzlar hat richtig Bock aufs Topspiel der Handball-Bundesliga gegen Tabellenführer SC Magdeburg. Das spüren alle im zweiten Stock der Buderus Arena. Die am Sonntag (14 Uhr) - 4000 Tickets waren bis Freitagmittag verkauft - sicher zum Bersten gefüllt sein wird.

HSG Wetzlar - SC Magdeburg (So., 14 Uhr)

Zum ersten Spiel seit langem ohne G-Regeln und ohne Maskenpflicht (die HSG spricht aber die Empfehlung aus, in Gedrängesituationen einen Mund-Nasenschutz zu tragen) kommt »eine Mannschaft, die erst zwei Mal in dieser Saison in der Bundesliga verloren hat. Das ist außergewöhnlich«, erklärt Matschke. »Sie haben ein klares System, zwei Rückraumreihen, die fit sind. Und vor allem eine unfassbare Gier, nach so vielen Jahren wieder die deutsche Meisterschaft zu gewinnen«, spricht der HSG-Coach in höchsten Tönen von den Elbestädtern, die 2001 letztmals den DM-Titel holten, um sich 2002 dann auch Champions-League-Sieger nennen zu dürfen.

Im Frühsommer des vergangenen Jahres triumphierte das Ensemble von Trainer Bennet Wiegert in der Euro League (dem früheren EHF-Pokal) und gewann zudem die Club-Weltmeisterschaft. Auf dieser Welle reiten die Mannen um den vor der laufenden Runde aus Leipzig gekommenden Spielmacher Philipp Weber und Top-Torjäger Omar Ingi Magnusson immer noch. Daran änderte auch die klare Niederlage vor zwei Wochen zu Hause gegen Kiel nichts.

Fünf Punkte Vorsprung sind es immer noch für den SCM, im Europapokal holte sich der Klassenprimus am Dienstag mit dem 36:35-Sieg im Viertelfinal-Krimi gegen Benfica Lissabon und dem Einzug in die Runde der letzten Vier weiteres Selbstvertrauen. »So ein Ausgang ist besser als jedes Teambuilding. Wir wollen dieses Gefühl natürlich weiter mitnehmen. Mit dem Wissen, dass wir solch enge Situationen lösen können, wächst die Wahrscheinlichkeit, auch in Wetzlar zu bestehen. Der Glaube kommt mit dem Erfolg«, sagte Wiegert schon direkt nach der Partie gegen die Portugiesen.

Als Blaupause, wie man den Magdeburgern ordentlich zusetzen kann, lässt Ben Matschke die 60 Minuten des kommenden Gegners auf internationaler Ebene jedoch nur bedingt gelten. »Klar habe ich mir das Spiel angeschaut. Aber das ist schwer zu vergleichen. Natürlich wollen auch wir viele Tore werfen und trauen uns zu, den SCM zu ärgern. Wir würden ihnen sicher gratulieren, wenn sie am Sonntag gewinnen. Aber sie müssen hart dafür arbeiten, das verspreche ich«, sagt der Wetzlarer Coach.

Dem 39-Jährigen ist ebenso bewusst, dass es einer erheblichen Steigerung gegenüber dem Heimauftritt vor zwei Wochen gegen den Bergischen HC (23:27) bedarf. »Das Pro-blem ist, dass uns der Rhythmus fehlt. Das ist eine Katas-trophe. Erst zwei Wochen zwischen Lemgo und dem BHC, jetzt wieder zwei Wochen, danach sind es sogar zweieinhalb Wochen wegen der Länderspielpause. Wir haben nur zwei Spiele im April«, moniert Matschke. Es ginge auch um Fokussierung und Trainingssteuerung. »Da muss man auch mal die Luft rausnehmen«, weiß der bislang so erfolgreiche HSG-Trainer. Der jedoch den Stärken und der Qualität seiner Jungs vertraut. »Ich glaube, dass wir zwei variable Deckungssysteme haben, dass wir vorne einen disziplinierten, strukturierten Handball mit unterschiedlichen Typen spielen können.«

Kusan geht, Kumok kommt

Ganz hinten haben die Grün-Weißen seit Freitag einen neuen »Typen« dazubekommen. Gennadiy Kumok, Torhüter der vor dem Krieg in ihrer Heimat geflüchteten ukrainischen Nationalmannschaft, hat einen Vertrag bis zum Saisonende beim aktuellen Rangsechsten unterschrieben. »Wir konnten ihn nur verpflichten, weil er ein Spieler ist, der keine Spiel- und Trainingsmöglichkeit mehr besessen hat. Dann ist ein Wechsel in die Bundesliga auch nach dem 15. Februar möglich«, klärt HSG-Geschäftsführer Björn Seipp die »Win-win-win-Situation« für alle Beteiligten auf. Die Verpflichtung des 34-Jährigen von Motor Saporoshje war wiederum finanziell nur zu stemmen, weil Tomislav Kusan die Wetzlarer mit sofortiger Wirkung verlässt. Ihn zieht es zum Al Arabi Sports Club nach Katar.

»Wir sind froh, dass Gennadiy Komok da ist. So kann Anadin Suljakovic mit mehr Ruhe seine Innenbandverletzung auskurieren. So weiß Till Klimpke einen erfahrenen zweiten Mann an seiner Seite. Und Marcel Kokoszka hat das in einem persönlichen Gespräch mit mir auch akzeptiert. Er studiert ja sowieso montags und dienstags in Hamburg, bleibt unsere Nummer drei«, so Ben Matschke.

Der ist gespannt auf die Kulisse. »Wobei viel von uns abhängt. Wie wir fighten, wie wir vielleicht in Führung gehen. Das ist keine Einbahnstraße von außen, wir müssen die Fans auch abholen mit unserer Leistung«, weiß der Coach und ergänzt: »Wenn jemand vor der Saison behauptet hätte, am 26. Spieltag kommt Magdeburg zum Topspiel, ich wäre vor Lachen wohl nicht in den Schlaf gekommen. Wir haben Lust auf Sonntag, 14 Uhr.« Der Kardinalsatz steht am Anfang dieser Vorschau.

Liebe Leser, liebe Leserinnen, aufgrund eines technischen Defekts an der Druckmaschine musste der Redaktionsschluss vorverlegt werden. Aus diesem Grund war es uns zeitlich nicht möglich, den Spielbericht der 2. Handball-Bundesliga zwischen dem VfL Lübeck-Schwartau und dem TV Hüttenberg zu berücksichtigen. Wir bitten, dies zu entschuldigen.

Ihre Sportredaktion

Auch interessant